Nun also doch: Praxis Karsten Weikamp schließt ab sofort

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Nach dem plötzlichen Tod von Karsten Weikamp Ende November wurde seine Praxis übergangsweise weiter geführt. Nun steht fest: Sie wird geschlossen.

Bönen – Nun schließt die Praxis von Karsten Weikamp an der Feldstraße doch früher als zunächst in Aussicht gestellt. Ab sofort, so die Information aus der Praxis, werden Patienten hier nicht mehr behandelt. Sie müssen sich an andere Hausarztpraxen in der Gemeinde und umliegenden Kommunen wenden. Das Mitarbeiterteam wird aber weiterhin vormittags erreichbar sein, damit Patienten ihre Krankenakten abholen können.

Schluss nach 24 Jahren

Nach dem plötzlichen Tod von Karsten Weikamp Ende November, hatte die Praxis zunächst drei Ärzte im Ruhestand gefunden, die bereit waren, kurzfristig die Vertretung zu übernehmen, um die Patienten in akuten Fällen medizinisch zu versorgen. Denkbar sei eine Verlängerung der Vertretung bis zu sechs Monate, hieß es zunächst. Danach müsse aber eine generelle Lösung für eine Praxis-Übernahme durch einen jüngeren Mediziner gefunden werden, ansonsten drohe die endgültige Schließung.

Zwischen den Feiertagen hat sich die Familie des verstorbenen Bönener Hausarztes nun entschieden, nach 24 Jahren die Praxis zu schließen und nicht mit Vertretungen weiterzuführen. Offensichtlich blieb die Suche nach niederlassungswilligen Medizinern erfolglos. „Es ist sehr schwer, junge Mediziner dafür zu begeistern, sich als Hausarzt niederzulassen“, hieß es. Zumal Bönen kein gefragter Standort sei, obwohl in der Gemeinde kein Patientenmangel herrscht.

In Bönen gibt es voraussichtlich eine Unterversorgung an Hausärzten

Eher kann mittlerweile schon von einer hausärztlichen Unterversorgung gesprochen werden. Denn den knapp 19 000 Einwohnern stehen aktuell gerade mal vier Hausarztpraxen gegenüber. Die hatten zwar sofort signalisiert, vorübergehend die Versorgung der Weikamp-Patienten in akuten Fällen zu übernehmen – die Betonung liegt aber auf vorübergehend. Dauerhaft sei eine Kompensation der Praxisschließung durch die verbliebenen Hausarztpraxen nicht zu leisten, betonten alle vier Bönener Hausärzte, die angeben, mit den Patientenzahlen bereits jetzt am Limit zu sein. Bis heute ist zudem kein Nachfolger für den Allgemeinmediziner Dr. Eugen Sander gefunden worden. Künftig müssen Bönener Patienten also damit rechnen, sich auch außerhalb der Gemeinde einen neuen Hausarzt zu suchen.

Kreis Unna vergibt derzeit jährlich Medizinstipendien

Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) klingt die Situation noch nicht so dramatisch: Sie fasst den hausärztlichen Versorgungsgrad in Mittelbereichen zusammen. Bönen gehört zum Mittelbereich (MB) Unna, der demnach einen Versorgungsgrad 94,2 Prozent hat. Speziell für die Gemeinde Bönen gibt es allerdings keine Berechnung. Schaut man sich die Altersstruktur der Ärzte vor Ort an, dann sieht das nicht nach Verbesserung der Situation aus, sondern nach einer dramatischen Verschlechterung in den kommenden Jahren. Denn: 36 Prozent der Hausärzte im MB Unna sind älter als 60 Jahre.

Ob die drei Medizinstipendien, die der Kreis Unna mittlerweile pro Jahr an Medizinstudenten vergibt, die gewillt sind, sich nach dem Studium im Kreis niederzulassen, auch in Bönen Entlastung bringen werden, bleibt abzuwarten.

Patientenakten können bei Termin abgeholt werden

Die Praxis Weikamp soll ab dem 3. Januar vormittags wieder öffnen. „Das Team wird zunächst weiterhin vormittags bis 11 Uhr regulär erreichbar sein“, heißt es dazu. Denn hier lagern die Patientenakten, die die ehemaligen Weikamp-Patienten abholen können, damit sie – beziehungsweise ihre künftigen behandelnden Ärzte – Zugriff auf die Krankengeschichte haben und wichtige Informationen nicht verloren gehen.

Das Team bittet die Betroffenen allerdings, zunächst telefonisch unter Telefon 5144 einen Termin auszumachen und nicht unangemeldet vorbeizukommen.

Elke Jakubetzki hat mit 53 Jahren eine Ausbildung zur PTA begonnen. Vorher musste sie aber lange für ihren Traum kämpfen.

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