- VonJürgen Menkeschließen
Die angekündigte Schließung von Rewe Dörholt hat gleichermaßen großes Bedauern wie tiefe Besorgnis in Bockum-Hövel ausgelöst. Die bange Frage lautet nun: Wie lange werden die Bockumer auf einen Nahversorger verzichten müssen, ehe die in Aussicht gestellte Nachfolge-Lösung greift?
Hamm – Ende November ist Schluss. Das hatte Rewe-Betreiber Christian Dörholt in der vergangenen Woche zur Überraschung vieler mitgeteilt. Am Standort müsse größer investiert werden, das wolle er anderen überlassen, erklärte der 59-Jährige. Rewe in Dortmund verhandelt nun mit dem Eigentümer der Immobilie über einen möglichen Neubau des Marktes. Wie und ob es weitergeht, bleibt somit erst einmal offen.
Einziger Anbieter in Bockum-West
Doch Fakt ist: Bis nach Abriss des Alt-Marktes ein Neubau an der Hammer Straße fertiggestellt ist, dürfte es dauern. Bezirksbürgermeister Klaus Jendreiek geht nach Gesprächen mit Beteiligten von rund einem Jahr Bauzeit aus. „Die Phase zwischen Schließung und Neueröffnung zu überbrücken, ist vor allem für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht einfach“, betont er.
Laut aktueller Fortschreibung des Einzelhandelsstandortkonzepts ist die Hammer Straße 9 der einzige Grundversorgungsstandort im Bereich Bockum-West – und erreicht mehr als 5.000 Einwohner. Ein Blick auf Hamms Stadtplan zeigt, dass alternative Einkaufsmöglichkeiten teils weit entfernt liegen. So sind’s zum Aldi-Markt „Am Dahlhof“ Luftlinie rund einen Kilometer, zum Rathaus-Center sowie zur Penny-Filiale an der Horster Straße sogar knapp 1,8 Kilometer.
Unterstützung von Nachbarn?
Jendreiek kann sich vorstellen, dass sich weniger mobile Menschen in Bockum ihre Lebensmittel demnächst häufiger liefern lassen oder sich vermehrt in den Bus setzen, um sich andernorts mit dem Nötigsten zu versorgen. Eine Lösung für die Zeit des Übergangs könnte auch eine verstärkte Nachbarschaftshilfe sein. „Dann werden die Einkaufslisten einfach ein bisschen länger.“
Es beruhige ihn, dass über eine Nachfolgeregelung am Standort verhandelt werde, unterstreicht Jendreiek. Die Schließung von Rewe Dörholt sei aber in jedem Fall „ein riesiger Verlust für Bockum“. Der Markt sei seit vielen Jahren eine der zentralen Anlaufstellen im Stadtteil – und auch ein Ort, wo man sich zufällig treffe und miteinander ins Gespräch komme.
„Stück Heimat verloren“
Das Bedauern über die Schließung scheint auch bei anderen im Bezirk groß zu sein. In den sozialen Medien etwa heißt es, dass sich Dörholt so wenig ersetzen lasse wie die Ende 2018 geschlossene Bäckerei Schütte an der Oberholsener Straße. Einmal ist von den „nettesten Verkäuferinnen und Kassiererinnen“ die Rede, die immer ein freundliches Wort auf den Lippen hätten, ein andermal davon, dass „wieder ein Stück Heimat“ verloren gehe. Häufiger ist zu lesen, dass Menschen auch aus anderen Stadtbezirken gezielt Bockum-Hövel ansteuern, um bei Dörholt den Einkauf zu erledigen. Gelobt wird dabei vor allem die Fleischtheke.
Derweil zeigt sich Christian Dörholt erleichtert, dass die Nachricht von der Schließung in der Welt ist – und vor allem, dass die Kunden diese „mit Verständnis aufgenommen“ hätten. „Ich wusste ja, dass es eine unpopuläre Entscheidung ist, das Geschäft zu schließen“, sagt er. Gleichwohl sei diese Entscheidung für ihn alternativlos gewesen. Wegen des hohen Investitionsbedarfs hätte er sich längerfristig binden müssen, das wollte er nicht mehr.
„Bis zum letzten Tag verkaufsfähig“
„Wir haben sehr, sehr viele Stammkunden“, erläutert Dörholt. Zugleich sei der Anteil derjenigen, die zu Fuß zum Einkaufen kämen, vergleichsweise hoch. „Ich schätze ihn auf über 60 Prozent“, so Dörholt. Auch deswegen sei ihm die Entscheidung zur Schließung nach fast 60 Jahren Unternehmensgeschichte sehr schwergefallen.
Seinen Rewe wolle er auf jeden Fall „bis zum letzten Tag verkaufsfähig halten“, kündigt Dörholt an. Will heißen: Es gibt keinen klassischen Abverkauf mit wachsenden Prozent-Nachlässen, sondern volle Regale bis zum Schluss, damit jeder gut versorgt bleibt. „Nur beim Fleisch dürfte es zum Ende hin Lücken geben. Die Frischware werde ich nicht zurückgeben können“, so Dörholt.
Lob für Mitarbeiter
Apropos Fleisch: Beim Einkauf greife er zumeist auf die üblichen Vertriebswege zurück, erläutert Dörholt. Dass die Nachfrage nach Schnitzel & Co. bei ihm so groß sei, habe wesentlich mit dem hauseigenen Fleischer zu tun, der die Ware auf besondere Art zu veredeln wisse. Überhaupt: Sein Team aus engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Team leiste hervorragende Arbeit und habe am Erfolg der zurückliegenden Jahre sehr großen Anteil, sagt Dörholt. Auch deshalb sei für ihn der Abend, an dem er das Ende des Rewe-Marktes habe verkünden müssen, „sehr emotional“ gewesen.