Umleitungsstrecke

„30 fürs Karma“: Anwohner appellieren an Autofahrer – Igel totgerast

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Familie Hartmann ist besorgt um Kinder und Katze.
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Borgelns Anwohner sind in Sorge um Tiere und Kinder. Umleitungsnutzer sind oft zu schnell unterwegs. Die Ortsvorsteherin fordert auch für andere Ecken Tempo 30.

Borgeln – Die Borgelner sind genervt. Und sie sind besorgt. Besorgt um die kleinsten Einwohner des Ortsteils.

Die offizielle Umleitungsstrecke für die teilgesperrte Hammer Landstraße führt über die Bördestraße und den Butterkamp. Einige Anwohner sind kreativ geworden: Auf Schildern erinnern sie alle paar Meter daran, langsam zu fahren oder das Tempo statt der erlaubten 50 „Kind und Katz“ zuliebe auf 30 zu drosseln.

„30 fürs Karma“: Bürgersteige werden geschnitten

Die „Langsam“-Schilder auf Pappe hat Anwohnerin Sabine Latermann aufgehängt. „Selbst bei uns vorm Küchenfenster wird einfach überholt“, kann sie von vielen brenzligen Situationen berichten. Es gab bereits gefährliche Situationen, bei denen Autofahrer den Bürgersteig nutzten, wo Kinder spielen. „Wir haben kleine Kinder in der Nachbarschaft, die den Bürgersteig nutzen“, so Latermann besorgt. Auch ein Radfahrer habe schon in ihre Einfahrt springen müssen. „Den hätten sie fast weggemäht.“

Auf selbst gebastelten Schildern mahnen Borgelner Anwohner, mit gemäßigtem Tempo die Umleitungsstrecke zu fahren.

Das Verkehrsaufkommen habe in den letzten zwei Wochen immens zugenommen. „Wenn 30 Sekunden mal kein Auto kommt, grenzt das schon an ein Wunder“, so Latermann. „Das ist schon echt krass.“ Gelärmt werde von 6.15 Uhr in der Früh bis abends um 21 Uhr – auch in den Ferien.

„30 fürs Karma“: Igel vor Kinderaugen in zwei Teile gefahren

„Wir hatten bis vor Kurzem noch einen Igel im Garten, den wir gefüttert haben“, erzählt Julia Hartmann. Die Anwohnerin hat das „30 fürs Karma“-Schild mit ihren drei Kindern gebastelt und in ihre Einfahrt gestellt. Wirkung zeigt es nicht. „Unsere Kinder mussten mit ansehen, wie der Igel in zwei Teile gefahren wurde. Wäre der Fahrer nicht mit Tempo 70 durch den Ort gerast, wäre das womöglich nicht passiert. Probleme hätte die Familie bei der hohen Geschwindigkeit, die manche auf der Bördestraße an den Tag lägen, überhaupt aus ihrer Einfahrt zu gelangen.

Ortsvorsteherin Anke Wolff-Hochstein wohnt ebenso an der Bördestraße. Sie ist seit zwei Wochen aus dem Urlaub zurück. „Ich bin abends mit meiner Tochter noch mit dem Hund gegangen. Ich dachte, ich bin in einer Großstadt“, schildert sie. „Sonst ist das hier definitiv nicht so.“

„30 fürs Karma“: Dialogdisplays mit schwarzem Bildschirm vor Schule

Sie selbst habe erst relativ spät erfahren, dass die Umleitung für die Baumaßnahme durch ihren Ort führen soll. „Das ist mir in Gänze entgangen“, sagt sie und hat das Gefühl, ein Déjà-vu an die Situation vor fast exakt einem Jahr zu durchleben. Auch da war die Hammer Landstraße gesperrt – die Info habe sie, wie auch Bäckerei Steinhoff und Gemüsehof Buschhoff, spät erreicht. „Ich hätte mir gewünscht, dass man daraus gelernt hat und Betriebe und mich aktiv informiert hätte“, kritisiert Wolff-Hochstein. „Das ist leider nicht geschehen.“

Langsam fahren nicht alle.

Noch im Urlaub hätten sie Beschwerden wegen der Lärmbelästigung und der Raserei vor Kita und Grundschule an der Bördestraße erreicht. An Tempo 30 hält sich kaum einer. Die Ortsvorsteherin habe sich daraufhin dafür eingesetzt, Dialogdisplays auf der Höhe zu installieren. Sie zeigen den Verkehrsteilnehmern ihr Tempo an und ob sie damit im „grünen Bereich“ liegen oder nicht. Aktuell ist der Bildschirm jedoch schwarz. Ob sie trotzdem zählen, weiß sie nicht. „Es ist aber gut, dass sie hängen.“

„30 fürs Karma“: Auch in anderen Bereichen des Dorfes Tempo 30

Begrüßen würde die Ortsvorsteherin, wenn auch auf dem anderen, weniger breiten Teil der Bördestraße oder bestenfalls im gesamten Dorf, Tempo 30 gelten würde. Schließlich gingen hier viele auf dem Weg zur Schule entlang – mit Tornister oder Fahrrad ganz schön eng. Und gefährlich bei dem Tempo. „Das ist schon echt gruselig“, findet Wolff-Hochstein. „Da tun mir die Kinder echt leid. Man lässt sie nicht alleine gehen.“

Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoll, auch in dem Bereich Messungen durchzuführen und nicht nur in der 30-er-Zone vor der Schule. Gerne heizten an Wochenenden Mopeds mit „70 Sachen“ durchs Dorf – sie wären sonst über Haselhorst gefahren. Die Ortsvorsteherin habe darum gebeten, die Ortseingangsschilder vor die Kurve zu versetzen, denn sonst könne man theoretisch bis zur Kurve mit 100 Kilometer pro Stunde fahren.

„30 fürs Karma“: Ortsvorsteherin fährt konstant 30

Gehe es nach Wolff-Hochstein sei eine komplette 30er-Zone ab Ortseingangsschild wünschenswert. Sie selbst fahre mit Tempomat konstant mit 30 durch Borgeln. „Dazu kann man nur appellieren. Dann muss man fünf Minuten mehr einplanen“, so die Ortsvorsteherin. „Stell dir vor, es wäre vor deiner Haustür. Das willst du echt nicht haben.“ Borgeln ist schließlich ein belebtes Dorf.

Auch in Scheidingen sind die Anwohner genervt, der Ortsvorsteher fordert Tempokontrollen: Baustellen gibt es in Scheidingen bereits jetzt viele.

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