- VonKlaus Fischerschließen
Seit einigen Jahren wird unser Herbst immer farbenfroher, nicht zuletzt durch viele Gehölze in öffentlichen Parks. Auch im heimischen Garten kann ein solches „Herbstwunder“ gepflanzt werden.
Soest – Im Garten ist Ruhe eingekehrt. Zwar könnten wir jetzt bereits mit den Schnittarbeiten beginnen, um Obstgehölze, Beerensträucher, Rosen und andere Ziergewächse in optimale Form zu bringen. Aber derzeit lädt das Wetter dazu nicht ein. Es ist einfach zu nass im Garten. Also beschäftigen wir uns über die Feiertage damit, die neue Saison zu planen.
Ein Aspekt, der seit einigen Jahren bei der Gartengestaltung immer wichtiger geworden ist: Welche Herbstfärbung haben die Gehölze?
Das, was die Amerikaner und Kanadier seit Jahren schon regelrecht zelebrieren, den „indian summer“, fasst auch bei uns zunehmend Fuß. Hat man sich vor Jahrzehnten bei uns über die Zeit der Herbstfärbung kaum Gedanken gemacht und sah diese Periode lediglich als lästigen Übergang mit Laubfegen zwischen Sommer und Winter, so hat sich das längst geändert.
Buche und Eiche eher unscheinbar
Der Grund für diese frühere Missachtung dürfte wohl darin liegen, dass unsere heimischen Hauptbaumarten – Buche, Eiche, Linde, Birke und andere – eine eher unscheinbare Herbstfärbung zeigen, die zwischen braun und gelb wechselt. Ganz anders in Amerika, wo vor allem diverse Ahornarten, die amerikanische Eiche und der Amberbaum für ein wahres herbstliches Farbfeuerwerk sorgen.
Inzwischen sind aber in öffentlichen Parks und etlichen Privatgärten Gehölze auch deshalb angepflanzt worden, weil sie eine spektakuläre Herbstfärbung zeigen. Unser Herbst wird also seit Jahren bunter und feuriger.
Laubgehölze kann vertrocknen
Dass es überhaupt zu diesem Schauspiel kommt, liegt darin, dass die Natur in der Regel möglichst sparsam wirtschaftet. Bekanntlich werfen Laubbäume in unseren Breiten im Herbst ihr Laub ab und bilden im Frühling neues – ein enormer Kraftaufwand, der aber nötig ist, weil die Laubgehölze im Winter sonst verdursten würden. Blätter verdunsten immer Feuchtigkeit. Ist der Boden aber gefroren, können die Wurzeln keine Feuchtigkeit mehr nachliefern, das Gehölz vertrocknet allmählich. Das ist übrigens auch die größte Gefahr für winterharte Kübelgewächse. Bei Dauerfrost erfrieren sie nicht, sondern vertrocknen, weil der durchgefrorene Wurzelballen keine Feuchtigkeit mehr nachliefern kann.
Um möglichst viele Ressourcen einzusparen, lagern die Laubgehölze das wertvolle und farblich dominierende grüne Chlorophyll vorm Laubfall aus den Blättern in Stamm, Rinde und Wurzeln ein. Die anderen Blattfarbstoffe – Carotine, Xantophylle und Anthocyane – kommen dann zum Vorschein, die für die Farben gelb, orange, rot und noch dunkler verantwortlich sind. Diese bunte Phase dauert ein, zwei Wochen. Dann wird die Wasserzufuhr zu den Blättern vom Gehölz unterbunden, und an einer Sollbruchstelle löst sich das nun überflüssig gewordene Blatt und fällt zu Boden.
Blätter von bunt bis feurig: „Herbstwunder“ im eigenen Garten
Wer in seinem Garten im neuen Jahr vielleicht ein solches „Herbstwunder“ pflanzen möchte, sollte jetzt sorgfältig planen und Vor- und Nachteile der einzelnen Gehölze abwiegen. Wer einen stattlichen Baum pflanzen möchte, sollte sich den Amberbaum und diverse Ahornsorten anschauen. Der Amberbaum wächst schmal (bis vier Meter) in die Höhe und kann 20 Meter erreichen.
Es gibt an die 200 verschiedene Ahornsorten. Als Großbaum mit besonderer Herbstfärbung ist der Zuckerahorn (Acer saccharum) zu nennen, der stattliche 40 Meter Höhe und 15 Meter Breite erreichen kann – also nur für große Gärten geeignet ist.
Besonders die asiatischen Ahorne sind aber viel zierlicher in ihrem Wuchs und können teils sogar im Kübel gehalten werden. Ihre Blätter sind meist stark gezahnt und bieten im Herbst ein unvergleichliches Farbenspiel.
Ebenfalls aus Fernost kommt der Gingko, der im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Baum heranwächst und im Herbst ein einmaliges strahlendes Gelb seiner markanten Blätter bietet. Der Essigbaum (Rhus typhina) wächst eher buschig mit mehreren Stämmen, zündet im Herbst ein wahres Farbenfeuerwerk – und ist schwierig zu bändigen. Es empfiehlt sich, ihn nur mit einer Wurzelsperre in den Garten zu setzen, damit seine Wurzelausläufer nicht im Laufe der Jahre Beet für Beet überwuchern.
Rotes Laub und knallrote Beeren
Der Perückenstrauch glänzt schon im Sommer mit rotem Laub, das im Herbst aber noch intensiver wird. Auch die Berberitze besitzt rotes Laub mit noch intensiverer Herbstfärbung sowie knallrote Beeren. Die Felsenbirne, meistens buschig wachsend, bietet uns nicht nur im Sommer leckere Früchte für Marmelade, sondern auch eine intensive Herbstfärbung über Bronze bis zu einem leuchtenden Rot.
Wilder Wein und einige Verwandte sind Ranker, die für ihre tolle Herbstfärbung berühmt sind. Die Apfelbeere (Aronia) produziert nicht nur wertvolle Früchte, sondern auch eine strahlend rote Herbstfärbung.
Nicht vergessen werden sollte die Zaubernuss (Hamamelis) mit ihrem ebenfalls orangerot leuchtendem Laubwerk.
Bevor die Kälte kommt, hatten Hobbygärtner viel zu erledigen – von der Regentonne über die Pumpe bis zum Pampasgras.

