VonJohannes Spangardtschließen
Nach fast 60 Jahren ist es besiegelt: Das Aus von Rewe Dörholt an der Hammer Straße. Weil das Gebäude zu baufällig ist wurde der Vertrag nicht verlängert.
Bockum-Hövel – In einem halben Jahr ist Schluss: Am 30. November gehen im Rewe Dörholt Markt an der Hammer Straße endgültig die Lichter und die Kühltheken aus. Christian Dörholt, Inhaber von Rewe Dörholt in Hamm, schließt seinen Markt – und wird ihn auch nicht wieder öffnen. Was seit etwa einer Woche als Gerücht im Dorf kursiert, will der 59-jährige jetzt ins rechte Licht rücken.
Rewe Dörholt schließt nach fast 60 Jahren – 43 Mitarbeiter betroffen
Dafür müsse er etwas weiter ausholen, wie er gegenüber unserer Redaktion erklärt. Im Jahr 2000 übernahm er den Rewe-Markt von seinem Vater Ludger Dörholt, der das Gebäude von Fritz Portmann gepachtet hatte. Im selben Jahr erfolgte der Umbau auf die bis heute bestehenden 830 Quadratmeter. 2010 wurde der Getränkemarkt nebenan errichtet.
„Grundstück und Gebäude gehören Ulrich Krampe“, sagt Christian Dörholt. Für den Pächter bedeutet das also, dass er zwei Vermieter hat: Portmann für das Hauptgeschäft, Krampe für den Getränkemarkt.
Rewe Dörholt: Gebäude ist renovierungsbedürftig
Das Problem sei das Hauptgebäude, das bereits mehr 100 Jahre alt ist. „Wir haben ständig Wassereinbrüche, weil das Dach undicht ist“, berichtet der gelernte Handelsfachwirt, „und hinzu kommt, dass die Nebenräume und insbesondere die Kühlhäuser nicht mehr den heutigen Anforderungen eines Supermarktes entsprechen.“
Bereits vor drei Jahren sei er deswegen auf die Rewe Dortmund zugegangen und habe gemeinsam mit dem Konzern über eine Renovierung nachgedacht. Jedoch sei seitens Rewe von einer Renovierung im bestehenden Gebäude abgeraten worden, so Dörholt. Und so sei ihm – auch nach Gesprächen mit dem Vermieter – klar: Das Weiterführen des Betriebs ist unter diesen Bedingungen nicht möglich.
Verhandlungen laufen
Dörholt habe daraufhin den Kontakt zwischen der SPL Verwaltungs KG, deren Gesellschafter und Gründer Ulrich Krampe ist, dem Vermieter Portmann sowie der Rewe Dortmund eingespielt. „Portmann war bereit, Gebäude und Grundstück an Krampe zu veräußern, was dann auch vollzogen wurde“, berichtet Dörholt. Die Rewe Dortmund habe zudem eine Standortanalyse durchgeführt, die laut Dörholt positiv ausgefallen sei. „Der Standort ist für Rewe zukunftsträchtig. In die Bewertung ist natürlich auch das geplante Neubaugebiet Tarnowitzer Bogen mit eingeflossen. Aufgrund dieser positiven Analyse sind Rewe und Krampe in Verhandlungen getreten“, erklärt Dörholt.
Krampe habe laut Dörholt ein großes Interesse, dass die Nahversorgung in Bockum weiterhin gewährleistet werde. Allerdings beginne jetzt auch das Kapitel, in dem noch nichts konkret sei und es bisher nur Pläne gebe, betont Dörholt.
Am Standort von Rewe Dörholt: Pläne für Neubau
Geplant sei ein Neubau des Rewe-Marktes an gleicher Stelle. Dazu soll der alte Markt Anfang 2025 abgerissen und vermutlich noch im gleichen Jahr ein Neubau realisiert werden, so Dörholt.
Die Rewe Dortmund äußerte sich am Freitag auf Anfrage zwar zurückhaltend. Eine Sprecherin bestätigte, dass Dörholt den Mietvertrag nicht verlängert habe und „der Markt voraussichtlich zum Jahresende schließen“ werde. Und sie ließ auch durchblicken, dass die Rewe Dortmund „grundsätzlich Interesse“ daran habe, den Standort zu entwickeln. „In diesem Zusammenhang werden derzeit interne Gespräche mit allen Projektbeteiligten geführt.“
Die Entwicklung eines zukunftsfähigen Supermarktstandortes hänge von zahlreichen Faktoren ab. Konkreter wurde sie, was den Standort in Bockum betrifft, aber nicht. Wie der Neubau aussehen soll, ob er größer wird oder ob er mit dem Getränkemarkt verbunden wird – all dies ist aktuell nur Spekulation.
Rewe Dörholt: Das sagt die Stadt
Die Stadt Hamm bestätigte auf Anfrage, Kenntnis auf Anfrage von Neubau-Plänen zu haben. „Die Stadt hat ein erstes Gespräch mit dem neuen Eigentümer und dessen Architekten geführt. Ziel ist es, auf Grundlage des vorhandenen Planungsrechts die Entwicklung eines modernen Marktes an gleicher Stelle zu ermöglichen“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg.
„Die Zeit zwischen Aufgabe der alten und Aufnahme der neuen Nutzung soll auf ein Minimum reduziert werden.“ Denn auch die Stadt habe ein Interesse daran, die Nahversorgung im Ortsteil Bockum zu gewährleisten. Fest steht laut Dörholt bisher nur, dass der Getränkemarkt bestehen bleibt. Unklar ist hingegen, ob der Getränkemarkt für die Zeit des Abrisses und Neubaus geöffnet bleiben kann.
Schließung von Rewe Dörholt: 43 Mitarbeiter betroffen
Für die 43 Mitarbeiter, die Dörholt zurzeit beschäftigt, gibt es Veränderungen. Vor einer Woche fand eine Betriebsversammlung statt, auf der Dörholt seine Mitarbeiter über die Pläne in Kenntnis setzte. „Da wurde auch die ein oder andere Träne verdrückt, auch auf beiden Seiten, das sag ich ganz ehrlich“, berichtet Dörholt von diesem auch für ihn emotionalen Abend.
„Mit manchen Mitarbeitern arbeite ich zusammen, seit ich den Laden übernommen habe – das ist wie eine Familie.“ Begleitet wurde die Veranstaltung von zwei Mitarbeitern der Rewe Dortmund. „Ich werde alles dafür tun, dass niemand arbeitslos wird“, versprach Dörholt seinen Angestellten. Auch diesen Prozess will Rewe Dortmund unterstützend begleiten.
Nach Laden-Aus: Dörholts Zukunft offen
Es würde allen Mitarbeitern ein Angebot für umliegende Märkte gemacht – sofern gewünscht, hieß es vom Unternehmen. „Wir planen ein Treffen in Form von Speed-Dating mit anderen Kaufleuten aus der Umgebung“, sagte Dörholt. „Wir machen das, weil es mir absolut wichtig ist, dass es für jeden hier gut weitergeht.“
Wie es für ihn persönlich weitergeht, weiß Christian Dörholt noch nicht. Nächstes Jahr wird er 60 Jahre alt. Klar sei für ihn, dass er für den geplanten neuen Markt nicht zur Verfügung stehe, dazu müsste er sich langfristig an Rewe binden. Ein Angebot von Rewe liege ihm zwar vor – wie allen anderen Mitarbeitern auch. Was er stattdessen machen will, das habe er noch nicht entschieden.
Besuch im Restaurant: Immer mehr Gäste reservieren, kommen aber nicht. Das kritisierten kürzlich die Gastronomen in Hamm.

