Nie zu spät: Elke Jakubetzki startet PTA-Ausbildung mit 53 Jahren

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Elke Jakubetzki hat eine Ausbildung zur PTA begonnen — mit 53 Jahren. Dafür musste sie lange kämpfen, sie bekam aber auch viel Unterstützung.

Bönen – Dass man auch mit 53 Jahren beruflich noch einmal durchstarten und dafür auch finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen kann, das zeigt das Beispiel von Elke Jakubetzki. Die Bönenerin will eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA) machen und hat die volle Unterstützung von ihrem Chef, Apotheker Stefan Oyen. Fast wäre der Traum vom neuen Beruf geplatzt, bevor er begonnen hat. Aber Elke Jakubetzki hat Courage gezeigt, für ihren beruflichen Neustart gekämpft – und gewonnen.

Seit Jahren war Elke Jakubetzki freiberuflich als Fußpflegerin tätig. „Der Job machte mir Spaß, aber verursachte mit den Jahren zunehmend Rückenprobleme, weil man überwiegend gebeugt arbeiten muss“, erzählt sie. Also hatte sie sich tageweise als Auslieferungsfahrerin bei Apotheker Stefan Oyen beworben, der drei Apotheken in Bönen betreibt. „Das hat mir sehr gut gefallen. Aber zwei Jobs – Medikamente ausfahren und Fußpflege – das war auf Dauer zu viel“, berichtet Elke Jakubetzki. „Deshalb habe ich mich entschieden, noch mal was Anderes zu machen und eine Ausbildung zu beginnen.“

Für Stefan Oyen geht es nicht nur um den Kampf gegen den Fachkräftemangel

Beim Jobcenter informierte sie sich aber zunächst über die Ausbildung zur Betreuungsassistentin im Altenheim. Der Berufsberater habe sie dann erst auf die Idee gebracht, eine Ausbildung zur PTA (pharmazeutisch-technischen Assistentin) zu machen, da sie ohnehin schon in einer Apotheke arbeitet und ihr die Arbeit dort Spaß macht. Mit diesem Vorschlag ging Elke Jakubetzki zu ihrem Chef Stefan Oyen und lief bei ihm offene Türen ein. Der war sofort begeistert von der Idee und unterstützt sie nun auf dem Weg zur PTA.

„Wir machen das ja nicht nur als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel“, erläutert Stefan Oyen, warum er sich entschieden hat, sie zu unterstützen. Denn gute Mitarbeiter wachsen nicht auf Bäumen. „Wir brauchen eine gesunde Mischung in unserem Team. Wir brauchen junge Leute, die in dem Beruf anfangen, aber auch lebenserfahrene Menschen, die die Kunden entsprechend ansprechen können. Wenn wir durch die Zeiten des Fachkräftemangels gut durchkommen wollen, ist jeder gefragt, sich zu engagieren und kreativ nach Lösungen zu suchen. Dazu gehört das Thema Zuwanderung genauso wie Weiterqualifizierung – wir müssen versuchen, mehr Frauen zurück in den Beruf zu bringen. Da muss man verschiedene Register ziehen – betrieblich, beruflich und gesellschaftlich.“

Ausbildung als PTA: Jakubetzki hat die volle Unterstützung des Arbeitgebers

„Mein Chef hat mich von Anfang an motiviert und mir auch zugesichert, mich einzustellen während der zwei Jahre Schule“, erzählt Elke Jakubetzki. Denn ein Arbeitsvertrag ist Voraussetzung für den Bildungsgutschein, der in ihrem Fall greift, weil sie keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, aber den Realschulabschluss. Die Kosten übernimmt in diesem Fall zur Hälfte die Arbeitsagentur, wenn der Arbeitgeber mitzieht.

Während Elke Jakubetzki für zwei Jahre die Schulbank drückt, hat sie einen Arbeitsvertrag bei Stefan Oyen und danach einen Arbeitsplatz.

„Als ich den Berufsberater informierte, dass alles läuft, sprach der noch von einem Musterfall, dass ich einen Arbeitgeber habe, der mir einen Arbeitsvertrag gibt“, erzählt Elke Jakubetzki. Ohne die Übernahme des Schulgeldes hätte die Bönenerin keine Chance, die Ausbildung zu machen. „Schließlich muss ich von irgendwas leben während der Ausbildung.“

Plötzlich macht die Arbeitsagentur Probleme

Dann kam der Rückschlag: „Plötzlich hieß es von der Arbeitsagentur, der Bildungsgutschein steht mir nicht zu, weil die Ausbildung zur PTA in zwei Jahren Vollzeitschule mit einem sechsmonatigen Praktikum läuft. Voraussetzung für den Bildungsgutschein sei jedoch eine duale Ausbildung, die zur Hälfte in der Berufsschule und zur Hälfte im Ausbildungsbetrieb stattfindet“, erinnert sich Elke Jakubetzki. Sollten ihre Träume doch noch platzen?

Das wollte auch Stefan Oyen nicht einfach akzeptieren. Er wandte sich an Alexandra Zernikow, Ansprechpartnerin für Arbeitgeber bei der Arbeitsagentur, um die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme der Ausbildung zu klären. Am Ende kam man überein, dies sei ein Sonderfall, der Bildungsgutschein wurde schließlich bewilligt. So ist nun sichergestellt, dass Elke Jakubetzki während der Ausbildung ein Gehalt bekommt.

Und dann kam es zu einer unerwarteten Absage...

„Dann habe ich mich bei der Ludwig Fresenius Schule in Dortmund beworben. Es hat lange gedauert, bis ich eine schriftliche Antwort erhielt – und das war eine Absage“, erzählt Elke Jakubetzki. „Ich war am Boden zerstört. Dabei war eigentlich alles klar – dachte ich. Denn ich hatte schon eine mündliche Zusage von der Schule. Alles geplant, alle Voraussetzungen erfüllt, um am 1. September durchzustarten. Und kurz vor der Zielgeraden dann das Aus, mit dem Hinweis, ich könnte es ja im nächsten Jahr versuchen.“ Die Ausbildung noch ein Jahr aufschieben? Mit 18 vielleicht kein Thema, mit über 50 sei das keine Perspektive. Und das ist vielleicht auch ein Unterschied zu viel jüngeren Bewerbern: Sie hat die Absage nicht einfach hingenommen, sondern die Schule angerufen. „Ich wollte die Gründe für meine Ablehnung wissen und klar machen, wie wichtig mir der Ausbildungsplatz ist.“

Bis sie allein Salben und Medikamente herstellen darf, muss Elke Jakubetzki noch viel lernen.

Auch hier – erfuhr sie schließlich – war Fachkräftemangel letztlich der Grund. Wegen Lehrermangels musste der PTA-Lehrgang im vergangenen Jahr abgesagt werden. Also mussten auch die Schüler des Vorjahrgangs zunächst versorgt werden. So konnten nur noch wenige Schüler zusätzlich für das Schuljahr 2023/24 angenommen werden.

Trotzdem hat Elke Jakubetzki nicht aufgegeben

„Die Schule hat sich mein Zeugnis von vor über 30 Jahren angeschaut, und da war ich dann raus“, schätzt Elke Jakubetzki die Gründe ein. „Ich war damals keine besonders gute Schülerin. Als junges Mädchen habe ich nicht gesehen, wie wichtig eine Berufsausbildung ist. Damals war ich nicht sehr motiviert zu lernen, heute bin ich es umso mehr.“

Das habe dann auch ihre Gesprächspartnerin an der Schule so gesehen. „Wer so für seinen Ausbildungsplatz kämpft, der hat eine Chance verdient“, hieß es schließlich. Dann musste sie noch einmal Geduld aufbringen, denn der Schulstart verzögerte sich vom 1. September auf den 2. November.

Nach langem Kampf: Die Ausbildung hat endlich begonnen

Inzwischen hat ihre Ausbildung begonnen, und sie ist begeistert und hoch motiviert. „In meiner Klasse bin ich die Älteste, werde aber von allen akzeptiert, die Jüngste ist 17, der zweitälteste 46.“ Sie weiß, dass es nicht leicht wird, nach so vielen Jahren wieder die Schulbank zu drücken. Aber dass sie das schafft, da haben weder ihr Chef Stefan Oyen, noch ihre Kolleginnen in den Apotheken Zweifel. „Wenn sie Fragen hat, kann sie jederzeit zu uns kommen“, sagt Stefan Oyen, der überzeugt ist: „Sie schafft das!“

Und warum tut sie sich das alles noch an mit 53 Jahren? „Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagt sie, „schließlich habe ich noch einige Berufsjahre vor mir. Es ist nie zu spät“, Sie will auch anderen – vor allem Frauen – Mut machen, sich nach Kindern und Jobs etwas zuzutrauen und eine Berufsausbildung zu machen – und damit auch etwas gegen den massiven Fachkräftemangel in vielen Berufssparten zu tun.

Eines sei jedenfalls sicher: „Meine erwachsenen Töchter freuen sich, dass sie endlich den Spieß umdrehen und mich demnächst fragen können, ob ich auch brav gelernt habe“, lacht sie.

Die Gemeinde Bönen hat ein Integrationsprojekt aufgelegt. So soll das Zusammenleben mit Sinti und Roma in der Gemeinde verbessert werden.

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