Fünf Jahre nach Großbrand

Kein Verkauf: WDI behält riesiges Gelände für künftige Produktion

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Den Blicken von Passanten normalerweise verschlossen: die Fläche der WDI vom Stadtteilzentrum an der Wilhelmstraße aus gesehen
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Die Westfälische Drahtindustrie (WDI) denkt groß. Ein Verkauf ihres riesigen Areals in Hamm ist vom Tisch. Fünf Jahre nach dem Großbrand hat die Firma andere Pläne.

Hamm – Die WDI (Westfälische Drahtindustrie) will die riesige Freifläche zwischen Wilhelmstraße, Otto-Brenner-Straße und Hobreckerstraße weiter im eigenen Bestand behalten und zu einem späteren Zeitpunkt selbst für die Produktion entwickeln. Einen Verkauf ziehe sie nicht mehr in Erwägung, sagte WDI-Geschäftsführerin Katja Pampus auf Nachfrage unserer Zeitung.

Auf rund 55.000 Quadratmeter bezifferte Pampus die Ausmaße des Areals, auf dem sich auch die Hauptverwaltung an der Wilhelmstraße befindet. „Es gab einen Moment, an dem wir über einen Verkauf nachgedacht haben und dies auch möglich gewesen wäre“, sagte Pampus. „Jetzt bin ich ganz und gar nicht böse, diese 55.000 Quadratmeter zur Verfügung zu haben.“

Mit dem „Moment“ meint Pampus die Zeit nach dem Brand der Beize vor fast genau fünf Jahren am Ostermontag 2019. Funkenflug bei Schweißarbeiten hatte damals das Feuer ausgelöst, das einen Schaden von mehreren Millionen Euro anrichtete. Kurioserweise brannte es zwei Tage später erneut in kleinerem Ausmaß bei der WDI. Eine achtlos weggeworfene Zigarette nannten Brandermittler als Ursache.

Großbrand „hat uns mächtig durchgeschüttelt“

„Das Ereignis hat uns natürlich mächtig durchgeschüttelt. In solch einer Phase sind die Überlegungen in verschiedene Richtungen gegangen“, so Pampus. Zunächst war von einem schnellen Wiederaufbau der Halle mit dem Beizaggregat die Rede gewesen, später entschloss sich das Unternehmen, auch die kompletten noch stehenden Hallen abzubrechen. Ein Verkauf des Geländes sei inzwischen kein Thema mehr, so die WDI-Chefin. Bereits 2022 hatte Pampus angekündigt, auf der Fläche wieder Produktion anzusiedeln.

Dass es bisher nicht dazu gekommen sei, sei der gesamtwirtschaftlichen Situation geschuldet. Die WDI-Standorte seien stabil. „Doch es ist eine schwierige Zeit für Unternehmen, die der Bau- oder der Automobilindustrie zuliefern“, sagte Pampus. Es sei kein guter Zeitpunkt für Investitionen dieser Größenordnung. Sie sei aber der Überzeugung, dass sich die Rahmenbedingungen wieder änderten und die Fläche dann auch entwickelt werde.

Kein Drahtviertel, keine Mischnutzung mit Wohnen

Die CDU hatte nach dem Großbrand die Idee eines „Drahtviertels“ mit Hochschulstandort geboren und zum Wahlthema gemacht. Nach dem Wechsel im Rathaus 2020 war die Idee vom Tisch. Stattdessen wurde 2021 im Rat eine Rahmenplanung für das WDI-Gelände beschlossen, die eine Mischnutzung ermöglicht hätte. Ein Schwerpunkt wäre Wohnen gewesen.

Auf dem Gelände stehen neben der Verwaltung aktuell noch Werkstatt- und Versorgungsgebäude. Diese sollen erhalten bleiben. Insgesamt verfügt die WDI im Westen über 380.000 Quadratmeter Fläche.

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