Radioteleskop Effelsberg

Mitten im Wald: In NRW steht eines der größten Radioteleskope der Welt

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Versteckt im Eifler Wald steht ein technologisches Wunderwerk. Es handelt sich um das leistungsfähigste Radioteleskop in Europa.

Bad Münstereifel - Sie erinnert an Szenen aus „Stranger Things“ oder Alien-Filme. Mitten im Wald – Kilometer von der nächstgrößeren Stadt entfernt – steht eine riesige Anlage. Und das kommt nicht von ungefähr. Bei dem Gebäude handelt es sich um Europas leistungsfähigstes Radioteleskop. Es steht in der Nähe von Bad Münstereifel-Effelsberg (NRW).

Radioteleskop Effelsberg ist „zweitgrößtes bewegliche Radioteleskop der Welt“ 

Das Radioteleskop hat einen Durchmesser von 100 Metern. Das entspricht einer Fläche des Spiegels von 7.850 Quadratmetern, heißt es vom Landschaftsverband Rheinland. Dadurch zählt es nicht nur zu Europas leistungsfähigstem Radioteleskop, es ist eines der zwei größten Teleskope der Welt. „Pulsare, kalte Gas- und Staubwolken, Sternentstehungsgebiete, Magnetfelder in der Milchstraße und von weiteren Galaxien, von Schwarzen Löchern ausgehenden Materiestrahlen und Kerne ferner Galaxien“ können hier angeschaut und analysiert werden, heißt es vom Max-Planck-Institut, welches das Teleskop betreibt.

Das Teleskop in der Eifel wurde von 1967 bis 1971 gebaut und im Sommer 1972 in Betrieb genommen. Kostenpunkt: 32 Millionen D-Mark. Das entspricht einer heutigen Kaufkraft von über 65 Millionen Euro. Jahrzehntelang war es das weltweit größte bewegliche Radioteleskop. Erst im Jahr 2000 ging der Titel an das damals neu gebaute Teleskop in Green Bank im US-Bundesstaat West Virginia und Effelsberg wurde zum „zweitgrößte bewegliche Radioteleskop der Welt“ und zum größten in Europa.

Das Radioteleskop Effelsberg wurde im Jahre 1972 in Betrieb genommen.

Aufgabe des Radioteleskop Effelsberg – Suche nach außerirdischen Intelligenzen

Obwohl das Radioteleskop Effelsberg bereits über 40 Jahre alt ist, gilt es noch immer als eines der modernsten Teleskope überhaupt. „So wurden z. B. die Oberfläche des Hauptspiegels erneuert, Antriebsmotoren und -getriebe ausgetauscht, bessere und modernere Empfänger und Auswertegeräte (‚Backends‘) eingesetzt und natürlich auch die benutzten Rechner immer wieder durch aktuelle Hardware ersetzt“, heißt es vom Max-Planck-Institut.

Mit 100 Metern Durchmesser gehört das am 12. Mai 1971 eingeweihte Radioteleskop Effelsberg zu den beiden größten vollbeweglichen Radioteleskopen der Erde.

Mit dem Radioteleskop werden das Weltall und astronomische Objekte untersucht, darunter Sonnen und Sonnensysteme, Supernova-Überreste und interstellare Gase. Darüber hinaus wird die Technik der Radioastronomie aber auch zur wissenschaftlichen Suche nach außerirdischen Intelligenzen angewandt, heißt es vom Landschaftsverband Rheinland. Dabei arbeitet das Max-Planck-Institut mit der NASA zusammen. In der chilenischen Wüste steht ebenfalls ein besonderes Teleskop aus NRW.

Ausflug zum Radioteleskop Effelsberg – doch Handys müssen ausgeschaltet sein

Das Radioteleskop kann sogar besucht werden. Allerdings gibt es einige Besonderheiten. Um Störungen und Ungenauigkeiten bei den Messungen zu vermeiden, dürfen Autos nur bis zum Parkplatz – etwa einen Kilometer vom Teleskop entfernt – fahren. Noch strenger wird bei Handys, Tablets und anderen elektronischen Geräten gehandhabt. Die Nutzung in der direkten Umgebung ist verboten. Daher müssen die Geräte im Umkreis von einem 100-Meter-Radius ganz aus- oder in den Flugmodus geschaltet werden.

Das Gesamtgewicht der Stahlkonstruktion beträgt 3.200 Tonnen.

Dafür gibt es direkt am Teleskop ein Aussichtsplateau, das frei zugänglich ist. „Gerne kannst du deinen Besuch mit einem informativen Vortrag über das beeindruckende Teleskop und die Zusammenhänge unseres Sonnensystems kombinieren. Die Vorträge finden regelmäßig zu verschiedenen galaktischen Themen im Besucherpavillon statt“, heißt es außerdem vom Tourismusverband „Eifel Tourismus“.

Zudem kann der Besuch mit einer Wanderung auf dem 13 kilometerlangen Radioteleskopweg verbunden werden. Teil dieses Wanderweges ist ein 800 Meter langer Planetenweg. „In die Wanderstrecke ist nämlich ein verkleinertes Modell des Sonnensystems integriert. Dort werden die Planeten sowie die Sonne maßstabsgetreu in Größe und Abstand entlang der Strecke aufgestellt oder auf Tafeln dargestellt“, lautete der Tipp von „Eifel Tourismus“.

Wer ein bisschen mehr Zeit hat, sollte noch bis zum Einbruch der Dunkelheit bleiben. Immerhin ist die Eifel ein beliebter Hotspot zum Sternegucken. Und in diesem Sommer kommt es zu einem seltenen Ereignis – einer Sternenexplosion.

Rubriklistenbild: © Hans Blossey/Imago

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