VonAnnika Ketzlerschließen
Ein Witwer wird 1986 brutal niedergestochen. Die Ermittler finden DNA-Spuren in der Wohnung des 67-Jährigen. Nun wird der „Cold Case“ neu aufgerollt.
Dortmund - „Mord verjährt nie“, erklärte Torsten Sziesze, erster Kriminalhauptkommissar der Polizei Dortmund. Und genau aus diesem Grund stellten Ermittler der Polizei zusammen mit der Staatsanwaltschaft am Freitag, 12. Januar, die Einrichtung der Ermittlungsgruppe „Cold Case“ vor. Alte Tötungsdelikte, die selbst erfahrene Ermittler vor Rätsel stellen, sind mit neuen Methoden der Kriminaltechnik wieder aufgerollt worden. Das Landeskriminalamt NRW hatte zuvor durch den Einsatz erfahrener Ermittler, die aus dem Ruhestand zurückkehrten – sogenannte Senior Experts – ungeklärte Tötungsdelikte erneut überprüft. Es geht um Kriminalfälle ab 1970. So auch um den Mord an Josef Milata aus Bergkamen-Oberaden. Die Ermittler hoffen, auch noch nach über 37 Jahren den gewaltsamen Mord an dem Witwer aufzuklären.
Erstochen und erdrosselt: Ermittlerteam will gewaltsamen Mord von 1986 aufklären
Josef Milata war 67 Jahre alt, als er ermordet wurde. Er wohnte alleine in einer Wohnung an der Jahnstraße 22, sein damals 21-jähriger Pflegesohn lebte in der Wohnung darüber. Das Ermittlerteam der Einheit „Cold Case“ um Kriminalhauptkommissar Gregor Schmidt teilt mit, dass Milata „homosexuelle Neigungen“ hatte. Er soll regelmäßig junge Männer zu sich in seine Bergkamener Wohnung eingeladen haben. Am Abend des 26. September 1986 verabschiedete sich Milatas Pflegesohn, um den Abend in der Disco zu verbringen. Als er in der Nacht wiederkam, fand er den 67-Jährigen mit zahlreichen Stichverletzungen tot auf.
Mord von 1986: Ermittler finden DNA-Spuren von mehreren Personen
„Milata wurde erstochen und erdrosselt“, erklärte das Ermittlerteam der Polizei. Spuren einer gewaltsamen Öffnung der Haustür fand man jedoch nicht. Es sei also nicht auszuschließen, dass das Opfer den Täter selbst einließ. Die Ermittler gehen im Mordfall um Milata von einer möglichen Raubabsicht aus. Am Tatort konnte die Polizei DNA-Spuren sichern. Wissenschaftler des LKA Düsseldorf konnten diese aber mehreren Personen zuordnen. Die Ermittler gehen also davon aus, dass möglicherweise mehrere Täter an dem brutalen Mord an Milata beteiligt waren. „Da die DNA-Spuren auch von Berechtigten in der Wohnung hinterlassen worden sein könnten, konnte bislang kein Tatverdächtiger sicher begründet werden“, so die Polizei.
Mithilfe moderner Ermittlungsmethoden möchte die „Cold Case“-Einheit den Mord auch noch nach den vielen Jahren aufklären und die DNA-Spuren weiter untersuchen. Kriminalhauptkommissar Schmidt betont, dass das Team dabei auf die Wahrnehmung der Menschen angewiesen ist und auch jetzt noch nach Zeugen und Tätern sucht. Zeugen, die Hinweise zu dem grausamen Mord an Milata geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalwache Dortmund unter der Telefonnummer 0231/132-7441 zu melden.
Weiterer „Cold Case“ aus Bergkamen stellt Ermittler vor Rätsel
Auch ein weiterer „Cold Case“ aus Bergkamen beschäftigt seit vielen Jahren die Ermittler. Die damals 84-jährige Anne Saußen wurde 1998 in ihrer Wohnung in Oberaden bestohlen und brutal getötet. Die Polizei fand DNA-Spuren an einer Einstiegsleiter und am Opfer. Einen Treffer in der Datenbank gab es bislang nicht. Die Ermittler sind zuversichtlich, auch alte „Cold Cases“ noch aufzuklären. „Das sind wir den Opfern und den Hinterbliebenen schuldig“, so Anika Uhlmann, Kriminaldirektorin der Polizei Dortmund.
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