„Nur durchfahren bringt nichts“

Drogenhandel an der Sedanstraße: Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

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Gezielt kämen Dealer zur Sedanstraße (hier an der Ecke Feidikstraße), um ihre Drogen zu verkaufen.
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Beobachten reicht nicht: Zu dieser Einschätzung sind Anlieger der Sedanstraße in Hamm nicht erst seit den vermeintlichen Verlagerungen von Drogengeschäften nach der Razzia im Bahnhofsquartier Mitte Dezember gekommen.

Hamm – „Wir Anwohner werden hier nicht ernst genommen. Stadt und Polizei reagieren nicht“, sagt ein Mieter an der Sedanstraße. „Zehn Mal am Tag vorbeifahren bringt gar nichts.“ Schon wesentlich länger seien die Zustände unhaltbar. Mit dieser Meinung steht der Mann, der nach eigenen Angaben seit zehn Jahren im Quartier wohnt, nicht alleine da. Auch andere Anlieger kritisieren die Zustände vor ihrer Haustür und die Reaktion von Polizei und Stadt.

„Wir behalten die örtlichen Verlagerungen in der Innenstadt genau im Auge und passen unsere Kontroll- und Observationsmaßnahmen in enger Abstimmung mit der Stadt Hamm an“, hatte ein Polizeisprecher nach Hinweisen auf Verlagerungen in Folge der Razzia in einer Stellungnahme geäußert. Die Stadt verwies auf 285 „Präsenzeinsätze“ des Kommunalen Ordnungsdienstes seit Dezember 2020.

„Verwundert hat mich die Aussage des Ordnungsamtes, Kräfte seien rund 285 Mal seit 2020 in der Sedanstraße gewesen. In einem Jahr also 95 Mal, bei 365 Tagen im Jahr nicht gerade üppig, wenn die vorherrschenden Zustände bekannt sind“, schreibt dazu eine Anliegerin an unsere Zeitung. „Ich halte dagegen: Nein. Die Zahlen mögen auf dem Papier stimmen, aber nicht in Sedan- und Feidikstraße.“

„Aufräumen“ am Kino und bei Edeka als Startschuss

Den Zahlen traut auch der langjährige Anwohner der Sedanstraße nicht. Eine Verdrängung habe seiner Beobachtung nach nicht erst kürzlich, sondern bereits vor etwa eineinhalb Jahren nach dem „Aufräumen“ am Kino und bei Edeka eingesetzt. Es sei genau das eingetreten, was immer vorhergesagt wurde: Einen Ort aufzulösen, führe nur zur Verlagerung des Problems.

Das habe er nun vor der Haustür und sogar in Teilen des Immobilienkomplexes. Die Situation – unter anderem aufgebrochene Haustür, Fäkalien – sei so dramatisch geworden, dass über die Hauseigentümerin seit etwa einem halben Jahr für die Nachtstunden ein privater Sicherheitsdienst bestellt worden sei. Das Problem seien nicht die Bewohner der Immobilie, sondern Personen von außerhalb, die hier dealen wollten und sich immer wieder – auch gewaltsam Zugang – verschafft hätten.

„Nur durchfahren bringt nichts“, klagen Anwohner

Seit etwa zwei Wochen sei eine erhöhte Polizeipräsenz zu beobachten. „Aber was bringt es, wenn hier zehn Mal am Tag ein Wagen durchfährt, aber niemand aussteigt?“, fragt er sich. Die Dealer kämen gezielt ins Quartier, um hier ihre Geschäfte zu machen. „Ich möchte Hilfe“, sagt er klar und deutlich. Der Mieter habe allerdings das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Privaten Besuch empfange er längst nicht mehr. Das sei ihm zu peinlich. „Es kann doch nicht sein, dass nicht nur mein Leben hier inzwischen derart beeinträchtigt ist“, sagt er.

Ein Großeinsatz unter anderem der Polizei hatte Mitte Dezember rund um den Hauptbahnhof in Hamm für besondere Aufmerksamkeit gesorgt. Die Bilanz.

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