Nager in Not

Eichhörnchen-Babys in Not – ihnen droht in NRW ein grausamer Tod

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Die Eichhörnchen in NRW leiden. Nahrung und Wasser sind so knapp, dass viele Weibchen ihre Jungen nicht mehr versorgen können. Aufzuchtstationen kommen an ihre Grenzen.

Hamm – Mit ihrer quirligen Art, von Baum zu Baum zu huschen, der rötlichen Fellfarbe und dem buschigen Schweif zaubern sie vielen Naturfreunden ein Lächeln ins Gesicht. Die Rede ist von den bei uns heimischen eurasischen Eichhörnchen. Doch die flinken Waldbewohner stehen aktuell vor großen Herausforderungen, denn das trockene Wetter in Nordrhein-Westfalen in diesem Frühjahr und das Waldsterben sorgen dafür, dass sie nicht mehr genug Nahrung finden. Das hat auch Auswirkungen auf die Aufzucht ihrer Jungtiere, von denen viele von Auffangstationen gerettet werden müssen.

Vom Waldsterben bedroht: Eichhörnchen in NRW finden nicht genug Nahrung

Die ersten Eichhörnchenjungen kommen noch im Winter zur Welt. Fällt der Frühling besonders trocken aus, so wie in diesem Jahr, finden Muttertiere in den Baumkronen nicht genug Flüssigkeit. Auch die Nahrung wird aufgrund des immer weiter voranschreitenden Wäldersterbens knapp. Viele Eichhörnchen schaffen es deshalb im Herbst nicht mehr, sich genügend Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen.

Unterversorgte Muttertiere produzieren laut Experten des Umweltverbandes BUND deutlich weniger Milch. Sie können somit nicht alle Jungtiere ernähren. Das sorgt dafür, dass nur der stärkste Nachwuchs versorgt wird und schwächere Junghörnchen zurückgelassen werden.

Sie landen oft in Auffangstationen in NRW und werden dort von ehrenamtlichen Tierschützern mühevoll wieder aufgepäppelt. So auch bei Steffi und Werner Schmitz von dem Verein „Aktion Eichhörnchen“ in Unna. Sie kümmern sich in ihrer Freizeit um verwaiste Junghörnchen. Dieses Jahr startete für sie nach eigener Aussage eher ungewöhnlich. „Sonst hatten wir schon Ende Januar und Anfang Februar Eichhörnchen bei uns in der Station, die oft nicht älter als ein oder zwei Wochen waren. Sie haben noch kein Fell, sind blind und taub. In diesem Jahr war allerdings ganz lange Ruhe“, schreiben die Tierschützer auf Anfrage von wa.de.

Eichhörnchen in NRW: Auffangstationen sind überlastet

Erst Anfang März hätten sie fünf Eichhörnchen auf einmal von einer Pflegestation in Münster übernommen. Nur wenige Tage später sei es mit den Notrufen losgegangen. „Aktuell haben wir 17 Eichhörnchen. Neun weitere haben wir an andere Stationen weitervermittelt. Das ist kaum mehr zu stemmen, besonders wenn dann noch Pflegefälle dabei sind, die mehrfach zum Tierarzt müssen“, erklären sie.

Eichhörnchenbabys müssen oft in Handaufzucht aufgepäppelt werden.

„Wir glauben, es ist nicht nur die Dürre, sondern es liegt auch daran, dass unsere absterbenden Wälder kein attraktiver Lebensraum mehr für Eichhörnchen sind. Die Bucheckern-Ernte im vergangenen Jahr war grottenschlecht, ähnlich wie bei Baumhaselnüssen und Walnüssen. Viele Bäume sterben ab, aufgrund von Dürre oder des Befalls durch Borkenkäfer, sodass sich die Eichhörnchen anpassen und eher in den urbanen Raum verlagern“, so die Eichhörnchenretter. Dort gebe es zwar leider immer mehr Steingärten, aber auch viele Einwohner, die Eichhörnchen mögen und die Tiere entsprechend füttern.

„Unsere beiden Friedhöfe in Unna, vor allem der Westfriedhof, mit seinem alten, intakten Baumbestand und das Bornekamptal als Naherholungsgebiet mit Teichen, sind noch lohnenswerte Lebensräume“, so Steffi und Werner Schmitz.

Eichhörnchen helfen: Oft leiden sie unter Wassermangel

Hilfebedürftige Eichhörnchenjungtiere liegen zumeist am Boden oder suchen menschliche Nähe, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie leiden häufig an Wassermangel und sind zu schwach, um sich auf den Ästen von Bäumen zu halten. Besonders bei Jungtieren ist die Gefahr, an Dehydrierung zu sterben, sehr hoch. Wird ein schwaches oder verletztes Eichhörnchen gefunden, sollte zuerst eine Auffangstation in der Nähe kontaktiert werden. Sie geben Findern genaue Anweisungen, wie sie sich zu verhalten haben. Anweisungen finden sich unter anderem auf eichhörnchen-in-not.de. Dort gibt es auch eine Übersicht der Päppelstationen.

Kann in der Umgebung eines gefundenen und augenscheinlich gesunden Eichhörnchenbabys keine Mutter ausgemacht werden, ist es wichtig, das Tier trocken zu halten und zu wärmen – beispielsweise mit einer Decke. Da Eichhörnchen keine Tollwut übertragen, können Jungtiere vorsichtig hochgehoben und bis zur Abgabe in einer Auffangstation übergangsweise in einen Schuhkarton oder eine Schachtel gesetzt werden. Da ältere Tiere scharfe Zähne haben, sollten sie nur mit dicken Handschuhen angefasst werden.

Hilfe für Eichhörnchen im eigenen Garten

Gartenbesitzer können Eichhörnchen mit einfachen Mitteln helfen. Die Nagetiere ernähren sich am liebsten von Früchten und Samen. Während der kalten Monate verstecken sie ihre Nahrung in verschiedenen Depots. Bei den quirligen Tieren liegen besonders Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Walnüsse und Haselnüsse sowie flüssigkeitsreiches Obst wie Weintrauben und Äpfel oder Stücke von Gemüsesorten wie Karotten hoch im Kurs. Zusätzlich sollten Trinkschalen wie beispielsweise Vogeltränken aufgestellt werden, um die Tiere in trockenen Zeiten mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen.

Diese Tiere des Jahres 2025 kennt kaum jemand

Eine Fledermaus im Flug bei Nacht.
Fledermaus des Jahres: Das Große Mausohr Mit 40 Zentimetern Flügelspannweite ist das Große Mausohr die größte heimische Fledermausart. Am liebsten bewohnt sie geräumige Dachböden, zum Beispiel von Kirchen. Im Sommer bringen die Weibchen dort ihre Jungen zur Welt. Die Fledermäuse leben dann in Kolonien von bis zu 2.000 Tieren zusammen. Den Tag verbringen sie kopfüber hängend. Nachts geht es auf die Jagd. Auf dem Speiseplan stehen Insekten. Von November bis März halten Fledermäuse Winterschlaf. © IMAGO / blickwinkel
Eine Holzwespen-Schlupfwespe sitzt auf hölzernem Untergrund.
Insekt des Jahres: die Holzwespen-Schlupfwespe Sie ist dreieinhalb Zentimeter groß, hat einen dunklen Körper mit weißen Tupfen und rote Beine: Die Holzwespen-Schlupfwespe sieht wirklich besonders aus. Besonders ist auch ihre Art, Eier abzulegen. Die Weibchen haben an ihrem Hinterteil einen Legebohrer, der länger ist als ihr restlicher Körper. Damit legen sie je ein Ei auf eine Holzwespenlarve ab. Dass tatsächlich Larven im Holz eines Baumes sind, kann das Insekt riechen. Schlüpft die Larve, nutzt sie die Holzwespenlarve als Wirt. Was makaber klingt, ist ein wichtiger Beitrag zum Ökosystem. Erwachsene Tiere ernähren sich von Honigtau und Kiefernnadeln.  © IMAGO / Zoonar
Eine Gebänderte Heidelibelle sitzt auf einem Halm.
Libelle des Jahres: Die Gebänderte Heidelibelle Braune Streifen auf ihren transparenten Flügeln zeichnen die Gebänderte Heidelibelle aus. Charakteristisch ist auch ihr schmetterlingshafter Flug. Beides lässt sie mit der Umgebung verschmelzen und macht sie nahezu unsichtbar. In Flusstälern oder in Gewässernähe fühlt sich die Gebänderte Heidelibelle besonders wohl. Die Bestände sind in den letzten zwanzig Jahren deutlich geschrumpft. Daher wird ihr Lebensraum besonders geschützt. Laut BUND stehen von insgesamt 80 heimischen Libellenarten 48 auf der Roten Liste gefährdeter Insekten. © IMAGO / AGAMI
Eine Garten-Blattschneiderbiene schneidet ein grünes Blatt.
Wildbiene des Jahres: Die Garten-Blattschneiderbiene Mit der Auszeichnung „Wildbiene des Jahres“ bekommt die Garten-Blattschneiderbiene mediale Aufmerksamkeit. Das hat sie auch verdient, denn ihre Art, Nester zu bauen, ist einzigartig. Die Weibchen schneiden Blattstücke ab, um damit Brutzellen zu tapezieren. Zum Nisten nutzen sie selbst gegrabene Gänge in morschem Holz oder Bohrlöcher von Nisthilfen mit sechs Millimeter Durchmesser. Anzutreffen ist die Garten-Blattschneiderbiene in naturnahen Gärten mit heimischen Wildpflanzen, auf Wiesen oder an Waldrändern.  © IMAGO / imagebroker
Ein blauer Moorfrosch sitzt auf moosgrünem Untergrund.
Amphib des Jahres: Der Moorfrosch Der Moorfrosch legt sich mächtig ins Zeug, um der Damenwelt zu imponieren. Männchen färben sich zur Laichzeit blau. Die Weibchen hingegen legen bis zu 3.000 Eier in Laichballen ab. Der Moorfrosch ist nur etwa sieben Zentimeter groß und kommt sowohl im westlichen Mitteleuropa als auch in Osteuropa und Sibirien vor. Da die Lebensräume des kleinen Frosches schrumpfen, gilt er mittlerweile europaweit als „streng geschützt“. © IMAGO / CHROMORANGE
Ein Nachtfalter sitzt auf einer Felswand.
Höhlentier des Jahres: Der Wegdornspanner Der Wegdornspanner ist nur eines von vielen Tieren, die auf Höhlen als geschützte Rückzugsorte angewiesen sind. Wie ein kleines Dreieck klebt der Wegdornspanner an der Höhlenwand, wenn er sich ausruht oder überwintert, die Flügel dabei teilweise oder ganz geöffnet. Sein Muster und die olivbraune Farbe bietet ihm dabei die perfekte Tarnung und verleiht ihm zudem den Namen „Olivbrauner Höhlenspanner“. Der Nachtfalter hat eine Flügelspannweite von fast fünf Zentimetern. © IMAGO / imagebroker
Ein Gelbvieh-Kalb auf einer Weide.
Gefährdete Nutztierrasse des Jahres: Das Gelbvieh Nicht nur Wildtiere stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten – auch einige Nutztierrassen drohen zu verschwinden. Wie zum Beispiel das Gelbvieh, auch als gelbes Frankenvieh bekannt, das nun den Titel „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2025“ trägt. Mit ihm stehen 17 weitere Rinderrassen auf der Roten Liste. Somit ist die Gefährdung der Artenvielfalt auch in der Landwirtschaft ein Thema. Gab es 1950 noch 800.000 Rinder der Rasse Gelbvieh, sind es laut Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) aktuell nur noch 1.250 Milch- und 1.250 Mutterkühe. Das Gelbvieh ist einfarbig Gelb oder Rotgelb, Milchkühe haben häufig Hörner. Bullen können bis zu 1,60 Meter groß werden und 1.300 Kilogramm wiegen. © IMAGO / Depositphotos
Eine Fischernetzspinne schaut aus einer Felsspalte.
Spinne des Jahres: Die Gewöhnliche Fischernetzspinne Mit nur sechs statt acht Augen sieht die Gewöhnliche Fischernetzspinne ihre Welt. Nachts wird sie munter und legt zum Beutefang ein schlauchförmiges Netz an, das wie eine Stolperfalle für vorbeikommende Beutetiere funktioniert. Erkennen kann man sie auch an der typischen Beinstellung, wenn sie beispielsweise in Felsspalten auf Beute wartet: Dabei schauen die ersten drei Beinpaare zusammen nach vorne. Nur das vierte Beinpaar zeigt nach hinten. Das macht sonst keine Spinne so. © IMAGO / imagebroker
Mikroskopisch vergrößerte Ansicht eines Wimpertierchens, das eine Symbiose mit einer Alge eingegangen ist,.
Einzeller des Jahres: Die Wimpertierchen der Gattung Coleps Als ein Wunder der Mikrowelt bezeichnet die Gesellschaft für Eukaryotische Mikrobiologie das Wimpertierchen der Gattung Coleps. Grund genug, es zum Einzeller des Jahres zu küren. Das Besondere: Die Wimpertierchen können Platten aus Kalziumcarbonat herstellen. Nach jeder Zellteilung, also ein bis zweimal pro Tag, vervollständigen die Tochterzellen diese Platte. Dabei entsteht ein flexibler Panzer. Wimpertierchen leben in Gewässern und ernähren sich von Mikroorganismen oder Aas. Wenn es eine Symbiose mit einer Alge eingeht, wird es grün. © IMAGO / imagebroker
Der Nachtfalter Spanische Flagge sitzt auf einem Gewöhnlichen Wasserdost.
Schmetterling des Jahres: Die Spanische Flagge Seinen Namen hat der Nachtfalter seiner auffälligen Färbung zu verdanken. Das soll ihn vor potenziellen Angreifern schützen. Denn die Farbe signalisiert: Ich bin giftig! Mit fünf Zentimetern Flügelspannweite gehört die Spanische Flagge zu den größten Nachtfaltern in Europa. Im August ist sie auch tagsüber aktiv. Ihre Leibspeise ist der Nektar vom Gewöhnlichen Wasserdost. Eigentlich ist der Russische Bär, wie der Falter auch heißt, in Süd- und Mitteleuropa heimisch. Aufgrund des Klimawandels fühlt er sich aber auch in nördlicheren Gefilden wohl, zum Bespiel in der Rheinregion oder im Harz. © IMAGO / Zoonar

Eine tödliche Falle sind Regentonnen. Diese sollten unbedingt abgedeckt werden, damit Eichhörnchen beim Trinken nicht hineinfallen. An den glatten Wänden kommen sie nicht mehr hinaus und ertrinken sonst. Ist ein Abdecken nicht möglich, sollte ein dicker Ast oder Baumstamm in die Tonne gestellt werden, der ein Heraufklettern ermöglicht.

Nach dem trockenen Jahresstart und eher wechselhaften Ostertagen wird das Wetter in NRW ungemütlich. Experten rechnen mit Gewittern und Starkregen. Naturfreunde, die gerne spazieren gehen, sollten ab Anfang Mai auf der Hut sein – dann schlüpfen die Raupen des Eichenprozessionsspinners.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/CHRISTIANE WEIMER_

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