Bundestagswahl 2025

Bundestagswahl: Deutsche im Ausland fühlen sich „diskriminiert“

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Vater Malte, Tochter Yandé und Mutter Nadine Lindberg (von links) halten zusammen.
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Extreme Bürokratie erschwert die Teilnahme an der Bundestagswahl für die Familie Lindberg, die in der Schweiz lebt. Die ehemaligen Halveraner möchten aber unbedingt ihre Stimmen abgeben.

Halver - Auch Deutsche, die im Ausland leben, freuen sich auf die anstehende Bundestagswahl. Mit einer Stimme in der ehemaligen Heimat etwas bewirken zu können, ist für viele ein Ansporn.

Bundestagswahl: Deutsche im Ausland fühlen sich „diskriminiert“

Wie für die Ex-Halveranerin Nadine Lindberg, die jetzt mit ihrer Tochter Yandé und Ehemann Malte in der Schweiz in der Nähe von Zürich lebt. „Wir möchten unbedingt in Deutschland wählen, weil wir immer noch einen sehr engen Bezug zu unserer ehemaligen Heimat haben“, erklärt Nadine Lindberg, die viele Jahre in Halver-Oeckinghausen gelebt hat.

Nur aber ist die Familie Lindberg verärgert – weil ihrer Tochter Yandé die Teilnahme an der Wahl besonders schwer gemacht wird. Der Grund: Sie ist vor ihrem 14. Lebensjahr mit ihrer Familie in die Schweiz gezogen. Nunmehr zum zweiten Mal wird von der 22-Jährigen ein Schriftstück verlangt, um sich ins Wählerverzeichnis eintragen zu lassen.

Keine Wahl ohne Motivationsschreiben

„Bitte formulieren Sie auf einem gesonderten Blatt eine Begründung, warum Sie persönlich und unmittelbar eine Vertrautheit mit den politischen Verhältnissen in Deutschland besitzen und von ihnen betroffen sind“, heißt es in dem Schreiben ihrer letzten deutschen Heimatgemeinde, eine Zeit lang hat die Familie auch in Hamburg gelebt. „Bitte übermitteln Sie den Antrag bis zum 2. Februar 2025“, heißt es weiter.

Auf den Berg schauen die Lindbergs von ihrem Haus aus am Zugersee.

Bei Yandé Lindberg und Mutter Nadine sorgt das für Empörung. Auf der einen Seite darüber, dass überhaupt so ein Motivationsschreiben verlangt wird, auf der anderen, dass das Ganze nicht digital funktioniert, sondern als handschriftlich unterzeichneter Brief aus Papier per Post eingehen muss. „In der Schweiz gibt es auch noch A-Post und B-Post. So eine Briefsendung kann also etwas dauern“, weiß die 22-Jährige, die in Zürich Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert.

Eine deutsche Freundin der Lindbergs, die auch in der Schweiz lebt, sagt dazu: „Wählen in Deutschland habe ich mir leider abgewöhnt, da die Bürokratie mit den Wahlunterlagen so katastrophal ist.“ Bei der vergangenen Wahl sei der Brief viel zu spät angekommen, obwohl sie diesen extra in Deutschland zur Post gebracht habe, „trotz Rennerei und Anruf durfte ich dann doch nicht wählen.“

Yandé (links) und Nadine Lindberg möchten unbedingt an der Bundestagswahl teilnehmen.

Nadine Lindberg schüttelt den Kopf. „Das kann doch nicht sein, dass Deutschen im Ausland solche Steine in den Weg bei der Wahl gelegt werden.“ Und warum würden nicht die elektronischen Möglichkeiten, die es heute gibt, genutzt? Diese Frage stellt sich die Familie gerade ganz besonders.

Dies alles sorge doch nur dafür, dass immer mehr Wahlverdrossenheit unter jungen Erwachsenen herrsche. „Meine Tochter ist in der Prüfungsphase, muss gerade für Klausuren lernen. Und jetzt muss sie auch noch so ein Schreiben verfassen“, ärgert sich die Mutter. Auch fragt sie sich, wo die Motivationsschreiben landen. Normalerweise müssten sie doch auf das erste Schriftstück zurückgreifen können, fragt sie sich, „oder landen die gar im Müll?“

Muss ich jetzt immer so ein Motivationsschreiben verfassen? Meine Motivation ist die gleiche wie vor drei Jahren.

Yandé Lindberg

Doch ihre 22-jährige Tochter will sich von der Wahl in ihrer ehemaligen Heimat nicht abhalten lassen. „Wählen zu dürfen, ist ein Privileg und eine Pflicht. Ich möchte mit meiner Stimme etwas gegen den Rechtsruck in Deutschland tun. Auch weil mir das Land immer noch viel bedeutet und ich später mal wieder dorthin zurückmöchte“, sagt sie. Sie sei gerne bereit, mit dem Schreiben ein wenig Aufwand zu betreiben, um dieses Privileg wahrnehmen zu dürfen. Besonders ärgerlich sei aber, dass das nicht digital erfolgen könne.

Gegen Rechtsruck wählen

Und: „Muss ich jetzt immer so ein Motivationsschreiben verfassen? Meine Motivation ist die gleiche wie vor drei Jahren“, betont sie. Sie lebe ja nicht auf der anderen Seite der Welt, sondern im Nachbarland und in dem Teil der Schweiz, in dem Deutsch gesprochen wird. „Deshalb spüre ich auch noch die kulturelle Nähe und informiere mich regelmäßig über Zeitungen und Fernsehen über die gesellschaftlichen und politischen Geschehnisse in Deutschland“, sagt die Studentin, die hingegen über keine Wahlberechtigung in der Schweiz verfügt. „Das macht es für mich schwierig, weil die Schweiz ja auch mein Zuhause ist.“ Erst nach zehn Jahren könne sie sich in ihrem jetzigen Heimatland einbürgern lassen und den Schweizer Pass beantragen. Das sei jetzt Ende Januar der Fall.

Das Motivationsschreiben für die Wahl in Deutschland empfindet Lindberg außerdem als diskriminierend. Ihr werde so das Gefühl gegeben, sich rechtfertigen zu müssen, dass sie noch „Deutsch genug“ ist, um wahlberechtigt zu sein. Auch werde ihr so unterstellt, dass die einstige Heimat ihr nichts mehr bedeute.

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