VonMarkus Hannekenschließen
Die WDI kritisiert die Baustellenstrategie der Stadt Hamm. Mangels konkreter Planungsinformationen sieht sich einer der stadtweit größten Arbeitgeber abgehängt und befürchtet ein logistisches „Chaos“.
Hamm - „Per Zufall“ haben die Verantwortlichen der Westfälischen Draht-Industrie (WDI) von der unmittelbar bevorstehenden Teilsperrung der Wilhelmstraße erfahren. Konkret am vergangenen Montag über einen entsprechenden Onlineartikel auf wa.de, wie Marketingchef Frank Aubry sagt. Ein städtischer Mitarbeiter habe auf Nachfrage ergänzt, dass die Bauarbeiten in wenigen Tagen begännen und die Gesamtmaßnahme nach vier bis sechs Wochen abgeschlossen werde.
Der Knackpunkt: Die Wilhelmstraße wird dann stadtauswärts zur Einbahnstraße und stadteinwärts gesperrt. Über eben diesen Weg kommen jedoch die allermeisten jener Zulieferer, die 40-Tonner mit einer Höhe von mehr 3,80 Meter nutzen und das Haupttor 4 an der Otto-Brenner-Straße als Ziel haben. 50 bis 60 Einheiten seien das täglich, so Aubry. Alle umliegenden Routen-Alternativen seien nicht zuletzt wegen Bahnbrücken mit Maximalhöhen von 3,80 Meter ausgeschlossen.
Kurzfrist-Umleitung führt durch Wohngebiete
Mit heißer Nadel strickte die Stadt in den vergangenen Tagen für den Schwerlastverkehr eine Umleitungsroute, die nördlich der Wilhelmstraße verläuft und Tor 4 quasi von hinten erreicht (hier klicken). Sie führt von Herringen aus weiter über die Dortmunder Straße Richtung Hafen, knickt dann ab in die Viktoriastraße, biegt am Ende auf Wilhelmstraße Richtung Westen ab, ehe sie von dort über die Hobreckerstraße auf die Otto-Brenner-Straße und schließlich nach einer finalen Linkskurve am Tor 4 mündet.
Diese Strecke entspricht nicht der Umleitung des Individualverkehrs, wird also nicht regulär ausgeschildert. Außerdem müssen die großen Lkw darin durch reine Wohngebiete fahren und mehrfach enge Kurven nehmen. Die WDI-Planer befürchten, dass damit nicht nur Anwohner überfordert sein werden, sondern auch die Fahrer, die vielfach aus dem Ausland kommen, schlecht erreichbar sind und von ihren Speditionen oft erst kurzfristig verplant werden. Aubry: „Wir erwarten ein Chaos. Wenn nur 20 Prozent dieser Lkw nicht kommen können, haben wir ein Riesenproblem.“
Der Firmensprecher stellt klar, dass sich die Kritik nicht auf die Sinnhaftigkeit der Sanierungsmaßnahmen bezieht, sondern auf die nach WDI-Ansicht mangelhafte Kommunikation der Stadt Hamm. „Wären wir sechs bis acht Wochen vorher informiert worden, hätten wir einen funktionierenden Plan B erstellen können“, sagt Aubry.
„Versehentlich“ keine Baustellen-Info an WDI
Rathaussprecher Tom Herberg bestätigt, dass eine frühzeitige Ankündigung der Baumaßnahmen wohl an die Anwohner der Wilhelmstraße erfolgt sei, „zunächst versehentlich“ jedoch nicht an die WDI an der Brennerstraße. Die jüngsten Ortstermine mit verschiedenen Firmenvertretern seien jedoch aus städtischer Sicht konstruktiv gewesen. Zudem werde man „noch an markanten Stellen Straßenschilder aufstellen, die auf die WDI und den Weg dorthin hinweisen“.
Herberg zufolge soll die thematisierte Sperrung der Wilhelmstraße von Donnerstag, 11. Juli, an drei Wochen dauern. Mit den Worten „Verzögerungen sind bei Baumaßnahmen natürlich immer möglich, allerdings gehen wir nicht davon aus“ tritt der Stadtsprecher Befürchtungen des Unternehmens entgegen, die Bauarbeiten könnten sich deutlich länger hinziehen als erwartet.
Aktuell wird bereits der Straßenbelag der Otto-Brenner-Straße zwischen der Wilhelmstraße und der Kleinen Alleestraße bis unter die Bahnbrücke saniert. In diesem Zusammenhang stellt Aubry die offene Frage, warum die Fahrbahn eben dort nicht direkt 30 Zentimeter tiefer gelegt und damit im Sinne der örtlichen Unternehmen zukunftsfähig werde.
Das Unternehmen
Die WDI (Westfälische Drahtindustrie GmbH) ist der größte konzernfreie Drahtproduzent Europas. Das Familienunternehmen beschäftigt am Gründungsort Hamm aktuell 400 Mitarbeiter, darunter 25 Azubis. Damit ist es eines der größten Industrieunternehmen in Hamm.
Deutschlandweit hat die WDI insgesamt 13 Produktionsstandorte, weitere gibt es in Kanada, Chile, China, Italien, Malaysia, Niederlande, Peru, Polen, Spanien, Türkei, USA und den VAE. Weltweit stehen rund 1550 Mitarbeiter unter Vertrag.
1856 in Hamm gegründet, wird die WDI seit 2009 von der geschäftsführenden Gesellschafterin Katja Pampus geleitet.
Länger gesperrt als die Wilhelmstraße wird die Fährstraße im Osten der Stadt Hamm. Los geht es bereits am Montag, 8. Juli.
Rubriklistenbild: © Reiner Mroß

