„Altfälle“

„Cold Cases“ aus NRW: Polizei und Staatsanwaltschaft rollen alte Mordfälle auf

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Um Tötungsdelikte auch noch nach vielen Jahren aufzuklären, wurde in Dortmund ein neues Ermittlerteam gegründet. Es geht um sogenannte „Cold Cases“.

Dortmund - „Alte Tötungsdelikte, die ungeklärt sind, lassen uns nicht kalt“, erklärt Casten Philipps, erster Kriminalhauptkommissar der Polizei Dortmund. Ungeklärte Tötungsdelikte – sogenannte „Cold Cases“ – stellen selbst erfahrene Ermittler vor Rätsel. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt deutschlandweit bei weit über 90 Prozent. Die neu eingerichtete Ermittlungsgruppe „Cold Case“ – bestehend aus Mordermittlern und sogenannten „Senior Experts“, erfahrene Ermittler, die aus dem Ruhestand zurückkehrten – kümmert sich nun um die nicht geklärten Fälle.

„Das sind wir den Opfern und den Hinterbliebenen schuldig“, so Kriminaldirektorin Anika Uhlmann. Aus diesem Grund rollen Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt alte Kriminalfälle aus Nordrhein-Westfalen ab 1970 wieder neu auf. Neue Ermittlungsansätze und neueste kriminaltechnische Methoden sollen zur Tatklärung führen. Vier der 42 „Cold Cases“ stellte das Team am Freitag, 12. Januar, in Dortmund vor.

„Cold Cases“ aus NRW: Polizei und Staatsanwaltschaft rollen alte Mordfälle auf

Der erste Fall, der die Ermittler beschäftigt, ist der Mord an der damals 28-jährigen Heike Kötting aus Dortmund. 1991 wird die Dekorateurin erstochen in ihrem Reihenhaus gefunden. Das Ermittlerteam vermutet, dass die oder der Täter durch den Keller in das Haus eindrang. Der oder die Mörder der jungen Frau flüchtete anschließend mit dem Ford Fiesta des Opfers. Das Auto wurde wenige Tage nach der Tat auf einem Autobahnrastplatz in Frankreich gefunden. Der Fall wird am Mittwoch, 17. Januar, in der ZDF-Show „Aktenzeichen XY ungelöst“ nochmal aufgerollt.

Das Opfer des zweiten Falls ist erst elf Jahre alt. 1986 wird Marc Gutte tot in einem Maisfeld in Unna gefunden. Er war mit einem Fahrrad auf dem Weg zu einem Freund und wurde abends von seinen Eltern als vermisst gemeldet. Das Kind wurde brutal niedergeschlagen. Ermittler konnten eine DNA-Spur sichern, die jedoch nicht in der Datenbank hinterlegt ist.

Um auch Tötungsdelikte noch nach vielen Jahren aufzuklären, wurde ein Dortmund ein neues Ermittlerteam gegründet.

Der Witwer Josef Milata wird 1986 mit zahlreichen Stichverletzungen getötet. Der 67-Jährige war homosexuell und lud regelmäßig junge Männer zu sich in seine Bergkamener Wohnung ein. Am Tatort konnte die Polizei DNA-Spuren sichern. Wissenschaftler des LKA Düsseldorf konnten diese aber mehreren Personen zuordnen.

Mehr als 45 Jahre liegt der Mordfall an Heinrich Brüggemann zurück. Der 37-Jährige wurde 1977 tot im Badezimmer seiner Wohnung in Arnsberg gefunden. Er starb an zahlreichen Messerstichen. Die Ermittler fanden in seiner Wohnung ein benutztes Kondom mit der mutmaßlichen Täter-DNA – ohne Treffer in der Datenbank. Auch Geld und ein Revolver des 37-Jährigen wurden gestohlen. Einige Tage zuvor soll Brüggemann mit einem jungen Mann gesehen worden sein, der damals etwa 17 bis 18 Jahre alt gewesen sein muss.

Gelöste „Cold Cases“ zeigen Erfolg – auch Jahre später

Bei der Vorstellung der Altfälle zeigte das Ermittlerteam außerdem zwei gelöste „Cold Cases“. 1993 wurde die damals 16-jährige Nicole Denise Schalla aus Dortmund ermordet. 25 Jahre lang gab es keine heiße Spur zum Mörder der Dortmunder Schülerin. Erst 2018 konnten die Ermittler mit einer DNA-Spur einen Treffer in der Datenbank erzielen und den Täter festsetzen. Und auch im Mordfall um Ursula Scheiwe aus Soest-Ostönnen gelang es den Ermittlern 2010, 23 Jahre nach der Tat, mittels neuer DNA-Methoden den Täter festzunehmen. 

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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