VonLaura Ottenschließen
Wenn die Eier des Eichenprozessionsspinners im Mai anfangen zu schlüpfen, müssen Spaziergänger auf der Hut sein. Es gibt aber Wege, die gesundheitsgefährdenden Raupen zu umgehen.
Hamm – Er ist wohl der gefürchtetste Schmetterling in NRW: Der Eichenprozessionsspinner. Denn die Raupen dieses eigentlich harmlos aussehenden Tierchens bekommen ab etwa Anfang Mai eine gefährliche „Frisur“. Dann bilden sich sogenannte Brennhaare auf ihnen, die für Menschen und Tiere gesundheitsgefährdend sind. Der Wind kann diese Brennhaare weit tragen – mit ihnen in Kontakt zu kommen ist also gar nicht so unwahrscheinlich. In NRW hat das Larvenstadium in diesem Jahr schon früher begonnen als in anderen Bundesländern.
Gefahr durch Eichenprozessionsspinner in NRW: Tipps gegen fiesen Ausschlag und Bläschen
Wie Menschen auf Kontakt mit den Brennhaaren reagieren, sei von Person zu Person unterschiedlich, weiß Nicole Fiegler von Wald und Holz NRW. Von leichten bis schweren Reaktionen könne alles dabei sein. Zu den möglichen Symptomen auf der Haut zählen ein juckender Ausschlag, Schwellung, Bläschenbildung und Nesselsucht. „Es bilden sich viele kleine Wunden auf der Haut. Die können sich auch entzünden“, sagt Fiegler. Letzteres sei bei den meisten aber zunächst einmal nicht der Fall.
Kommen die Brennhaare in die Schleimhäute, etwa in Auge und Nase, entstehen heuschnupfenähnliche Symptome. Zum Beispiel juckende Augen und eine laufender Nase. Gelangen sie in die Atemwege, kann es sich auch anfühlen wie eine normale Erkältung.
So kann man den Kontakt mit den Brennhaaren vermeiden
Was schützt jetzt vor den Härchen? Der erste Tipp der Expertin findet sich schon im Namen der gefürchteten Tierchen: Denn der Eichenprozessionsspinner legt seine Eier nur an nur an Eichen ab. Wer also weiß, wo Eichen oft vorkommen, kann versuchen sie zu meiden. Dabei helfen auch Warnschilder, die mittlerweile eigentlich an den meisten betroffenen Gebieten stehen, sagt Fiegler. Aber so leicht ist es dann auch nicht: Denn der Wind trägt die Brennhaare teilweise auch weit weg von den Eichen und wirbelt sie an andere Orte.
An diesen NRW-Orten kommt der Eichenprozessionsspinner besonders häufig vor
In NRW sei in der vergangenen Saison etwa das Münsterland stark betroffen gewesen. Generell bevorzugen die Tierchen niedere Lagen und Flussauen, wo viele Eichen wachsen. Auch warme Temperaturen mag der Eichenprozessionsspinner. In höheren Lagen, wie etwa im Hochsauerland, komme es also seltener vor, dass die Schmetterlinge ihre Eier ablegen. Mit einem größeren Aufkommen sei zum Beispiel in den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford, Bielefeld, Paderborn, Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis zu rechnen.
Kühlende Salben können gegen den Ausschlag helfen
Die ersten Symptome nach Kontakt treten meist schon innerhalb weniger Stunden auf. Wenn man merkt, dass es einen erwischt hat, gilt es schnell zu handeln: „Man sollte die Kleidung bei 60 Grad waschen. Denn die Brennhaare hängen daran fest“, sagt Fiegler. „Dann sollte man unter die Dusche springen und sich abwaschen.“ Bei den meisten Betroffenen klingen die Symptome innerhalb von zwei Wochen von selbst wieder ab. Um sie zu lindern, können kühlende Salben, zum Beispiel mit Aloe Vera, helfen.
Bei allergischen Reaktionen und starken Symptomen hilft nur der Hausarzt
In seltenen Fällen kann der Kontakt aber zu einer allergischen Reaktion führen. „Das passiert zum Beispiel, wenn die Betroffenen schon einmal Kontakt mit den Brennhaaren hatten, die Symptome aber nicht so stark ausgeprägt waren. Beim zweiten Kontakt kann dann eine Überempfindlichkeit entstehen“, erklärt die Expertin. Bei starken Symptomen sei der Weg zum Hausarzt der einzig richtige Weg. Haustierbesitzer müssen sogar doppelt aufpassen: Denn auch die vierbeinigen Kameraden können Opfer der Symptome werden. Besonders bei Hunden sollte aufgepasst werden.
Und zuletzt noch ein Appell der Expertin: Wer die Raupen etwa in seinem Garten entdeckt, sollte auf keinen Fall eigenständig handeln. Zum einen, um sich nicht dem gesundheitlichen Risiko auszusetzen, und zum anderen, weil die Nester von professionellen Schädlingsbekämpfungsfirmen abgesaugt und thermisch behandelt werden müssen.
Ein Landwirt aus hat eine kreative Strategie entwickelt, um die Eichenprozessionsspinner von den Eichen fernzuhalten. Er schwört auf seine Erfindung.
Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/alimdi / Arterra / Johan De Meester


