Interview

Bürgermeisterkandidat Markus Wiewel: „Es ist der ideale Zeitpunkt“

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Markus Wiewel ist 59 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Rechtsanwalt.
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Vor fünf Jahren wollte er noch nicht. Jetzt tritt Markus Wiewel, Fraktionsvorsitzender der CDU in Drensteinfurt, als Bürgermeister an. Er wäre nicht der erste in der Familie. Sein Vater Werner Wiewel war jahrzehntelang Drensteinfurter Stadtdirektor und danach auch erster hauptamtlicher Bürgermeister.

Hamm – Am 14. September finden in NRW die nächsten Kommunalwahlen statt. Mit dem Wahltermin endet auch die Amtszeit von Bürgermeister Carsten Grawunder, der nicht erneut kandidiert. Als Bürgermeisterkandidat nominiert wurde der Fraktionsvorsitzende der CDU, Markus Wiewel. Mechthild Wiesrecker hat mit dem 59-Jährigen gesprochen.

Herr Wiewel, vor fünf Jahren hat die CDU keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen geschickt. Bereits damals gab es nicht wenige Stimmen, die Sie gerne als solchen gesehen hätten. Damals haben Sie noch abgewunken. Was hat Sie dazu bewogen, nun doch anzutreten?
Es ist eine Summe von Gründen, die man nicht auf einen Punkt zusammenbringen kann. Im Moment passt für mich alles zusammen, es ist der ideale Zeitpunkt. Die Gründe sind familiär, beruflich und auch politisch. Die Tatsache, dass der Bürgermeister nicht mehr antreten wollte, hat der Sache sicher nicht negativ entgegengestanden.

Gibt es das Bürgermeister-Gen?

Ihr Vater Werner Wiewel war jahrzehntelang Drensteinfurter Stadtdirektor und danach auch erster hauptamtlicher Bürgermeister. Hat das Ihren Entschluss beeinflusst? Oder anders gefragt: Liegt das „Bürgermeister-Gen“ einfach in der Familie?
Das glaube ich nicht, dass das „Bürgermeister-Gen“ in der Familie liegt. Ich bin damit groß geworden, man nimmt als Kind und Jugendlicher aber inhaltlich nicht viel davon mit. Man bekommt wohl mit, dass es viele Termine und Abendveranstaltungen gibt. Es ist keine Qualifikation, dass der Vater Bürgermeister dieser Stadt war.
Welche wesentlichen Eigenschaften bringen Sie als zentraler Politiklenker und zukünftiger Verwaltungschef mit mehr als 100 Mitarbeitern mit? Und was unterscheidet Sie vom bisherigen Amtsinhaber?
Ich bin Volljurist, was für die Leitung einer Verwaltung nicht schlecht ist. Meine Qualifikation selbst: Ich bin bürgernah, bodenständig und vor allen Dingen interessiert und neugierig – das sind sehr wichtige Voraussetzungen sowohl für die Verwaltung als auch für die Politik. Politische Erfahrungen habe ich dazu schon über 15 Jahren lang gesammelt, zunächst als sachkundiger Bürger, danach als Mitglied des Rates und die letzten fünf Jahre auch als Fraktionsvorsitzender der CDU. Ich glaube, dass ich schon viele Sachen kennengelernt habe. Alle Projekte, die im Moment in der Pipeline liegen und zu erwarten sind, kenne ich. Ich weiß darum, was auf mich zukommt. Ich muss einschränkend zugeben: Ich habe noch keine Verwaltung geleitet, das wird für mich neu sein. Es wäre anmaßend zu behaupten, das zu beherrschen, aber ich werde mir sehr viel Mühe geben.

Alle Projekte, die im Moment in der Pipeline liegen und zu erwarten sind, kenne ich.

Markus Wiewel
Politisch sind Sie bereits als CDU-Fraktionsvorsitzender aktiv und haben damit vieles begleitet. Im Fall Ihrer Wahl: Wo sehen Sie die dringlichsten Baustellen in der Stadt?
Drensteinfurt ist eine sehr familienfreundliche Stadt und soll es auch in Zukunft bleiben. Kinder und Eltern sollen hier ihre Zukunft verwirklichen können. Das bedeutet: ausreichend Kita-Plätze und gute und moderne Schulen. Das ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. In der Grundschule in Rinkerode sind wir gerade dabei, einen Teil neu aufzubauen. Wir brauchen Kindergärten in Rinkerode, auch da sind wir langsam in Planungen. Wir brauchen wahrscheinlich eine zweite Kita im Baugebiet Mondscheinweg, da werden wir viel bewegen müssen. Dazu haben wir jetzt die Problematik mit der Grundschule in Drensteinfurt, in der es zu wenig Klassenräume gibt, was durch ein Fachbüro überprüft wurde. Das ist eine drängende Aufgabe, die aber in Ruhe abgewogen werden muss und bei der man die Frage stellen muss, ob der Standort überhaupt noch geeignet ist.

Ich bin bürgernah, bodenständig und vor allen Dingen interessiert und neugierig – das sind sehr wichtige Voraussetzungen sowohl für die Verwaltung als auch für die Politik. 

Markus Wiewel
Der geplante Rathausneubau, ein Hotelkonzept und die Entwicklung der „Ameker Platte“: Nur einige Projekte, in die im vergangenen Jahrzehnt viel Zeit und Geld investiert wurden, ohne dass irgendetwas daraus geworden ist. Werden die Pläne noch einmal aus der Schublade geholt?
In dieser Legislaturperiode würde ich den Rathausneubau in der Schublade lassen, die Ameker Platte und viele andere Projekte aber wieder rausholen. Das Radwege- und Klimaschutzkonzept ist in vielen Teilen noch gar nicht komplett umgesetzt worden. Das wird die Aufgabe der ersten Legislaturperiode sein. Ein Hotelkonzept gibt es. Es wurde bereits versucht, einen Investor zu finden – die Stadt kann kein Hotel bauen. Natürlich sollte man weiter versuchen, einen Investor zu finden. Das ist aber nicht allein Aufgabe der Stadt. In Walstedde möchte ich das Paul-Gerhardt-Haus freibekommen, um es wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das ist aber abhängig von den Veränderungen in der Migrationspolitik und den Flüchtlingszahlen. Es kann gegebenenfalls sein, dass wir noch mal eine Flüchtlingsunterkunft bauen müssen.

Kleine Lösung für Werse-Renaturierung

„Lassen Sie uns die Werse in die Stadt holen“: So lautete mit Blick auf die lange und intensiv diskutierte Werse-Renaturierung Ihre Aussage in einem Wahlkampfvideo aus dem Jahr 2020. Würden Sie den Satz heute wiederholen?
Die Aussage kann ich heute nicht noch einmal tätigen, weil durch ein entsprechendes Gutachten geklärt ist, dass es so technisch nicht umsetzbar ist beziehungsweise die Umsetzung einen so großen Aufwand mit sich bringen würde, dass sie in keiner Weise mehr gerechtfertigt ist. Das Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen, es muss ja noch eine kleinere Lösung geben. Ich selbst finde die sogenannte Bypass-Lösung als eine Bereicherung für die Stadt. Sie wäre ein Teil der Aufenthaltsqualität und interessant für Schulen als Unterricht am Wasser – und viele Ideen mehr, die mir da in den Sinn kommen. Für mich eine gute Lösung, aber auch das ist verfahrenstechnisch noch zu klären.
Werden Sie das Thema Amtshof noch einmal angehen oder müssen wir zusehen, wie das Gebäude immer mehr verfällt?
Auf jeden Fall, ich ärgere mich schon seit Ewigkeiten darüber und habe die Stadt schon mehrfach aufgefordert, da massiver durchzugreifen. Es gibt aber gewisse juristische Hemmnisse. Wir würden alle gerne sehen, dass der Amtshof saniert wird. Wir bekommen das als Ersatzvornahme aber nicht durch. Möglich ist ein Eingreifen bei Schäden, zum Beispiel, wenn es durch das Dach tropft. Man kann nur für die Objekthaltung sorgen. Ich würde aber auf jeden Fall mit den Eigentümern sprechen. Allerdings sehe ich, dass schon zwei andere Bürgermeister daran gescheitert sind – und das lag bestimmt nicht an deren Inkompetenz.
König war er schon: Bürgermeisterkandidat Markus Wiewel war 1991 König des Junggesellenschützenvereins.
Sie leben seit jungen Jahren in Drensteinfurt und waren auch im Vereinsleben überaus aktiv – etwa als König des Junggesellenschützenvereins im Jahr 1991. Würde Markus Wiewel auch als Bürgermeister weiter mit zur Vogelstange marschieren?
Ich bin Mitglied des Bürgerschützenvereins und werde auch bei den Bürgerschützen weiter mitmarschieren. König war ich allerdings schon einmal.

Nach der Bundestagswahl leckten sich die Parteien in der Stadt ihre Wunden – und bereitete sich auf die Kommunalwahl vor. Die CDU war dabei weniger gebeutelt als die SPD.

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