Eichhörnchen-Babys in Not – ihnen droht in NRW ein grausamer Tod
VonPia Sofie Bartmann
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Die Eichhörnchen in NRW leiden. Nahrung und Wasser sind so knapp, dass viele Weibchen ihre Jungen nicht mehr versorgen können. Aufzuchtstationen kommen an ihre Grenzen.
Hamm – Mit ihrer quirligen Art, von Baum zu Baum zu huschen, der rötlichen Fellfarbe und dem buschigen Schweif zaubern sie vielen Naturfreunden ein Lächeln ins Gesicht. Die Rede ist von den bei uns heimischen eurasischen Eichhörnchen. Doch die flinken Waldbewohner stehen aktuell vor großen Herausforderungen, denn das trockene Wetter in Nordrhein-Westfalen in diesem Frühjahr und das Waldsterben sorgen dafür, dass sie nicht mehr genug Nahrung finden. Das hat auch Auswirkungen auf die Aufzucht ihrer Jungtiere, von denen viele von Auffangstationen gerettet werden müssen.
Vom Waldsterben bedroht: Eichhörnchen in NRW finden nicht genug Nahrung
Die ersten Eichhörnchenjungen kommen noch im Winter zur Welt. Fällt der Frühling besonders trocken aus, so wie in diesem Jahr, finden Muttertiere in den Baumkronen nicht genug Flüssigkeit. Auch die Nahrung wird aufgrund des immer weiter voranschreitenden Wäldersterbens knapp. Viele Eichhörnchen schaffen es deshalb im Herbst nicht mehr, sich genügend Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen.
Unterversorgte Muttertiere produzieren laut Experten des Umweltverbandes BUND deutlich weniger Milch. Sie können somit nicht alle Jungtiere ernähren. Das sorgt dafür, dass nur der stärkste Nachwuchs versorgt wird und schwächere Junghörnchen zurückgelassen werden.
Sie landen oft in Auffangstationen in NRW und werden dort von ehrenamtlichen Tierschützern mühevoll wieder aufgepäppelt. So auch bei Steffi und Werner Schmitz von dem Verein „Aktion Eichhörnchen“ in Unna. Sie kümmern sich in ihrer Freizeit um verwaiste Junghörnchen. Dieses Jahr startete für sie nach eigener Aussage eher ungewöhnlich. „Sonst hatten wir schon Ende Januar und Anfang Februar Eichhörnchen bei uns in der Station, die oft nicht älter als ein oder zwei Wochen waren. Sie haben noch kein Fell, sind blind und taub. In diesem Jahr war allerdings ganz lange Ruhe“, schreiben die Tierschützer auf Anfrage von wa.de.
Eichhörnchen in NRW: Auffangstationen sind überlastet
Erst Anfang März hätten sie fünf Eichhörnchen auf einmal von einer Pflegestation in Münster übernommen. Nur wenige Tage später sei es mit den Notrufen losgegangen. „Aktuell haben wir 17 Eichhörnchen. Neun weitere haben wir an andere Stationen weitervermittelt. Das ist kaum mehr zu stemmen, besonders wenn dann noch Pflegefälle dabei sind, die mehrfach zum Tierarzt müssen“, erklären sie.
„Wir glauben, es ist nicht nur die Dürre, sondern es liegt auch daran, dass unsere absterbenden Wälder kein attraktiver Lebensraum mehr für Eichhörnchen sind. Die Bucheckern-Ernte im vergangenen Jahr war grottenschlecht, ähnlich wie bei Baumhaselnüssen und Walnüssen. Viele Bäume sterben ab, aufgrund von Dürre oder des Befalls durch Borkenkäfer, sodass sich die Eichhörnchen anpassen und eher in den urbanen Raum verlagern“, so die Eichhörnchenretter. Dort gebe es zwar leider immer mehr Steingärten, aber auch viele Einwohner, die Eichhörnchen mögen und die Tiere entsprechend füttern.
„Unsere beiden Friedhöfe in Unna, vor allem der Westfriedhof, mit seinem alten, intakten Baumbestand und das Bornekamptal als Naherholungsgebiet mit Teichen, sind noch lohnenswerte Lebensräume“, so Steffi und Werner Schmitz.
Eichhörnchen helfen: Oft leiden sie unter Wassermangel
Hilfebedürftige Eichhörnchenjungtiere liegen zumeist am Boden oder suchen menschliche Nähe, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie leiden häufig an Wassermangel und sind zu schwach, um sich auf den Ästen von Bäumen zu halten. Besonders bei Jungtieren ist die Gefahr, an Dehydrierung zu sterben, sehr hoch. Wird ein schwaches oder verletztes Eichhörnchen gefunden, sollte zuerst eine Auffangstation in der Nähe kontaktiert werden. Sie geben Findern genaue Anweisungen, wie sie sich zu verhalten haben. Anweisungen finden sich unter anderem auf eichhörnchen-in-not.de. Dort gibt es auch eine Übersicht der Päppelstationen.
Kann in der Umgebung eines gefundenen und augenscheinlich gesunden Eichhörnchenbabys keine Mutter ausgemacht werden, ist es wichtig, das Tier trocken zu halten und zu wärmen – beispielsweise mit einer Decke. Da Eichhörnchen keine Tollwut übertragen, können Jungtiere vorsichtig hochgehoben und bis zur Abgabe in einer Auffangstation übergangsweise in einen Schuhkarton oder eine Schachtel gesetzt werden. Da ältere Tiere scharfe Zähne haben, sollten sie nur mit dicken Handschuhen angefasst werden.
Hilfe für Eichhörnchen im eigenen Garten
Gartenbesitzer können Eichhörnchen mit einfachen Mitteln helfen. Die Nagetiere ernähren sich am liebsten von Früchten und Samen. Während der kalten Monate verstecken sie ihre Nahrung in verschiedenen Depots. Bei den quirligen Tieren liegen besonders Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Walnüsse und Haselnüsse sowie flüssigkeitsreiches Obst wie Weintrauben und Äpfel oder Stücke von Gemüsesorten wie Karotten hoch im Kurs. Zusätzlich sollten Trinkschalen wie beispielsweise Vogeltränken aufgestellt werden, um die Tiere in trockenen Zeiten mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen.
Eine tödliche Falle sind Regentonnen. Diese sollten unbedingt abgedeckt werden, damit Eichhörnchen beim Trinken nicht hineinfallen. An den glatten Wänden kommen sie nicht mehr hinaus und ertrinken sonst. Ist ein Abdecken nicht möglich, sollte ein dicker Ast oder Baumstamm in die Tonne gestellt werden, der ein Heraufklettern ermöglicht.