Kommentar

Bundestagswahl 2025: Wenn Merz nicht liefert, bekommt Wüst in NRW ein Problem

  • schließen

Friedrich Merz wird wohl der nächste Kanzler. Für NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist das Bundestagswahl-Ergebnis nicht zwingend nur eine gute Nachricht. Ein Kommentar.

Hamm - „Mehr Sauerland für Deutschland.“ Schon vor viereinhalb Jahren konnte man das auf Pappschildern lesen – beim NRW-Tag der Jungen Union in Soest. Damals war Friedrich Merz weder Parteichef der CDU geschweige denn Kanzlerkandidat der Union. Gefeiert wurde er als Gastredner trotzdem. Dem eher konservativen Nachwuchs der Partei stand Merz schon immer näher als Angela Merkel. Jetzt wird Merz der nächste CDU-Kanzler aus Nordrhein-Westfalen. Für Parteifreund und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist das nicht zwingend nur eine gute Nachricht.

Wenn die Union die Bundesregierung führt, kann Wüst nicht mehr Richtung Berlin zeigen. Wüst müsste das machen, was die Opposition in Düsseldorf schon seit geraumer Zeit von ihm fordert: Verantwortung übernehmen, beispielsweise für die schwächelnde Wirtschaft in NRW oder hier gescheiterte Abschiebungen. Das Regieren unter einem Kanzler Friedrich Merz wird für Schwarz-Grün in NRW nicht einfacher. Und: Der Ausgang der Landtagswahl 2027 wird wie bei der Landtagswahl 2022 nicht zuletzt von der bundespolitischen Stimmungslage beeinflusst sein.

Kommentar zur Bundestagswahl: Wenn Merz nicht liefert, bekommt Wüst in NRW ein Problem

Eine weitere Lehre aus dem Ergebnis von Sonntag ist: Im Wüst-Lager sieht man sich bestätigt. „Mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat steckt die Union unter 30 Prozent fest.“ Dieser Satz eines Christdemokraten aus NRW hat sich bewahrheitet. Dass Umfragekönig Wüst lange Zeit als Kandidat für die Kanzlerkandidatur galt, hatte gute Gründe. Wüst hätte nie „von grünen und linken Spinnern“ gesprochen – so wie Merz am Samstag.

Alexander Schäfer ist NRW-Landeskorrespondent.

Schlechte Stimmung herrscht bei der SPD in NRW. Es war der ohnmächtige Landesverband, der vergeblich versucht hatte, Scholz zu stürzen. Die Quittung haben die Sozialdemokraten am Sonntag bekommen. Ob die Genossen bis zu den Kommunalwahlen im Herbst wieder für die Wähler attraktiv werden? Stand heute unwahrscheinlich.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Kommentare