VonAnnika Wilkschließen
Schon in der Silvesternacht 2022 gab es in manchen NRW-Städten Zonen mit einem Böllerverbot. Wie die Planung für Silvester 2023 aussieht.
Hamm - Gerade nach den Ausschreitungen in der Silvesternacht 2022 fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin mit einer Petition ein bundesweites Böllerverbot. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es in der vergangenen Neujahrsnacht Ausschreitungen. Der Landesvorsitzende der GdB NRW, Michael Mertens, fordert daher ein Böllerverbot in Hotspot-Regionen. Einige Städte machen das auch. Andere Kommunen haben sich sogar eine neue Strategie für Silvester 2023 überlegt.
Böllerverbot in Hotspots in der Diskussion – NRW-Städte uneinig für Silvester 2023
Im Gespräch mit wa.de erklärt Mertens, dass es gerade in Essen und Bonn vergleichbare Randale-Szenen wie in Berlin gab. In der Hauptstadt wurden Einsatzkräfte beispielsweise in einen Hinterhalt gelockt und gezielt angegriffen. Die Polizei Essen erklärt auf Nachfrage, dass es bundesweit in Teilen zu negativen gesellschaftlichen Entwicklungen gekommen ist, die sich gerade an Silvester zeigen. „Wir können daher nicht ausschließen, dass es wieder zu Angriffen auf die Kollegen kommt“, erklärt Sprecher Pascal Pettinatio.
Dennoch spricht sich die Stadt Essen erneut gegen ein generelles Böllerverbot aus. Pettinato sagt, dass die Polizei an Silvester ohnehin immer flexibel sein müsse. „Hotspots könnten wechseln“, sagt er. Im vergangenen Jahr sei es der Bereich rund um den Wasserturm der Steeler Straße gewesen. „Im Jahr davor hat der Altenessener Markt für Schlagzeilen gesorgt“, erklärt der Sprecher.
Schwerpunkteinsatz statt Verbotszonen in Hagen an Silvester 2023
Auch Hagen plant keine Verbotszonen, obwohl es an Silvester 2022 auch hier Ausschreitungen gab. „Die Lage hat sich aus Sicht unseres Ordnungsamtes nicht so drastisch dargestellt, wie Teile der Presse sie beschrieben haben“, heißt es von Stadtsprecherin Clara Treude. Das bestätigt auch die Hagener Polizei auf Nachfrage von wa.de: „Zwar haben für eine kurze Zeit zwei bis drei Mülltonnen auf einer Straße im Stadtteil Altenhagen gebrannt. Hierbei hat es sich aber um keine Barrikade oder ähnliches gehandelt“, so Pressesprecher Tino Schäfer. Die Situation sei schnell bewältigt gewesen.
Es gibt laut Stadt keine Verbotszonen, weil es sich nicht überwachsen ließe. „Es wäre aus Sicht unserer Ordnungsbehörde nicht verhältnismäßig“, sagt Stadtsprecherin Treude. Die Polizei Hagen ist jedoch vorbereitet. Sie kündigt einen Schwerpunkteinsatz an. „Primäres Ziel ist hierbei eine deutlich sichtbare polizeiliche Präsenz im Hagener Stadtgebiet mit dem Schwerpunkt der Innenstadt“, heißt es. Auch die Stadtteile Altenhagen und Wehringhausen werden in diesem Zusammenhand genannt.
Keine Verbotszonen in Essen, dafür aber in Münster
Genau wie die Polizei Essen sieht die Polizei Hagen eine zunehmende schlechte Stimmung in der Gesellschaft gegenüber den Beamten. Böllerverbotszonen würden da auch nicht viel helfen. „Wer Beamte gezielt mit Pyrotechnik beschießt oder bewirft, wird sich auch vermutlich nicht an eine Böllerverbotszone halten“, sagt Schäfer.
Anders macht es die Stadt Münster. Hier gibt es nun bestimmte Orte, an denen das Böllern verboten ist. Davon betroffen sind unter anderem der Domplatz und der Prinzipalmarkt. Das hatte die Stadt auch schon Anfang 2023 angekündigt.
Einen gesonderten Schutz werden in diesem Jahr in allen Städten jüdischen Einrichtungen haben. Durch den Terrorangriff der Hamas auf Israel hat sich auch die Stimmung in Deutschland aufgeheizt. Sowohl die Polizei Hagen als auch Essen zeigen dauerhafte Präsenz vor beispielsweise Synagogen.
Benefitsveranstaltung statt Böllerverbot in Dortmund
Während die eine Stadt die Verbotszonen einführt, schafft die andere sie wieder ab. Dortmund hat in diesem Jahr erstmals seit 2016 keine erweiterten Verbotszonen für Pyrotechnik. Auf Anfrage von wa.de heißt es: „Die Silvester-Feierlichkeiten in Dortmund waren in den vergangenen Jahren weitestgehend friedlich.“
Deshalb habe die Stadt einen neuen Ansatz gewählt. Es gibt zum ersten Mal eine große Silvesterparty auf dem Friedensplatz. Es ist eine Benefizveranstaltung unter dem Motto „Dortmund für Dortmunder“. Damit möchte die Stadt den Bürgern einen gemeinsame und friedlichen Rahmen zum Feiern bieten. „Weil das Event mit mehreren DJs über Mitternacht hinausgeht, dürfte es für entzerrte Publikumsströme in der Innenstadt sorgen“, sagt Stadtsprecher Christian Stein.
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