Seniorin getötet

Grausiger Fund in Hamm: Kam Kreuzfahrt-SMS vom Mörder?

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Tatort Kamener Straße: In diesem Haus wurde die 76-Jährige getötet.
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In Hamm wird eine Seniorin getötet, eine weitere überfallen. Nach und nach fällt Licht auf die Hintergründe. Und die haben mit einer dubiosen Kreuzfahrt-Nachricht zu tun. Was wir wissen.

Hamm – „Bin seit einer Woche auf einer Kreuzfahrt und komme erst in 30 Tagen zurück.“ Diese SMS war der Auslöser dafür, dass am Mittwochabend die Leiche einer 76-Jährigen Frau in ihrem Haus an der Kamener Straße in Wiescherhöfen gefunden wurde. Gesendet worden war die Nachricht vom Handy der Seniorin an deren in Wien lebende Tochter. Diese hatte sich Sorgen gemacht, weil sich die Mutter seit Tagen nicht gemeldet hatte. Die SMS stammte vermutlich vom Mörder der Mutter.

Weil die Angehörigen in Wien nichts von der Kreuzfahrt wussten und die Seniorin weiterhin nicht ans Telefon ging, wurde schließlich ein in Dortmund lebender Sohn der 76-Jährigen gebeten, im Elternhaus nach dem Rechten zu sehen. Der Mann machte sich am Mittwochabend mit zwei seiner Kinder auf den Weg nach Wiescherhöfen. Die in dem Haus alleinlebende Mutter wurde da noch nicht nicht gefunden. Weil im Haus aber Leichengeruch wahrzunehmen war, wurde gegen 20.30 Uhr die Polizei eingeschaltet.

Gefesselt im Keller

Die eingesetzten Beamten machten schließlich die tödliche Entdeckung. Hinter einer verschlossenen Kellertür, die von ihnen zunächst noch aufgebrochen werden musste, fanden sie den Leichnam der Seniorin. Die Frau war mit Kabeln an Händen und Füßen gefesselt worden und offenbar seit mehreren Tagen tot.

„Der Tod tat durch Gewalteinwirkung gegen den Hals ein“, fasste Staatsanwalt Henner Kruse das Ergebnis der bereits am Donnerstag durchgeführten Obduktion zusammen. Um den Todeszeitpunkt genauer eingrenzen zu können, seien nun noch weitere Untersuchungen auf den Weg gebracht worden, so Kruse am Freitag gegenüber dem WA. Es sei durchaus möglich, dass die Tat schon zehn Tage zurückliege.

Haus als Versteck?

Als dringend tatverdächtig gilt ein 49-jähriger Mann, der am Mittwochabend nur wenige Minuten nach dem Leichenfund und unweit des Hauses an der Kamener Straße festgenommen wurde. Er ist drogenabhängig, Deutscher ohne Zuwanderungsgeschichte und schon mehrfach wegen Eigentumsdelikten mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Als brutaler Gewalttäter galt er für die Polizei bislang nicht.

Gut möglich, dass der 49-Jährige an dem Abend auf dem Weg zu dem Haus der 76-Jährigen war. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass die Seniorin sterben musste, weil der Beschuldigte sich ihr Haus als Versteck vor der Polizei ausgesucht hatte.

Auf der Fahndungsliste stand er seit dem 25. April. An jenem Abend war eine 82-jährige und ebenfalls alleinlebende Frau in ihrem Einfamilienhaus im Bereich der Straße Röttgersbank in Wiescherhöfen überfallen worden. Der Täter hatte sie gefesselt und in ihrem Wohnzimmer eingesperrt. Die Seniorin hatte sich an jenem Abend selbst befreien können und war durch ihre Terrassentür zu einem Nachbarn geflüchtet. Der Täter hatte ihr noch vor Verlassen des Hauses gedroht, dass sie nicht die Polizei rufen dürfe. Falls doch, werde er seine „Bande“ schicken, die sie dann „kaltmachen“ würde.

Der Räuber war erkannt worden. Die Polizei fahndete mit Hochdruck nach dem Mann, der ebenfalls ganz in der Nähe im Haus seiner Eltern wohnte. Nach WA-Informationen gingen die Ermittler die ganze Zeit über davon aus, dass er sich nicht an einen fernen Ort abgesetzt hatte, sondern über kurz oder lang zurückkehren würde.

Das war offenbar am Mittwochabend der Fall. Bei der Polizei ging ein Notruf ein, dass jemand vor dem Elternhaus in Wiescherhöfen randalieren würde. Als die Beamten sich der Adresse gegen 21 Uhr näherten, sahen sie eine Person, die offenbar vor der Polizei davonlaufen wollte – es war der gesuchte 49-Jährige.

„Das war ich auch“

An der Kamener Straße wurde der Mann gestellt und festgenommen. Als er im Streifenwagen saß, ging über den Polizeifunk die Meldung ein, dass soeben und ganz in der Nähe eine Leiche in einem Einfamilienhaus gefunden worden war. Daraufhin soll der 49-Jährige zu den Beamten im Polizeiauto gesagt haben: „An der Kamener Straße? Das war ich auch.“

Gut möglich, dass der Beschuldigte das 76-jährige Todesopfer zumindest vom Sehen kannte und sich ihr Haus gleich nach dem Überfall auf die 82-Jährige wegen des Fahndungsdrucks als Unterschlupf ausgesucht hatte. Gegenüber der Mordkommission soll er gesagt haben, dass er die Frau gefesselt und in ihrem Keller eingesperrt habe. Anschließend habe er sich nicht mehr um sie gekümmert. Das Ganze liege nun etwa zehn Tage zurück. „Wir gehen davon aus, dass er auch nach dem Todeseintritt noch längere Zeit in dem Haus gewohnt hat“, sagte zudem Staatsanwalt Henner Kruse. Zu erwarten sei auch, dass er sich – so vorhanden – an den Wertsachen des Opfers bedient habe.

Der 49-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Zum einen wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung bei der 82-Jährigen und seit Donnerstag auch wegen Mordverdachts in Tateinheit mit einem Raub mit Todesfolge bei der 76-Jährigen. Die kriminaltechnischen Untersuchungen am Tatort Kamener Straße würden noch mehrere Tage anhalten, hieß es ebenfalls von der Staatsanwaltschaft.

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