Fahren Sie mit einem Motor als Unterstützung oder treten Sie alleine in die Pedale? Zwei Radexperten äußern sich zu den neuen Trends auf dem Fahrradmarkt.
Hamm – Der Fahrradmarkt hat sich gewandelt und das E-Bike scheint der große Gewinner vor dem „Bio-Fahrrad“ ohne Motor zu werden. „Die Nachfrage nach E-Bikes ist ungebrochen“, sagt Dirk Kemper-Niehues von Zweirad Niehues. Und auch Bernd Hallmann vom Bike-Center Hallmann bestätigt: Der Trend hält an. „Hat man sich einmal an das E-Bike gewöhnt, ist der Schritt zurück erheblich“, sagt Bernd Hallmann. „Sogar ich fahre mehr Fahrrad“, sagt sein Mitbewerber Kemper-Niehues. „Es gibt keine Ausreden mehr.“ Durch die hohen Preise für E-Bikes werden die meisten der Räder übrigens geleast – etwa durch ein Arbeitgeber-Angebot – und nicht direkt gekauft.
E-Bike oder „Bio-Fahrrad“? Zwei Experten zu den Fahrrad-Trends 2024
Nachdem lange Lieferschwierigkeiten für einen gewissen Frust bei Fahrradhändlern und -kunden sorgte, sind die Lager gut gefüllt. Sehr gut sogar, die Fahrradhändler wissen kaum, wohin mit den ganzen Rädern, denn die Hersteller liefern jetzt die Fahrräder aus, die 2022 bestellt wurden. Kemper-Niehues musste Container anmieten, um die Lieferungen unterzubringen. Doch er ist zuversichtlich, dass sich die Räder schnell verkaufen werden. „Bis Ende des Jahres wird der Bestand nicht reichen“, sagt er. Denn die Hammer fahren gerne Rad, auch wenn das Geschäft der Fahrradhändler nach dem langen grauen Winter erst jetzt mit den ersten frühlingshaften Tagen anläuft. Dabei zeigt ihr Angebot, dass Pedelecs und E-Bikes deutlich beliebter sind. „Das Bio-Bike wird aber nicht aussterben“, erklärt Kemke-Niehues.
Fahrradtrends 2024: Das normale Fahrrad stirbt nicht aus - E-Bike entwickelt sich
Dennoch werde sich die Anzahl der normalen Fahrräder wohl reduzieren, denn wer einmal mit Motor fahre, schaue selten zurück.
Und E-Bikes entwickeln sich immer weiter. Die Reifen werden breiter, die Motoren leichter. Die breiteren Reifen passen sich optisch an den wuchtigeren Rahmen der motor-unterstützten Fahrräder an. „Sie rollen besser auf Schotterwegen und fühlen sich komfortabler an.“
Mit den neuen, leichteren SX-Motoren möchten die E-Bike-Hersteller auch im sportlicheren Bereich einen Anreiz bieten, auf Elektronik umzusteigen. „Rennräder werden damit aber trotzdem deutlich schwerer“, sagt Hallmann. Zudem sind E-Bikes bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h abgeriegelt – mit einem klassischen naturbetriebenen Rennrad sind die Fahrer deutlich schneller unterwegs. Die motorische Unterstützung bietet aber natürlich auch Vorteile, etwa bei starken Steigungen.
Fahrradtrends 2024: Gravelbikes sind bei Rennrädern angesagt
Im Bereich der Rennräder ohne Elektronik sind Gravelbikes im Trend. Die Räder haben breitere Reifen als die klassischen feingliedrigen Rennräder, eignen sich besser für schroffere Untergründe und wiegen laut Hallmann teilweise noch deutlich unter 10 Kilogramm.
Neu ist auch eine ganz andere technische Unterstützung, die beide Fahrradexperten gleichermaßen begeistert. Mit einer App vom Hersteller Bosch verbindet sich das Elektro-Fahrrad leicht mit dem Handy. Hier können nun zum Beispiel verschiedene Fahrstufen für das Rad einfach eingestellt werden, außerdem gibt es eine Wegfahrsperre für die Fahrräder. Sie lassen sich dann nur bewegen, wenn das Handy in der direkten Nähe ist.
Fahrradtrends 2024: Kunden setzen auf Helme in Signalfarben
Mit den schnelleren Fahrrädern ändert sich auch der Sicherheitsgedanke: Kunden greifen nun eher zu Helmen in Signalfarben, erklärt Kemke-Niehues. Er verkauft viele Exemplare in Signalgelb oder Rot. Zudem sind Beleuchtungen gefragt, auch mit Extras wie Blinkern am Helm. Wer viel unterwegs ist, legt Wert darauf rechtzeitig gesehen zu werden.
Der Fahrradmarkt entspannt sich: Während und nach den Coronajahren mussten Fahrradfans teilweise bis zu eineinhalb Jahre auf ihr bestelltes Rad warten.


