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Die Gemeinde Bönen erwägt , sich den Ausbau von Photovoltaikanlagen im öffentlichen Raum fördern zu lassen. Richtlinien setzen ihr allerdings Grenzen beim Betrieb.
Bönen - Je mehr, desto besser. Das sollte das Motto beim Umstieg auf regenerative Energiegewinnung sein. Immerhin will Deutschland bis 2045 klimaneutral werden – selbst wenn sich die gesetzte 1,5-Grad-Marke für die globale Erderwärmung dann nicht mehr erreichen lässt. Also her mit Strom aus Wind, Sonne und Wasser, um die Versorgung zu sichern. Die Gemeinde will da gerne mitwirken. Allerdings setzen Bund und Land ihr dabei Grenzen.
Auf den eigenen Gebäuden ist jede Menge Platz für Photovoltaikanlagen, zum Beispiel auf den Schulen. Diese Flächen möchte die Gemeinde auch gerne nutzen, um der Sonne Energie abzugewinnen. Aus eigener Tasche kann sie das derzeit jedoch nicht finanzieren. Um die Energiewende voranzutreiben gibt es allerdings Unterstützung. Mit dem Modul „Erneuerbare Energien“ fördert das Land nach Angaben des zuständigen Ministeriums Anlagen, Techniken und Maßnahmen zur klimafreundlichen Energieerzeugung. Zweck dieses Programmbereichs sei es, anwendbare Techniken zu verbreiten, mit der sich erneuerbare Energien nutzen sowie Energie sparen lassen. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zu den Klimaschutzzielen Nordrhein-Westfalens geleistet werden.
Photovoltaik auf Dächern von öffentlichen Gebäuden: Schulen bieten sich an
In Bönen könnte ein Anfang beispielsweise am Schulzentrum gemacht werden, wie es im Fachausschuss schon einmal besprochen wurde. Das hat einen besonders hohen Strombedarf. Auf Sporthallen, Realschule und Marie-Curie-Gymnasium kommen zudem etliche Quadratmeter zusammen, die reichlich Solarmodule aufnehmen können. Jede Menge Strom lässt sich dort also erzeugen. Doch zu viel darf es nicht werden, erklärt Bönens Klimaschutzmanager René Böhm. Dem stünden die Förderrichtlinien entgegen.
Statt das einleitende Motto aufzugreifen und jede Kilowattstunde im öffentlichen Netz dankbar anzunehmen, die ohne klimaschädliche Brennstoffe wie Gas, Öl oder Kohle erzeugt wird, begrenzt die Anforderung für das Programm „Förderung von Photovoltaik-Dachanlagen auf kommunalen Gebäuden zusammen mit einem Batteriespeicher“ die Einspeisung. Der angenommene Jahresertrag der Anlage darf nicht höher sein als der voraussichtliche Stromverbrauch des kommunalen Gebäudes, heißt es da. Und: „Die prognostizierte Eigenverbrauchsquote muss bei mindestens 80 Prozent liegen.“
Förderungen von Bund und Land: Es gibt einige Einschränkungen
In den ersten drei Jahren nach Inbetriebnahme einer geförderten Anlage müsste die Gemeinde demnach nachweisen, dass sie nicht mehr als 20 Prozent des jährlich damit erzeugten Stroms in das öffentliche Netz eingespeist und vergütet bekommen hat. Gewinne aus der Stromproduktion darf eine Kommune nach den Regelungen nicht erzielen.
Sollten die 20 Prozent doch mal überschritten werden, müsste die Verwaltung umgehend eine „selbstverpflichtende Erklärung“ an die Bewilligungsbehörde, die Bezirksregierung Arnsberg, schicken. Die Gewinne sind in solchen Fällen in die nicht-wirtschaftlichen Tätigkeiten der Kommune zu reinvestieren, heißt es weiter im Runderlass des Ministeriums.
Was das für Bönen heißt
Für Bönen bedeutet das: Es muss genau berechnet werden, wie viele Module auf welche Dächer kommen, um am Ende nicht zu viel Strom zu erzeugen. Gerade bei den Schulen gibt es schließlich ein Problem: Im Hochsommer, wenn die meisten Sonnenstunden anfallen, haben die aufgrund der Ferien sechs Wochen geschlossen. Wohin dann mit dem erzeugten Strom?
Der in Kombination mit einer PV-Anlage geförderte Batteriespeicher darf maximal eine Kapazität haben, die in Kilowattstunden zweimal so groß ist wie die Nennleistung der verbundenen Photovoltaikanlage in Kilowatt-Peak.
Volles Potenzial kann durch Richtlinien nicht ausgeschöpft werden
„Das ist schade“, bedauert René Böhm. „Wir könnten da noch mehr machen.“ Statt die Kapazitäten voll auszuschöpfen, könne so wohl nur eine kleinere Anlage als eigentlich möglich wäre auf dem Schulzentrum installiert werden, damit die Gemeinde von der Förderung profitieren kann. Immerhin mit bis zu 90 Prozent der Kosten und mit höchstens 350 000 Euro unterstützt das Land die Systeme auf städtischen und gemeindlichen Dächern.
Welche Gebäude dafür in Bönen infrage kommen, steht indes noch nicht fest, heißt es aus dem Fachbereich der Gemeinde. „Vorab wollen wir die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen prüfen lassen, zum Beispiel statische Daten, den möglichen Eigenverbrauch und Weiteres“, gibt Fachbereichsleiter Robert Eisler an. Für das Förderprogramm sei eine Vorabprüfung verbindlich vorgesehen. Zeit haben die Sachbearbeiter bis zum 30. Juni kommenden Jahres, dann muss der Förderantrag eingereicht sein.
Welche Dächer infrage kommen, das steht noch nicht fest
Erst wenn dieser bewilligt wurde, kann es losgehen – zumindest mit der Planung. Auch hierfür gibt es finanzielle Hilfe, und zwar aus einem zweiten Fördertopf für „Planungs- und Beratungsleistungen zum Photovoltaikausbau“. Die Förderhöchstgrenze dafür beträgt 35 000 Euro, bezahlt werden wiederum 90 Prozent der Ausgaben für Machbarkeitsstudien, Potenzial- und Wirtschaftlichkeitsanalysen, Konzepte, Gutachten, Voruntersuchungen sowie Dienstleistungen, um das Bauleitverfahren zu begleiten.
Neben Dachanlagen werden übrigens gleichfalls Fassaden-Photovoltaik und PV-Anlagen auf Garagen und Carports bezuschusst. Das wäre eine weitere Möglichkeit für Bönen, an Fördermittel für die Energiewende zu kommen. „Mit Blick auf die energetischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen sich neue Herausforderungen zu einer energetischen Gesamtbetrachtung unserer Gebäude. Hier wäre Photovoltaik nur ein Mosaikstein neben Maßnahmen zur Dämmung, Austausch von Fenstern, Dachsanierungen und Austausch von Heizungen mit Gas oder Öl“, so Robert Eisler.
Die Verwaltung prüfe daher, ob es neben dem genannten Förderprogramm weitere Möglichkeiten gibt, solche Vorhaben zu finanzieren – insbesondere mit Blick auf die schwierige Haushaltslage der Gemeinde in den kommenden Jahren.
In Bönen fiel zuletzt weniger Müll an, als in den Vorjahren. Dennoch sollen die Gebühren für die Müllentsorgung steigen.
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