VonDaniel Schröderschließen
Der „Cheers“-Ballon startet erstmals bei der Montgolfiade in Warstein. Für Pilot und Crew ist der Heißluftballon eine riesige Herausforderung.
Warstein/Lohne/Brüllingsen – Nach jahrelanger Zwangspause startet am 1. September die 30. Warsteiner Internationale Montgolfiade. Erstmals soll dann ein weltweit einzigartiger Ballon am Montgolfiade-Himmel schweben. Wer ihn sieht, könnte zuerst glauben, er habe zu tief ins Glas geschaut. Doch die sechs rund 30 Meter hohen Pilstulpen, die auf einem 21,4 Meter breiten Tablett stehen, sind echt. Gefüllt werden sie jedoch nicht mit 1,7 Millionen Litern Bier, die theoretisch hereinpassen würden, sondern mit Luft, die aus einem 6000-PS-starken Brennersystem auf maximal 110 Grad erhitzt wird.
Während normale Heißluftballone vor allem in den Sommermonaten regelmäßig am Himmel zu sehen sind, gelten Sonderformen wie „Cheers“ – so der Taufname des Biertablett-Ballons – als absolute Besonderheit. Das gilt auch für die Piloten: Im „Warsteiner Happy Ballooning“-Verein, der „Cheers“ und sieben weitere Heißluftballone sowie ein Luftschiff betreibt, gibt es derzeit zehn Piloten und drei Piloten-Schüler.
„Cheers“-Sonderform: Auch für „Ballöner“ etwas ganz Besonderes
Nur zwei der „Ballöner“ haben bislang Erfahrung mit dem Tablett, das im September 2020 zu seiner Jungfernfahrt aufstieg und seither auf etwas weniger als 20 Starts und Landungen zurückblicken kann. Einer von ihnen ist Dominik Pfeiffer.
Seine persönliche „Cheers“-Premiere als „Pilot in command“ hatte er vor wenigen Tagen. Vom Flugplatz Bad Sassendorf-Soest trug eine laue Abendbrise „Cheers“ und seine Passagiere sieben Kilometer südlich bis Möhnesee-Brüllingsen. Stets flankiert wurden die schwebenden Biertulpen von zwei Begleitballonen. Denn: Durch seine außergewöhnliche Bauart wäre eine Solofahrt für „Cheers“ nahezu undenkbar.
Dominik Pfeiffer erklärt: „Bei einem normalen Ballon kannst du aus dem Korb schräg an der Hülle vorbei nach oben gucken. Beim ,Cheers‘ siehst du als Pilot nach oben gar nichts, weil du das riesige Tablett über dir hast. Deswegen fährt immer ein Begleitballon als Funkstelle mit. Von dort bekomme ich als Pilot die Information, was gerade über mir los ist und ob ich beispielsweise gefahrlos steigen kann.“
370 Kilogramm schwere Hülle: Reine Muskelkraft reicht da nicht
Die Liste der Besonderheiten fängt allerdings viel früher an. Schon das Aufrüsten ist eine Herkulesaufgabe. Während die Hülle eines normalen Ballons rund 120 Kilogramm wiegt und von zwei bis drei Personen im Sack getragen, ausgelegt und auch wieder eingepackt werden kann, wiegt die „Cheers“-Hülle 370 Kilogramm. Reine Muskelkraft reicht da nicht. Deshalb lagert der Ballon in einer Gitterbox, die auf einer motorisierten Raupe befestigt ist. Trotzdem braucht es für den Auf- und Abbau mindestens acht Helfer.
Auch das „Hochbrennen“ – also die Phase, in der die leere Hülle erst mit kalter Luft angeblasen und dann mit heißer Luft gefüllt wird, bis der Ballon steht – ist um einiges anstrengender: „Was bei einem normalen Ballon relativ schnell geht, dauert bei ,Cheers‘ extrem lang. Bis der Ballon steht, vergeht für den Piloten eine gefühlte Ewigkeit, in der es im Korb extrem warm wird“, erklärt Pfeiffer.
Drei Ballonfahrten zu gewinnen
Zur 30. Warsteiner Internationalen Montgolfiade (WIM), dem großen Heißluftballon-Festival vom 1. bis zum 9. September, verlosen die Brauerei und unsere Zeitung drei Freifahrten für jeweils zwei Personen.
Die Fahrten sind für Sonntag, 3. September, geplant; für den Fall einer ungünstigen Witterung kann es notfalls zu einer Verschiebung kommen. Wer interessiert ist, melde sich bitte bis zum Wochenende mit Angaben des Namens, des Wohnorts und einer Telefonnummer formlos unter der E-Mail-Adresse marketing@wa.de.
Nähere Informationen zur Montgolfiade, zum Programm und zum Veranstaltungsort stehen auf der Internetseite www.warsteiner-wim.de.
Natürlich sind Wind und Wetter für Ballonfahrer ohnehin die ausschlaggebenden Komponenten. Für einen „Cheers“-Start müssen die Bedingungen aber noch ein Stück perfekter sein: Sind die Böen stärker als acht Knoten, also knapp 15 km/h, bleibt die Hülle eingepackt. Bei einem normalen Heißlüfter liegt die Grenze fast doppelt so hoch. „,Cheers‘ ist aufgrund seiner Dimensionen sehr windanfällig. In der Luft muss der Pilot hoch konzentriert auf die regelmäßigen Heiz-Intervalle achten. Wenn man beispielsweise mit einem bis anderthalb Meter pro Sekunde fällt, ist das mit einem normalen Ballon schnell abgefangen. Beim Tablett dauert das schon länger.“ Zum Vergleich: Ein Sportballon kann mit bis zu neun Metern pro Sekunde sinken oder steigen. Bei „Cheers“ liegt die Grenze bei zweieinhalb Metern.
Trotz aller Herausforderungen ist Pfeiffer nach seiner „Cheers“-Premiere überzeugt: „Ich würde jederzeit wieder einsteigen – auch als Pilot. Die Reaktionen der Menschen am Boden sind noch einmal ganz anders: Schon bei einem normalen Ballon gucken viele zu uns hoch, winken und rufen. Bei ,Cheers‘ ist das noch extremer. Das Biertablett sorgt bei den Leuten offenbar für noch größere Verwunderung. Es war bislang ja auch noch nicht oft in der Luft.“ Damit jeder einen guten Blick auf „Cheers“ hat, achtet der Pilot darauf, dass der Ballon gerade so auf der Mindesthöhe von 300 Metern fährt. „Damit ihn auch alle sehen können“, sagt Pfeiffer. Auf die Montgolfiade freut der Jungpilot sich ganz besonders: „Hoffentlich kommen nach den Landungen viele Menschen, um uns beim Einpacken zu helfen.“
Rubriklistenbild: © Daniel Schröder







