In Chile

Warum ein Teleskop aus NRW mitten in der Wüste aufgebaut wird

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Das Fred Young Submillimeter Teleskop, entworfen in NRW, wird bald die Geheimnisse des Universums erforschen. Standort: Ein Berg in der chilenischen Wüste.

Xanten – Was geschah nach dem Urknall? Wie sind Sterne und Galaxien entstanden? Auf solche und andere Fragen wird demnächst das Fred Young Submillimeter Teleskop, kurz FYST, Antworten suchen. Entworfen wurde das FYST in NRW, doch den Blick in den Himmel wirft bald von einem Berg in der chilenischen Wüste. Aus einem besonderen Grund, wie die Universität zu Köln mitteilt.

Besonderes Teleskop aus NRW kann besondere Bereiche im Universum erfassen

Das FYST ist eines der modernsten Teleskope seiner Art. Das liegt daran, dass es einen besonders großen Spiegeldurchmesser hat – sechs Meter, um genau zu sein. Nach Informationen der Universität zu Köln, die das Vorhaben gemeinsam mit anderen Universitäten aus Deutschland, den USA und Kanada umsetzt, kann das FYST damit Bereiche beobachten, „die nur wenige andere Teleskope aufgrund ihrer Konstruktionselemente und der verwendeten Materialien überhaupt auffangen können.“

Das FYST ist derzeit in Xanten am Niederrhein montiert.

Das FYST wurde mit einem besonderen Weitwinkel-Design entworfen, damit ist es „für die Messung von Licht aus den frühesten Momenten nach dem Urknall optimiert.“ Licht bedeutet in diesem Fall demnach aber nicht das sichtbare Licht, das wir Menschen wahrnehmen können. Die Welt der Sterne und Planeten hat die Menschen seit je her fasziniert, so stand ein „Planetarium der Superlative“ einst in Wuppertal.

Das Fred Young Submillimeter Teleskop (FYST)

►Was ist das FYST? Ein hochmodernes Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von sechs Metern.

►Was kann das FYST? Es kann besonders kleinteilige Wellenlängenbereiche (Submillimeter- bis Millimeter) beobachten. Dabei geht es um Staub- und Molekülwolken in fernen Galaxien.

►Wofür ist das gut? Dadurch wollen Forschende Bereiche des Universums erkunden, wo etwa Sterne und Planetensysteme entstanden sind. Das Teleskop soll unter anderem Einblicke in die Geburt der ersten Sterne nach dem Urknall gewähren.

►Wo wird das FYST aufgebaut? Auf dem Berg Cerro Chajnantor (auf 5.600 Metern Höhe) in Chile. Dort sind die Bedingungen besonders günstig.

►Wer steckt hinter dem Projekt? Die Cornell University (USA), außerdem ein deutsches Konsortium bestehend aus der Universität zu Köln, der Universität Bonn und dem Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching sowie ein kanadisches Konsortium mehrerer Universitäten.

(Quelle: Universität zu Köln)

Die sogenannte Submillimeter-Strahlung, für die das FYST optimiert wurde, stammt aus Staub- und Molekülwolken. Die finden sich etwa in der Umgebung von schwarzen Löchern und in Galaxien, wo es besonders viele Sterne gibt. Aber eben auch in den Regionen, in denen sich Sterne und Planetensysteme bilden.

„Daher sollen die Beobachtungen des Teleskops neben der Untersuchung dieser Regionen auch entscheidende Informationen über den Urknall liefern, indem sie die Beobachtungen des kosmischen Mikrowellenhintergrunds, des ältesten Lichts im Universum, erklären“, berichtet die Uni Köln.

Teleskop soll auf 5.600 Metern Höhe installiert werden

Doch bevor das FYST all das messen kann, muss noch einiges passieren. Damit das Teleskop nämlich optimal funktioniert, braucht es eine besonders trockene Umgebung. Möglichst weit oben sollte es außerdem sein, da die Beobachtungen des Teleskops sonst durch den Wasserdampf in der Erdatmosphäre verzerrt werden können.

Das FYST wird auf einem Berg in der chilenischen Wüste montiert. (IDZRNRW-Montage)

Ein Ort, der all diese Bedingungen erfüllt, liegt auf dem Berg Cerro Chajnantor, im Osten Chiles – auf 5.600 Metern Höhe in der Atacama-Wüste. Deswegen wird es auch noch einige Zeit dauern, bis das Teleskop dort Messungen vornehmen kann. Momentan ist es noch in Xanten am Niederrhein montiert. Entworfen hat das FYST übrigens eine Firma aus Duisburg.

Jan Voelker ist Pressesprecher an der Universität zu Köln. Er sagt auf Anfrage von wa.de.: „Die Einzelteile des Teleskops müssen erst einmal auf die Höhe des Berges gebracht werden.“ Das sei aufwändig. Daher rechne man erst im Herbst 2025 damit, dass das Teleskop seine Arbeit aufnehmen und die Fragen nach der Entstehung der Sterne beantworten kann. (ebu)

Rubriklistenbild: © CCAT Observation Inc.

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