VonAndreas Schmidschließen
Die Bürgergeldquote in Nordrhein-Westfalen ist deutlich höher als im Bund. NRW stellt die Städte mit den höchsten Quoten, wie unsere Sozialhilfeübersicht zeigt.
Im Kommunalwahlkampf in Nordrhein-Westfalen geht es immer wieder ums Bürgergeld: CDU-Politiker fordern Kürzungen, SPD-Oberbürgermeister ein härteres Durchgreifen gegen „mafiöse Strukturen“ beim Sozialbetrug. Die Bundesregierung arbeitet bereits an einer Bürgergeldreform – die in NRW große Auswirkungen haben wird. Denn im bevölkerungsreichsten Bundesland ist die Bürgergeldquote besonders hoch, wie unsere Übersicht zeigt.
Bürgergeldquote nur in Stadtstaaten höher als in NRW
10,8 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen beziehen Leistungen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch – also Bürgergeld. Die Quote liegt damit höher als im Bundesschnitt, wo 8,1 Prozent Bürgergeld bekommen. Höher als in NRW ist die Bürgergeldquote nur in den Stadtstaaten Hamburg (11,8 Prozent), Berlin (14,5) und Bremen (17). Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor, die der Westfälische Anzeiger von IPPEN.MEDIA ausgewertet hat.
Dass die Werte in den Stadtstaaten am höchsten sind, überrascht nicht. Der hohe Bürgergeldanteil liegt unter anderem an strukturellen Arbeitsmarktproblemen in urbanen Ballungsräumen und einem höheren Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. Wenig überraschend weisen auch andere größere beziehungsweise strukturschwache Städte hohe Bürgergeldquoten auf, wie der detaillierte Blick auf die Werte aller Landkreise und kreisfreien Städte zeigt. Auch hier: Nordrhein-Westfalen hat die höchsten Werten.
Bürgergeldquote nach Stadt: In Gelsenkirchen bezieht fast jeder Vierte
Am höchsten ist die Bürgergeldquote in Gelsenkirchen, wo fast jede(r) Vierte im erwerbsfähigen Alter Bürgergeld bezieht (23,5 Prozent). Dahinter folgen Bremerhaven, das zum Bundesland Bremen gehört, sowie mehrere andere Städte im armutsbetroffenen Ruhrgebiet. In Dortmund, Essen, Herne oder Duisburg ist es rund jede(r) Sechste. Generell dominieren NRW-Städte in der Liste der Orte mit den höchsten Quoten; auch Hagen, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Wuppertal und Mönchengladbach liegen auf vorderen Plätzen (siehe Tabelle).
In ländlichen Raum sind die Werte deutlich niedriger. Zu den Landkreisen mit den NRW-weit prozentual gesehen wenigsten Bürgergeldempfängern zählen die Kreise Olpe (5,3 Prozent), Borken (5,5) und Coesfeld (5,8). Im Kreis Recklinghausen sowie im Ennepe-Ruhr-Kreis (u.a. Witten, Hattingen und Gevelsberg) ist die Bürgergeldquote mit 13,5 beziehungsweise 10,7 Prozent auf Kreisebene am höchsten.
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