Bringt es was?

Bodycams in Hamm: So fällt das Fazit der Polizei aus - KOD startet Testphase

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  • Frank Osiewacz
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Seit gut dreieinviertel Jahren ist die Hammer Polizei mit Bodycams ausgestattet. Nun erhält auch der Kommunale Ordnungsdienst zunächst testweise die Minikameras, die sowohl zur Deeskalation aber auch zur Beweissicherung im Einsatz sind.

Hamm - Die Polizei zieht auf Nachfrage eine positive Bilanz. Das Instrument trage in Hamm gefühlt dazu bei, Situationen zu entschärfen, sagte Pressesprecher Hendrik Heine. Objektiv mess- und in Fallzahlen darstellbar sei dies aber kaum. Die Bodycam (deutsch: „Körperkamera“) ist ein kleines quadratisches Instrument, das in Schulterhöhe an der Ausrüstung der Polizisten im Einsatz befestigt ist. Auf Knopfdruck zeichnet sie Ton und Bild in „Full HD“ auf.

Polizei: Bodycam ist fester Bestandteil der Ausrüstung

Eine NRW-weite Trageverpflichtung existiert bisher nicht. „Bei uns gibt es aber kaum jemanden, der sie nicht trägt“, sagt Heine. Ausgegeben werden die Kameras zu Dienstbeginn. „Es sind ausreichend Kameras verfügbar, sodass die Einsatzkräfte auch bei parallelem Einsatzgeschehen damit ausgerüstet sind“, so Heine.

„Die Bodycam ist zu einem festen Bestandteil der Ausrüstung geworden. Die Erfahrungen unserer Beamtinnen und Beamten sind positiv.“ Deren Rückmeldung: Allein das bloße Mitführen könne eine abschreckende Wirkung haben. Spätestens bei dem Beginn der Aufnahme erziele die Kamera in vielen Fällen den gewünschten Effekt – Personen beruhigten sich im besten Fall wieder und die Situation entschärfe sich.

Bildmaterial auch zur Identifizierung der Tatverdächtigen

„Klar ist aber auch: Diese präventive Wirkung lässt sich nicht messen“, so Heine. In Ad-hoc-Situationen könne es auch dazu kommen, dass schlichtweg keine Zeit für die sofortige Aktivierung bleibe. Die Bodycam in verschiedenen Einsatzsituationen sei regelmäßig Bestandteil des Einsatztrainings.

Wie oft Bodycams bislang tatsächlich in Hamm zum Einsatz gekommen seien, lasse sich mit Zahlen nicht genau belegen, weil weder die Androhung noch die Aktivierung statistisch erfasst würden.

Einigkeit herrsche unter den Ermittlern aber, dass das aufgezeichnete Bildmaterial – in nicht bezifferbaren Fällen – zur weiteren Klärung eines Sachverhalts, zum Nachweis der Handlungen und auch zur nachträglichen Identifizierung von Tatverdächtigen geeignet war.

Einsatz-Beispiele aus dem vergangenen Jahr

2022 zeichnete die Bodycam unter anderem in folgenden Fällen Bilder auf. Teils laufen die Verfahren noch:

  • Februar 2022: Eine 40-jährige Frau, die selbst die Polizei zu Hilfe gerufen hat, wird zunehmend verbal aggressiv.
  • März 2022: Während eines Einsatzes wegen häuslicher Gewalt beleidigt ein 62-Jähriger die Beamten massiv.
  • März 2022: Eine 46-Jährige leistet heftigen Widerstand.
  • März 2022: Ein 29-Jähriger beleidigt zunächst die Polizisten und leistet dann Widerstand.
  • April 2022: Unmittelbar nach einem tätlichen Angriff einer 17-Jährigen auf Polizeibeamte wird die Bodycam eingeschaltet.
  • Silvester 2022/23: Ein 18-Jähriger attackiert am frühen Neujahrsmorgen zwei Polizeibeamte körperlich, verletzt, bespuckt und beleidigt sie. Eine 16-Jährige will den aggressiven jungen Mann befreien. Das Verfahren läuft noch.

In diesem wie in den vorangegangenen vier Fällen wurden die Bilder gesichert. Ob sie von einem Richter als Beweismaterial hinzugezogen werden, wird der Verlauf der Verfahren zeigen. Bisher sei ihm kein Fall bekannt, so Heine.

KOD soll verschiedene Modelle ab April testen

Auch der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) in Hamm wird in Kürze mit Bodycams ausgestattet. Zunächst im Rahmen einer drei- bis sechsmonatigen Testphase. „Wir gehen davon aus, dass wir drei Bodycam-Modelle ab dem 1. April zur Verfügung haben und werden dann mit Schulungen starten“, erklärte Stadtsprecher Tom Herberg auf Nachfrage.

In den kommenden Monaten sollen zwei Mitarbeiter des KOD mit den Kameras ausgestattet werden und diese testen. „Im Anschluss erfolgt eine Auswertung der Kamera-Einsätze und eine Information an die politischen Gremien“, so Herberg. „In der Praxis werden die Bodycams nur eingeschaltet, wenn dies das Einsatzgeschehen – zum Beispiel in Form von Beleidigungen oder Aggressionen gegenüber den Mitarbeitern – erforderlich macht.“

Vor dem Einschalten der Kameras sollen die konfrontierten Personen darüber informiert werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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