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CDU-Kandidat Jochen Dornseifer spannt eine Kinderbuchfigur für seinen Wahlkampf ein. Der Verlag findet das nicht so gut und lässt den Post löschen.
Hamm - Gewählt wird erst am 14. September. Aber der Wahlkampf läuft schon an. Jochen Dornseifer, der für die CDU Oberbürgermeister werden will, hat dabei eine ganz besondere Unterstützerin gefunden: Conni. Die Kinderbuchfigur warb in Sozialen Medien für den Kandidaten. Was für Dornseifer eine humorvolle Aktion war, fand man beim Carlsen-Verlag, der die Conni-Rechte innehat, nicht so lustig und forderte den Politiker auf, die Posts zu löschen.
Conni ist Cornelia Klawitter und seit 1992 eine der bekanntesten Kinderbuch- und Zeichentrickfiguren in Deutschland. Das Mädchen im Ringelpulli und mit roter Schleife im blonden Haar löst in Pixi-Büchern und Trickfilmen die Alltagsprobleme von Fünfjährigen, in Küche, im Kindergarten und beim Zarhnarzt.
Falsche Connis geistern durchs Internet
Seit einigen Jahren geistert Conni außerdem als Meme durchs Internet. Memes sind Medieninhalte, die in einen anderen Kontext transportiert werden. Conni bietet sich geradezu an: Jeder kennt sie. Und durch ihre etwas altkluge Art gilt sie als hervorragendes Ziel für Persiflagen: Connis erste Fahrstunde, Conni auf Malle oder Conni macht mit ihrem Freund Schluss. Künstliche Intelligenz (KI) sorgt für die gut nachgemachten Bilder. Anleitungen dafür finden sich im Netz problemlos.
„Conni feiert Schützenfest“ gibt es im Internet natürlich auch, mit einem Bier in der Hand. Und mit einem Schützenfest beginnt auch Connis Unterstützung für Jochen Dornseifer. Auf dem Heessener Schützenfest, erzählt der Unionspolitiker, habe die Avantgarde sich einen Spaß daraus gemacht, ein Conni-Meme in Umlauf zu bringen: Conni und Jochen feiern Schützenfest. Daraus sei die Idee geboren, Conni um Wahlkampfhilfe zu bitten.
Will Conni wirklich wieder Weihnachtsbäume auf der Weststraße?
Zweimal tauchte das Mädchen in Dornseifers Facebook- und Instagram-Account auf: als Unterstützerin des Kandidaten an der Wahlurne und als Kritikerin der städtischen Entscheidung, auf der Weststraße keine Weihnachtsbäume mehr aufzustellen – ganz so, wie es die Hammer CDU sieht.
Die Rechte an der Figur Conni liegen beim Hamburger Carlsen-Verlag. Dort pocht man aufs Urheberrecht. Memes werden grundsätzlich nicht genehmigt, bei rassistischen, gewaltverherrlichenden und pornografischen Verwendungen werden rechtliche Schritte angedroht. Das gelte auch für kommerzielle und politische Zusammenhänge, sagte Sprecherin Hilke Schenk.
Dornseifer sieht einen Werbeeffekt für die Figur
Dornseifer sah das mit dem Urheberrecht nicht so eng. Zum einen finde Conni ja auf seinen eigenen Kanälen statt, und nicht in einem offiziellen CDU-Auftritt, sagte er. Und zweitens dürfe man nicht immer alles so eng sehen. „Einfach mal machen“, sei sein Motto. Auch in diesem Fall. Im Zweifelsfall solle der Verlag sich doch über die Publicity für Conni freuen.
Dabei ist Dornseifer nicht der einzige Politiker, der auf Conni setzt. Sucht man im Netz, hat das Mädchen neulich den Kasseler Kreisvorstand der CDU besucht und war mit einer FDP-Abgeordneten im hessischen Landtag. In Köln will sie einen Liberalen ins Rathaus bringen. Auf Bundesebene freut sie sich mit der SPD „auf eine neue, starke Mietpreisbremse“ und fordert die Abschiebung von Alice Weidel.
Der Verlag hat den Fall geprüft und lässt löschen
Ob der Verlag da mit Urheberrechtsansprüchen hinterherkommt? „Wir sehen manches“, so Sprecherin Schenk. „Aber nicht alles.“ Den Fall Dornseifer werde man sich mal ansehen. Was dann auch geschah: Am Donnerstag war Conni von Dornseifers Seiten verschwunden.
Er habe ein Schreiben vom Verlag bekommen, erklärte der Kandidat. Mit der Aufforderung, Conni zu löschen und nicht mehr zu verwenden. Daran halte er sich natürlich. Und: Das Anschreiben sei durchaus nett formuliert gewesen. Reagiert hat er aber trotzdem nochmal: Mit einem Comic, in dem sich Wahlkampfhelfer fragen, wie es nur ohne Conni weitergehen soll?
Kandidaten
Marc Herter (SPD) will im Herbst für weitere fünf Jahre zum Oberbürgermeister von Hamm gewählt werden. Bislang sind für die Kommunalwahl am 14. September sechs Herausforderer nominiert – allesamt aus Reihen der aktuell im Rat vertretenen Parteien und Gruppierungen (sowie Sefika Minte für die „Linke“). Die Grünen stellen keinen Kandidaten. Parteilose Eigenbewerber, von denen bei der Wahl 2020 immerhin zwei antraten (Gerd Heistermann und Peter Kessler), scheint es dieses Mal keine zu geben. Noch bleibt aber etwas Zeit. 290 Unterstützer-Unterschriften müsste ein Eigenbewerber sammeln, um für die OB-Direktwahl zugelassen zu werden. Bis Montag, 7. Juli, um 18 Uhr müssten diese im Wahlamt vorliegen. Der Termin gilt auch für alle übrigen Wahlvorschläge (Rats- und Bezirksvertreter).
