VonGeorg Dickopfschließen
Im Ebbegebirge wurden zwei Wölfe bei einer gemeinsamen Jagd auf Rotwild beobachtet. Zwei Tage später wurden vier Schafe in Höllmecke gerissen.
Herscheid – Mit einem massiven Angriff auf die Schafherde eines Hobbyzüchters im Bereich Höllmecke hat sich der Wolf im Raum Herscheid eindrucksvoll zurückgemeldet – und das gleich doppelt, denn im Umfeld der Schafsrisse wurden mit einer Wildtierkamera Bilder und Videos von gleich zwei ausgewachsen Wölfen aufgenommen.
Rotwild in Herscheid gejagt und vier Schafe gerissen: Zwei Wölfe im Visier
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schlugen die Wölfe mutmaßlich zu und gerieten auf einer Wiese in Herscheid-Höllmecke wohl in einen Blutrausch. Von zwölf Schafen, die von einem Herscheider Hobbyzüchter dort gehalten wurden, überlebten nur fünf Tiere den Angriff unbeschadet. Ein Schaf blieb schwer verletzt zurück, drei waren nach dem Angriff verschwunden, drei weitere wurden vor Ort getötet.
Nach den Angaben von Eberhard Kaufmann, Vorsitzender der Damwildgemeinschaft Herscheider Mühle, die 48 Reviere im Raum Herscheid, Plettenberg, Werdohl und Lüdenscheid umfasst, wurde ein Schaf gefunden, das per Nackenbiss getötet wurde, dann aber einen Hang hinabrutschte und in einem Bach landete, wo die Angreifer es zurückließen.
Schaf per Nackenbiss getötet
„Wir haben Wolfsberater Heiko Cordt umgehend informiert“, berichtet Kaufmann. Der Experte nahm DNA-Proben von den gerissenen und auf der Wiese verbliebenen Schafen und analysierte auch die Aufnahmen der Wildtierkamera, die nur einen Tag später rund zwei Kilometer entfernt zwei größere Wölfe im leichten Trab hintereinander zeigte.
„In Herscheid war es davor lange Zeit ruhig. Den letzten Riss hatten wir bei einem Stück Damwild Ende März“, sagt Kaufmann. Auch im Bereich Plettenberger Bremcke habe es im März einen Riss gegeben. „Leider liegen von beiden Rissen bis heute keine DNA-Ergebnisse vom LANUV vor“, bedauert Kaufmann die lange Bearbeitungsdauer.
Dass der Schafbesitzer keinen Cent für die gerissenen Schafe bekomme, sei ein Stück weit sinnbildlich für die Situation. Zum einen müsse man, um den LANUV-Antrag auszufüllen, eine Mitgliedsnummer bei der Landwirtschaftskammer oder Berufsgenossenschaft haben, zum anderen hätte der Zaun mindestens 1,20 Meter hoch sein müssen. Weil er aber ein Hobbyzüchter sei, der auf den gepachteten Wiesen normale Zäune vorhalte, werde er leer ausgehen.
Zwei Wölfe laut heulen gehört
Eine Begegnung der besonderen Art hatte am Sonntag letzter Woche ein Jäger aus Plettenberg im Ebbegebirge (Name ist der Redaktion bekannt). „Ich war im Revier, als ich plötzlich ein lautes Heulen von zwei Tieren vernahm.“ Erst habe er gedacht, es handele sich um Schlittenhunde, doch nur fünf Minuten später habe er dann zwei große Wölfe gesehen, die Jagd auf ein weibliches Stück Rotwild machten.“
„Das Rotwild hat es zum Glück geschafft, aber mir war schon ein wenig anders beim Rückweg zum Auto“, sagt der Plettenberger, der erstmals Wölfe in dem Revier sah und heulen hörte. In dem Gebiet wurde auch eine Wolfslosung gefunden, die ebenfalls von einem Wolfsberater gesichert wurde.
„Es ist offensichtlich, dass es hier gleich zwei Wölfe gibt. Deshalb bitten wir die Bürger, ihre Hunde beim Spaziergang unbedingt anzuleinen“, sagt Eberhard Kaufmann.


