Neues Freizeit-Erlebnis als Vorbild: Das CreativQuartier Fürst Leopold in Dorsten zeigt, wie es in Hamm laufen könnte. Ein Besuch.
Pelkum/Herringen/Dorsten – Es ist ein Ort, an dem Menschen arbeiten, ausgehen, feiern, Kunst und Kultur erleben, übernachten und sich sogar das Ja-Wort geben können. Doch das CreativQuartier Fürst Leopold in Dorsten ist noch mehr. Es dient dem CreativRevier Heinrich Robert auch als „Blaupause“. Hinter beiden Projekten steckt Jürgen Tempelmann. Und vieles von dem, was die Menschen in Dorsten gut annehmen, möchte Tempelmann auch in Hamm umsetzen. Er ist überzeugt: Das, was in Dorsten funktioniert, sollte auch im wesentlich größeren Hamm klappen – eigentlich.
Es ist ein ganz normaler Donnerstag im Herbst. Die Restaurants im CreativQuartier sind gut belegt, teilweise sogar ausgebucht. In der „Factory“ gibt es heute ein griechisches Büfett zum Preis von 32,90 Euro pro Person. Von Krise ist nichts zu spüren, alle Tische sind belegt. Das freut auch Jürgen Tempelmann, der die „Factory“ zusammen mit seinem Geschäftspartner Markus Janknecht betreibt. Doch ob der Andrang angesichts schwieriger Rahmenbedingungen auch 2024 so bleibt, weiß Tempelmann nicht.
Deshalb scheuen er – und andere Gastronomen – sich, auch in den Standort Hamm zu investieren. Denn: Als ob die Gastronomen nicht schon genug mit steigenden Preisen und Personalmangel zu kämpfen hätten: Die zum 1. Januar 2024 wieder auf 19 Prozent steigende Mehrwertsteuer werde manch einem das Genick brechen und Investitionen zumindest ausbremsen, ist sich Tempelmann sicher. Daher könne er aktuell noch nicht sagen, wann es – neben dem Café de Wendel – die nächste gastronomische Ansiedlung auf Heinrich Robert geben werde. Geplant seien jedenfalls mehrere.
CreativQuartier Dorsten Vorbild für CreativRevier Hamm
Deutlicher wird da schon seine Tochter Vanessa an einem anderen Ort im CreativQuartier. „Ja, wir haben für Hamm den Bauantrag gestellt“, sagt sie mit Blick auf ein völlig neues Freizeit-Erlebnis, das Anfang 2024 seine Premiere feiert. Dann wollen Marvin Reuter und Niclas Holtrup, die in Dorsten bereits mit viel Liebe zum Detail und echten Schauspielern den Escape-Room „Geheimdepot Dorsten“ entwickelt haben, den Challenge Room „Gold Chamber“ eröffnen. „Und der soll auch zu uns nach Hamm kommen –und zwar ins Kellergeschoss des Verwaltungsgebäudes.“
Doch worum handelt es sich? „Im Gold Chamber geht es nicht nur um Spiele, sondern um ein Abenteuer, bei dem du und dein Team herausgefordert bist, Aufgaben zu meistern und Rätsel zu lösen. Tauche ein in eine Welt voller Spannung und Nervenkitzel, in der jeder Raum neue Geheimnisse und Aufgaben bereithält, die darauf warten, von dir gemeistert zu werden. Erlebe die Vielfalt der Mini-Spiele, die deine Geschicklichkeit, Teamarbeit und Entschlossenheit auf die Probe stellen“, heißt es auf der Homepage.
Maßangefertigt werden die Spiele übrigens in Griechenland. Ein Vorteil ist, dass Dorsten und Hamm ihre Räume „tauschen“ können. „So gibt es an beiden Standorten immer wieder neue Abenteuer zu entdecken.“
Rundgang durchs CreativQuartier Fürst Leopold: Vieles von dem dort Geschafften möchten Vanessa und Jürgen Tempelmann auch auf Heinrich Robert umsetzen.
Ein Renner in Dorsten ist die alte Maschinenhalle Fürst Leopold, in der der rund 340 Mitglieder zählende Bergbau-Verein Dorsten die Erinnerungen an den Bergbau wachhält. Hier gibt es regelmäßige Führungen, bei denen die Funktionsweise der alten Dampfmaschine demonstriert wird. Sie seien sehr gefragt, freut sich Manfred Wissing vom Bergbau-Verein. Und nicht nur das: „Wir sind auch ein außerschulischer Lernort, Ausstellungsort und sogar Trauort“, so Wissing, der selbst als Standesbeamter in Erscheinung tritt. Aktuell gebe es rund 40 Trauungen im Jahr.
Besonders ins Auge fällt ein überdimensionaler Setzkasten, in dem bergbautypische Gegenstände stehen und an dem die Besucher per Touchscreen etwas über deren Geschichte erfahren können. Das könne er sich auch für Hamm sehr gut vorstellen, ebenso Trauungen im Hammerkopfturm, so Tempelmann.
Apropos: Fest eingeplant ist in Hamm auch ein Creativ-Hotel mit rund 20 Hotelzimmern und etwa 20 Co-Working-Räumen – und zwar in dem Bereich, wo sich früher die Direktions-/Gäste-Kaue befand. In Dorsten läuft das unter dem Hotel „Chillten Fürst Leopold“ und wird von Susanne Timm und Uli Schmerer betrieben. Zwei Millionen Euro hat die Dorstener Ruhrstadt-Stiftung als Eigentümerin des Creativ-Quartiers Fürst Leopold in die Sanierung gesteckt.
Man sei auch sehr am Standort Hamm interessiert, sagt Schmerer. Demnächst werde es einen Internetauftritt geben, um den Markt zu sondieren. In Dorsten werden das Hotel mit seinen 16 Zimmern, die 20 Co-Working-Räume sowie ein Seminarraum mit 50 Plätzen – sie alle sind über zwei Etagen der ehemaligen Zechenverwaltung verteilt – gut angenommen. Rund 80 Prozent der Räume seien vermietet.
Ein weiteres Standbein des CreativQuartiers sind Veranstaltungsräume für bis zu mehrere 100 Gäste. Und die seien, so Tempelmann, natürlich auch für Hamm fest eingeplant. So könne die große, allerdings stark sanierungsbedürftige ehemalige Maschinenhalle zu einer Eventhalle werden. In der Kaue könne er sich – so wie in Dorsten auch – unter anderem Messen, Ausstellungen und Märkte vorstellen. Und in einem Teil der ehemaligen Lampenstube könne ein Vinyl-Café unterkommen. Auch hier habe der Betreiber des gleichnamigen Cafés in Dorsten Interesse, in Hamm tätig zu werden. „Bei uns treten regelmäßig Künstler auf.“ Der Eintritt sei in der Regel frei. „Um sie zu unterstützen, geht aber ein Hut rum.“
Maschinenhalle soll zur Eventhalle werden
Besonders wichtig sind Tempelmann die vielen Veranstaltungen im CreativQuartier, welche jährlich rund eine Million Besucher anziehen und welche ein Grundpfeiler sind. Diese Ereignisse werden zum einen durch die Marketingbeiträge die Mieter unterstützt, aber auch über das Büro der „Prisma“ koordiniert und organisiert. „Durch die Zusammenarbeit unserer breit gefächerten Mieterschaft aus verschiedenen Kreativbüros, Gastronomien und Hotels entstehen besondere Synergien. Insgesamt beherbergt das CreativQuartier etwa 50 Mieter, die gemeinsam zu einer vielfältigen und lebendigen Atmosphäre beitragen“, so Vanessa Tempelmann.
Das alles soll eines Tages auch in Hamm der Fall sein. Jürgen Tempelmann weiß aber: Das alles braucht seine Zeit und lässt sich nicht von heute auf morgen entwickeln. Er benötigt unter anderem die Unterstützung der Stadt und der RAG Montan Immobilien, der noch ein Großteil der Flächen gehört. Und er sagt auch klar: Bei der Entwicklung hat er ein gehöriges Wörtchen mitzureden.
Die Tapas-Bar „Dali“ beispielsweise sei nach seinen Ideen eingerichtet worden. Und nicht nur die: Sämtliche Räume – einschließlich Gastronomie, Hotel und Eventhalle – wurden vom Prisma-Team entworfen und umgesetzt. „Dies geschieht, um die Einmaligkeit der Zeche als Ensemble zu bewahren und zeitgemäß neu zu interpretieren.“
In Hamm betrifft das aber nicht nur die Bestandsgebäude. Auch neue Gebäude wie die im Einzelhandelszentrum müssten zum Gesamtensemble passen.