VonMirjam Ratmannschließen
Seit 2018 wird in Deutschland keine Kohle mehr gefördert. Viele ehemalige Zechen stehen jedoch weiterhin – und bieten jetzt Platz für Kultur- und Bildungsangebote.
Hamm – Als im Dezember 2018 die letzte Zeche Deutschlands, die Zeche Prosper Haniel in Bottrop schloss, endete damit eine Ära in NRW. Gerade das Ruhrgebiet rund um Essen, Duisburg und Bochum wurde durch den Kohleabbau in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt, hatte Menschen Arbeit und Wohlstand gebracht.
Zu Beginn des Industriezeitalters gab es in Deutschland zeitweise über 1000 Zechen. 1939 waren es noch 151. 1955 beschäftigen allein die Zechen des Ruhrgebiets 478.000 Menschen. Bis 2018 haben die Zechen fast zwölf Milliarden Kubikmeter Kohle abgebaut. Doch obwohl das Kohlezeitalter seit 2018 endgültig begraben wurde, stehen zahlreiche Zechen im Ruhrgebiet noch. Das ist mit ihnen passiert.
Eine Pilgerstätte für Industriekultur: Zeche Zollverein
Wenn es eine Zeche im Ruhrgebiet gibt, die stellvertretend für die historische Bedeutung des Kohleabbaus in der Region steht, dann ist es wohl die Zeche Zollverein. Von 1851 bis 1986 befand sich auf Zollverein eine aktive Zeche. Es war gleichzeitig die letzte Zeche, die in Essen schloss. Seit 2001 gehört das Gelände zum UNESCO-Kulturerbe.
UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein – So kommt man hin
Mit dem Auto: Für den Besuch der Zeche Zollverein „Fritz-Schupp-Allee“ oder „Arendahls Wiese“ ins Navi eingeben. Kostenfreie Parkplätze für Autos sind ausgeschildert und befinden sich sowohl auf der Zeche (A1, A2 und B) als auch auf der Kokerei (C).
Das Parkdeck Zollverein auf der Kokerei, kostet 1,80 €/Stunde, ein Tagesticket kostet 7,50 €.
Mit dem ÖPNV: Mit der Straßenbahn 107 entweder zur Haltestelle „Zollverein“ oder „Zollverein-Nord“. Alternativ kann man mit Bus 170, Bus 183 oder Regionalbahn RB32 nach „Zollverein Nord“ oder zur Haltestelle „Kokerei Zollverein“ und „Kohlenwäsche“ (mit Bus 183) fahren.
Zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 eröffnete 2010 in der ehemaligen Kohlenwäsche das Ruhrmuseum – das Regionalmuseum des Ruhrgebiets, das sich mit rund 6000 Exponaten der Kultur- und Naturgeschichte einer der größten Industrieregionen der Welt widmet.
| Was? | Ruhrmusem |
|---|---|
| Wo? | Gelsenkirchener Str. 181, 45309 Essen |
| Seit wann? | 2010 |
| Öffnungszeiten | täglich 10 bis 18 Uhr |
| Eintritt | Erwachsene 10 Euro, ermäßigt 7 Euro |
Im ehemaligen Kesselhaus der Zeche Zollverein befindet sich zudem im Red Dot Design Museum die weltweit größte Ausstellung zeitgenössische Designs. 2002 gründete sich außerdem in der ehemaligen Waschkaue PACT Zollverein – eine Bühne für zeitgenössischen Tanz und Performance.
| Was? | Red Dot Design Museum |
|---|---|
| Wo? | Gelsenkirchener Str. 181, 45309 Essen |
| Seit wann? | 2002 |
| Öffnungszeiten | Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr |
| Eintritt | Erwachsene 9 Euro, ermäßigt 4 Euro |
Ohnehin steht die Zeche Zollverein seit Jahren im Zentrum, wenn es um Kulturveranstaltungen in Essen geht. Erst im September fand auf Zeche Zollverein das große Zechenfest statt. Regelmäßig gibt es auf dem Gelände Konzerte, Lesungen, Vorträge oder Kabarett-Veranstaltungen. Im Sommer bietet die Zeche Zollverein zudem ein Open-Air-Kino an, im Winter kann man zwischen Koksöfen und Schornsteine auf einer Eisbahn Schlittschuh laufen.
Industriekultur zum Anfassen: Zeche Zollern
Die Zeche Zollern im Westen Dortmunds nahm 1873 ihre Arbeit auf. Über die Jahrzehnte der Kohleförderung entwickelte sich die Zeche nicht nur zu einer der Großzechen des Reviers, sondern auch zu einem wichtigen Arbeitgeber für die Region. Die Belegschaftszahl schwankte zumeist zwischen 1500 und 2500 Beschäftigten. 1955 wurde die Zeche geschlossen.
Zeche Zollern – So kommt man hin
Mit dem Auto: Zum Parkplatz „Rhader Weg 5“ kommt man wie folgt: über die A40 Dortmund – Essen, die Abfahrt Dortmund-Lütgendortmund / B235 nehmen, dann Wegweisern folgen. Alternativ über die A42 Dortmund – Oberhausen, die Abfahrt Castrop-Rauxel, dann B235 nehmen und Wegweisern folgen. Oder über die A45 Dortmund – Frankfurt, Abfahrt Dortmund-Marten, dann Autobahnzubringer Richtung Dortmund-Marten nehmen und Wegweisern folgen.
Mit dem ÖPNV: Vom Dortmunder Hbf die U47 bis Haltestelle „Dortmund-Huckarde Bushof“, dann Bus 462 bis „Industriemuseum Zollern“ der Buslinie 462. Alternativ S1 bis Bochum Langendreer oder S4 bis Dortmund-Lütgendortmund, dann Bus 378 Richtung Castrop-Rauxel bis Haltestelle „Bövinghauser Straße“; dann noch Fußweg von ca. 1 km oder mit dem Bus 462 Richtung Huckarde bis Haltestelle „Industriemuseum Zollern“. Oder man nimmt die RB43 bis „Dortmund-Bövinghausen“; von dort ist es ein zehnminütiger Fußweg zum Museum.
1979 gründete sich das Westfälische Industriemuseum (seit 2007: LWL-Industriemuseum). 1984 zog der Landschaftsverband Rheinland mit der Gründung des LVR-Industriemuseums nach. Zentrale Aufgabe dieser beiden Museen ist die Erforschung der Geschichte der Arbeit und ihre Darstellung am originalen Schauplatz, im historischen Industriegebäude und angrenzenden Arbeiterhaus. Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen wurde die Zeche Zollern 1999 als Museum für die Öffentlichkeit geöffnet.
| Was? | LWL-Museum Zeche Zollern |
|---|---|
| Wo? | Grubenweg 5, 44388 Dortmund |
| Seit wann? | 1999 |
| Öffnungszeiten | Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr |
| Eintritt | Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro |
Heute gibt es in der ehemaligen Schachthalle, Waschkaue, Lampenstube sowie in der Alten Verwaltung Dauerausstellungen über die Industriekultur und Geschichte der Zeche Zollern. Zudem finden wechselnde Sonderausstellungen statt, zuletzt zum Beispiel eine über den Kolonialismus. Außerdem bietet das Museum themenbezogene Führungen durch die Ausstellungen an.
Soziokultur lebendig gemacht: Zeche Carl
Zwischen 1861 und 1929 wurde in der Zeche Carl in Essen-Altenessen Kohle abgebaut. Bis 1970 wurde sie weiterhin zur Seilfahrt, Materialbeförderung und Bewetterung genutzt. Ab 1955 stand die Zeche jedoch bereits mehrheitlich leer, einige Gebäude wurden abgerissen.
Zeche Carl – So kommt man hin
Mit dem Auto: Auf dem Parkplatz der Zeche Carl stehen Besucherinnen und Besuchern 63 Parkplätze mit vier Behindertenparkplätzen zur Verfügung.
Mit ÖPNV: Vom Essener Hbf die U11 oder U17 Richtung „Karlsplatz“ oder „Alte Landstr.“ nehmen und bis zur Haltestelle „Essen Altenessen Mitte“ fahren. Zu Fuß sind es fünf Minuten zur Zeche Carl.
Erst 1977 schloss sich eine Initiative von Bürgern und Jugendlichen zusammen, um sich für den Erhalt des historischen Gebäudes einzusetzen. In der Folge entstand 1978 unter der „Initiative Zentrum Zeche Carl“ ein soziokulturelles Zentrum auf 100 Quadratmetern, das für Menschen aus allen Bevölkerungsschichten ein breit gefächertes Programm aus Kursen, Workshops und Veranstaltungen anbietet.
| Was? | Zeche Carl |
|---|---|
| Seit wann? | 1978 |
| Wo? | Wilhelm-Nieswandt-Allee 100 45326 Essen |
| Was? | vielfältiges Kultur- und Bühnenprogramm |
Neben Konzerten nationaler und internationaler Künstler finden in der Zeche Carl auch Comedy- und Kabarettveranstaltungen, Theateraufführungen sowie Partys und Tanzveranstaltungen statt. Darüber hinaus bietet die Zeche Carl Workshops an, zum Beispiel zum Thema Selbstverteidigung oder gesunde Ernährung. 2018 feierte das Zentrum sein 40-jähriges Bestehen.
Neben Kulturveranstaltungen bietet die Zeche Carl im Restaurant Malakow auch einen gastronomischen Service an. Für Kinder findet ein regelmäßiger Kinderflohmarkt statt. Zudem können Kinder und Jugendliche in einem Musik-Workshop lernen, selbst Musik zu produzieren. Mit Carls Garten hat die Zeche außerdem einen Stadtteilgarten angelegt. (mr)
Rubriklistenbild: © Axel Heimken/picture alliance




