Starkregen in Hamm

„In 50 Jahren noch nicht erlebt“: Immense Unwetter-Schäden in Bockum-Hövel

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Unwettereinsatz: In Bockum-Hövel liefen am vergangenen Sonntag zahllose Keller voll. Die Feuerwehr war mit ihren Pumpen im Dauereinsatz.
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Das Unwetter von vergangenem Sonntag ist vorbei. Doch die Schadensbehebung und Nachbereitung wird alle Betroffenen in Hamm sicherlich noch Wochen und Monate beschäftigen. Vor allem in Bockum-Hövel.

Hamm - Bockum-Hövel hat es von allen Stadtteilen beim Starkregen am Sonntag besonders hart getroffen. Das bestätigte auch der Einsatzleiter der Feuerwehr Hamm, Wolfgang Rumpf. Besonders deutlich sei das an drei Stellen im Stadtbezirk beziehungsweise an der Stadtbezirksgrenze gewesen: An der Warendorfer Straße lief die Bahnunterführung voll, ebenso am Nordenstiftsweg, und nicht zuletzt drohte der Radbodsee überzulaufen.

„Aber wir haben von überall Meldungen bekommen“, sagt Rumpf und erklärt: „Es gab unzählige Einsätze, weil Keller oder Tiefgaragen vollgelaufen waren.“ Von den rund 300 Einsätzen der Feuerwehr wurden allein 170 nördlich der Lippe gefahren.

Große Flächen hätten zudem unter Wasser gestanden, wie bei Tedi an der Römerstraße. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Besonders stark betroffen waren auch die Römerstraße und die Unternehmen, die dort angesiedelt sind.

Unwetter in Bockum-Hövel: Wasser aus allen Öffnungen

„So ein Unwetter habe ich in 50 Jahren noch nicht erlebt“, sagte ein alteingesessener Unternehmer, der namentlich nicht genannt werden will. Wasser sei aus allen möglichen Öffnungen in Geschäftsräume und Werkstätten eingedrungen, teilweise sei das Wasser regelrecht angeschossen gekommen. Sonderlich hoch gestanden habe das Wasser letztlich zwar nicht, aber die Schäden seien dennoch immens. Teppiche, Möbel, Wände, alles sei von einer stinkenden Brühe durchzogen und unbrauchbar geworden.

Wer etwas höher am Römerberg liegt, ist offensichtlich besser weggekommen. So meldet Hella „keine infrastrukturellen Schäden“. Laut Unternehmenssprecher Daniel Morfeld habe es keine Beeinträchtigungen der Maschinen und Produktionsabläufe durch das Unwetter gegeben.

Der Radbodsee drohte überzulaufen.

Unwetter in Bockum-Hövel: Geinegge lief über

„Wir haben noch Glück gehabt“, sagt auch Georg Schroeter, Betreiber des Gewerbehofs Hövel. Es habe wohl einige Schäden durch Rückstaus in den Regenabläufen gegeben. „Aber wir haben das Glück, dass unsere Entwässerung nicht über die Römerstraße erfolgt, sondern nach hinten Richtung Geinegge“, so Schroeter. Dadurch sei zumindest kein Wasser aus der Kanalisation hochgedrückt worden.

„Die Geinegge war enorm voll“, weiß Schroeter zu berichten. Und zwar so voll, dass sie in Höhe der Zechenbahntrasse gestaut wurde, überlief und in einen Revisionsschacht floss. „Das Wasser ist dann Richtung Hüserstraße geflossen und hat dort für Überschwemmungen gesorgt.“

Unwetter in Bockum-Hövel: Bennymax hart getroffen

Und an der Hüserstraße wiederum liegt der Indoorspielplatz Bennymax. Gegen Nachmittag bemerkten die Mitarbeiter, dass Wasser durch die Tür des Notausgangs und andere Stellen in den mit Teppich ausgelegten Spielebereich eindrang. „Fast ein Drittel unserer Anlage stand nachher unter Wasser“, sagte Bennymax-Chef Yakup Barutcouglu. Daraufhin wurden alle Besucher nach Hause geschickt.

Der Indoorspielplatz an der Hüserstraße: Nach den Überflutungen hat Bennymaxx-Chef Yakup Barutcuoglu (Mitte) mit den Aufräumarbeiten begonnen.

Bis Mittwoch hatte der Betreiber gehofft, den Wasserschaden noch im laufenden Betrieb beheben zu können. „Doch es hat sich herausgestellt, dass er deutlich höher ist als wir zunächst dachten“, so Barutcouglu. Der gesamte Teppich müsse ausgetauscht werden. Auch die Bowlingbahn habe etwas abbekommen. Der entstandene Schaden liege im sechsstelligen Bereich. Für die Dauer der Arbeiten muss der Indoorspielplatz für circa vier Wochen geschlossen sein.

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