Demonstration

Sternenfahrt geplant: Bönener Landwirte protestieren gegen Ampel-Pläne

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Um gegen die geplanten Subventions-Streichungen der Ampel-Regierung zu demonstrieren, organisieren Landwirte eine Aktionswoche. Auf der B1 soll eine Sternenfahrt stattfinden.

Bönen – Das Vorhaben der Ampel-Koalition, den Agrardiesel für die Land- und Forstwirtschaft zu streichen und landwirtschaftliche Zugmaschinen zu besteuern, hat kurz vor Weihnachten bei vielen Landwirten das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht. Jetzt beteiligen sich viele heimische Landwirte an einer Aktionswoche, die am kommenden Montag, 8. Januar, beginnt.

Mitte Dezember waren Landwirte aus ganz Deutschland mit ihren Traktoren zu einer Demo nach Berlin gekommen, um gegen die Sparpläne der Bundesregierung zu protestieren. Bauernpräsident Joachim Rukwied drohte dabei für Januar größere Proteste an, wenn die „unzumutbaren Vorschläge“ nicht komplett zurückgenommen würden.

Aktionswoche der Landwirte: Auch Bauern aus Bönen und Umgebung sind dabei

Daraus wird nun eine bundesweite Aktionswoche der Landwirtschaft, an der sich auch die Landwirtsfamilien aus der Region Ruhr-Lippe beteiligen werden. Zum Abschluss ist am 15. Januar in Berlin wieder eine Großdemo geplant. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Bönener Landwirte auf den Weg nach Berlin machen werden. „Ich werde sicher nicht mit dem Trecker nach Berlin fahren, das ginge – nebenbei gesagt – auch am Thema Agrardiesel vorbei“, sagt der Landwirt Christian Möllmann. Stattdessen organisiert der Landwirtschaftliche Kreisverband Ruhr-Lippe (WLV) eine Tour mit mehreren Bussen in die Hauptstadt.

Anlass der Demonstrationen sind die Pläne, den Agrardiesel und die Kfz-Steuerbefreiung für die Land- und Forstwirtschaft zu streichen.

Der Start der Aktionswoche erfolgt am Montag in Form einer regionalen Sternfahrt aus allen umliegenden Orten zur Fahrt auf der B1 von Geseke bis Dortmund gemeinsam mit dem Kreisverband Soest. Kreisverbandsvorsitzender Hans-Heinrich Wortmann informierte am Mittwoch auf WA-Anfrage über den aktuellen Stand der Planungen: „Die Sternfahrt ist am Dienstag genehmigt worden. Das heißt, dass aus den umliegenden Regionen unseres Kreisverbandsgebietes – von Dortmund über Holzwickede, Hamm, Schwerte bis Fröndenberg – Trecker auf die B1 fahren werden. Ein Großteil davon trifft sich um kurz vor 11 Uhr an der Geschäftsstelle des WLV an der Marie-Curie-Straße in Unna, um gemeinsam in Richtung Werl und Soest zu starten.“

Aktionswoche: Sternenfahrt auf B1 mit über 100 Treckern

Geplant ist die Tour in beide Richtungen, daher werden sich auch Landwirte aus dem Bereich Soest in Richtung Werl und zudem nach Paderborn auf den Weg machen. Wie viele landwirtschaftliche Maschinen dabei sein werden, stand am Mittwoch noch nicht fest. Hans-Heinrich Wortmann rechnete mit mehr als 100 Treckern.

Nachdem der Bauernpräsident im Dezember in Berlin für den 8. Januar Aktionen angekündigt hatte, „wie es das Land noch nicht erlebt hat“, distanzierte sich der Verband Ende 2023 per X (vormals Twitter) von „Schwachköpfen mit Umsturzfantasien und extremen Randgruppen“, die versuchen würden, die Proteste zu „vereinnahmen“.

Landwirte aus Bönen distanzieren sich von „Schwachköpfen mit Umsturzfantasien“

Das wird von den heimischen Landwirten definitiv befürwortet. „Wir wollen doch nicht krampfhaft Randale machen“, unterstreicht Volker Gräfingschulte, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Bönen. Auch mit vereinzelt auf Demos gezeigten Galgen und diversen Androhungen in den Sozialen Medien distanziert sich der 58-Jährige. „Das liegt dem allergrößten Teil der Landwirte völlig fern. Wir wollen vielmehr darauf hinweisen, dass in der Agrarpolitik schon seit Jahrzehnten so einiges schiefläuft“, so Gräfingschulte. So stünden die Landwirte in einem Wettbewerb – auch mit Erzeugern aus der europäischen Union und darüber hinaus. „Da sind wir in letzter Zeit ganz schön durch unsere Politik und die vielen verhängten Auflagen abgehängt worden. Nicht zuletzt gibt es wegen immer neuer, wenig durchdachter Auflagen keine Sicherheit mehr bei der Planung.“

Verständnis hat der Landwirt indes dafür, dass sich so viele seiner Kollegen im Dezember auf den Weg nach Berlin gemacht haben. „Die jungen Leute fragen sich natürlich, ob sie als Landwirt auch weiterhin noch ihre Familie mit ihrer Arbeit ernähren können. Es ist ja kein Zufall, dass mittlerweile sehr viele Betriebe in Deutschland Nebenerwerbsbetriebe sind, also die Menschen noch einen Acht-Stunden-Job haben“, so Gräfingschulte.

Dauer der Sternenfahrt ist noch ungewiss

Auch Möllmann hat wenig Verständnis dafür, wenn Demonstrationen der Landwirte zu anderen Zwecken genutzt werden: „Wenn da plötzlich spontane Dinge wie ein Autokorso in einer Innenstadt stattfinden, bei denen es keinen Versammlungsleiter und Veranstalter gibt, ist der gute Ruf, den Landwirte meiner Wahrnehmung nach genießen, schnell kaputt gemacht“.

Wie lange die Sternfahrt am Montag dauern wird, steht aufgrund der ungewissen Teilnehmerzahl noch nicht fest. Eine Blockade der Bundesstraße 1 sei dabei nicht angedacht, unterstreicht Wortmann. Im Laufe der Woche stünden zudem eine Vielzahl an Gesprächen mit Vertretern aus der Politik an. Angedacht sind überdies kleinere, lokale Veranstaltungen, bei denen Landwirte mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen wollen.

Die Hausärzte in Bönen stehen zudem vor Problemen. Denn: Die Praxis von Dr. Weikamp ist nach dem Tod des Arztes Ende November nun doch geschlossen worden. Zuvor wurde sie vorübergehend von anderen Ärzten offen gehalten.

Rubriklistenbild: © dpa

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