Katholische Kirche

„Ein ganz anderer Typ“: Lüdenscheider Katholiken über den neuen Papst Leo XIV.

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Wie kommt der neue Papst Leo XIV. in Lüdenscheid an? Das sagen führende Katholiken der Bergstadt.

Lüdenscheid – Auch die Lüdenscheider Katholiken verfolgten gebannt die Bekanntgabe des neuen Papstes und den ersten Auftritt von Kardinal Robert Francis Prevost als Papst Leo XIV. Claus Optenhöfel, Pfarrer der Lüdenscheider Pfarrei St. Medardus und Kreisdechant des Kreisdekanates Altena-Lüdenscheid, schilderte kurz danach im Gespräch mit der Redaktion seine ersten Eindrücke von dem neuen Mann an der Spitze der Katholischen Kirche. Er betonte aber, dass auch er nur aus der Ferne urteilen könne: „Ich kenne keine Kardinäle persönlich. Ich lese auch nur das, was die Medien berichten.“

Bei seinem ersten Auftritt habe Leo XIV. „einen sympathischen Eindruck“ gemacht. Indem er den Heiligen Augustinus zitierte „Für Euch bin ich Bischof. Mit Euch bin ich Christ“ habe er sich ähnlich wie Franziskus bescheiden auf eine Ebene mit den Gläubigen gestellt. Vieles in seiner ersten kurzen Ansprache und seiner Biografie spreche dafür, dass er in vielen Dingen die Linie seines Vorgängers weiter verfolgen werde, und sich für Frieden und Verständigung sowie für die Armen einsetzen werde.

Aber Papst Franziskus sei ein Typ mit einer ganz eigenen persönlichen Art gewesen: „Der neue Papst wird ein ganz anderer Typ sein“, prognostiziert Optenhöfel. Interessant wäre, so sagt er, zu wissen, wie Prevost die Wahl seines Papstnamens begründet. Denn dieser erinnere nicht nur Leo XIII., der im 19. Jahrhundert die erste Sozialenzyklika verfasst habe, sondern auch an den später Heilig gesprochenen Leo, den Großen, der als erster diesen Namen wählte und ein starker Papst des 5. Jahrhunderts gewesen sei.

Broxtermann ein Kenner der Szene

Pastor Johannes Broxtermann, der sich intensiv mit den Päpsten und den Kardinälen beschäftigt, hält Prevost für einen Papst, dem es gelingen könne, einen Ausgleich zwischen den polarisierenden Strömungen in der Katholischen Kirche zu schaffen. Hinter der überraschenden und vergleichsweise schnellen Entscheidung des Konklaves vermutet er die Erkenntnis der Kardinäle, dass keiner der zunächst als Favoriten gehandelten Kandidaten sich hätte durchsetzen können, weil sie zu sehr für gegensätzliche Richtungen stehen.

Pfarrer Claus Optenhöfel.

Prevost sei zwar in den USA geboren, aber das Internationale sei ihm mit Eltern aus Spanien und Frankreich förmlich in die Wiege gelegt worden, führt Broxtermann aus. Er spreche mehrere Sprachen und sei in Peru eher zu Hause als in Chicago. Ausgerechnet als Bischof der kleinen Diözese Chiclayo in Peru sei Prevost Papst Franziskus aufgefallen, der ihn 2023 nach Rom holte und zum Kardinalpräfekten machte. Das sei das wichtige Ministerium für die Bischöfe und Bischofsernennungen: „Damit war Prevost eine Art Personalchef der Kirche“, so Broxtermann. „Das war ein Sprung: vom Missionsbischof einer kleinen Diözese zu einem der mächtigsten Kardinäle der Kurie!“

Bescheiden und zurückhaltend

Dennoch sei er bescheiden und zurückhaltend geblieben und habe nie viel Aufhebens von sich gemacht. Trotz dieser wichtigen Position im Vatikan sei er in der Öffentlichkeit kaum bekannt gewesen. „Nun hat er einen noch größeren Sprung gemacht. Ein Mann in der Spur des Papstes Franziskus – ohne dessen spontane und originelle Art. Er wird hoffentlich seine eigene Art leben können“, wünscht Broxtermann dem neuen Papst. Bei seinem ersten Auftritt auf dem Balkon des Petersdoms habe er zwar mit starker Stimme gesprochen, aber er sei weniger spontan als seinerzeit Franziskus und sichtlich nervös gewesen, konstatiert Broxtermann. Positiv merkt er an, dass Prevost trotz aller Ähnlichkeiten zu Franziskus – die Zugehörigkeit zu einem Orden, die Nähe zu den Armen und den Wunsch nach Frieden und Verständigung – nicht versucht habe, diesen zu kopieren, sondern ganz anders aufgetreten sei.

Rubriklistenbild: © Tiziana Fabi/AFP

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