VonJohanna Werningschließen
Den Auto-Konzern Audi verbinden die meisten wohl mit Bayern. Doch die Anfänge machte Audi-Gründer August Horch in Köln. Noch heute erinnert eine Tafel in Ehrenfeld daran.
Köln – Täglich laufen unzählige Kölnerinnen und Kölner an der Sparkassen-Filiale an der Venloer Straße 293 in Köln-Ehrenfeld vorbei. Doch die goldene Plakette direkt über dem Geldautomaten nehmen dabei wohl nur die wenigsten wahr. Immerhin ist sie nicht unbedingt auf Augenhöhe. Im direkten Umfeld finden sich außerdem unzählige ablenkende Schaufenster und Restaurants mit gemütlichen Sitzgelegenheiten. Dabei erzählt die goldene Gedenktafel ein Stück Automobil-Geschichte, die wohl selbst eingefleischte Autofans nicht unbedingt kennen.
In Köln-Ehrenfeld hat der Auto-Gigant Audi seine Anfänge genommen – allerdings mit anderem Namen
Wo sich heute gegenüber der Kirche St. Joseph eine Sparkasse befindet, gab es vor rund 125 Jahren einen Pferdestall – und dort begann tatsächlich die Audi-Geschichte. Heute sitzt der Auto-Gigant in Ingolstadt in Bayern, doch die Anfänge machte Gründer August Horch als Automobilhersteller in Ehrenfeld (Stadtbezirk Köln-Ehrenfeld).
Und genau daraufhin weist die goldene Plakette hin: „Hier begann der Automobilpionier August Horch (1868 - 1951), Gründer der Marken Horch und Audi, am 14. November 1899 mit der Entwicklung und Herstellung seiner Automobile“, steht auf der Gedenktafel. Denn hier wurde das erste Auto von dem späteren Audi-Gründer gebaut. Damals allerdings noch unter dem Namen Horch.
Audi-Gründer August Horch führte in Köln-Ehrenfeld seine erste Probefahrt durch
Geboren ist August Horch am 12. Oktober 1868 in Winningen (Rheinland-Pfalz). Als 13-Jähriger erlernte er in der Schmiede seines Vaters das Schmiedehandwerk – und baute sein erstes Fortbewegungsmittel: ein dreirädriges Hochrad. Als 20-Jähriger studierte er dann am Technikum Mittweida (Sachsen). Danach arbeitete er von 1891 bis 1899 zunächst als Maschinenbauingenieur in Rostock und Leipzig und später als Abteilungsleiter im Motorwagenbau bei Carl Benz in Mannheim.
1899 kam es dann zu Streit zwischen Benz und Horch. Denn der 30-jährige Horch wollte immer schnellere Autos bauen, Benz hingegen soll damals der Meinung gewesen sein, dass Autos grundsätzlich nicht schneller als 18 km/h sein sollten – so jedenfalls die Legende. Klar ist jedenfalls: Am 14. November macht sich Horch als 31-Jähriger selbstständig – in einem ehemaligen Pferdestall mitten auf der Venloer Straße.
In der „Reparaturwerkstatt für Motorfahrzeuge und Maschinen aller Art August Horch & Cie“ entwickelt der Automobil-Pionier sein erstes eigenes Auto. Mit Erfolg: Im Winter 1900/1901 macht er die erste Probefahrt durch Köln-Ehrenfeld. Nur wenige Kilometer weiter wurde auch deutsche Fluggeschichte geschrieben: Der ehemalige Flughafen Butzweilerhof galt einst als „Luftkreuz des Westens“.
Von Köln-Ehrenfeld in die ganze Welt: So ging es mit Audi-Gründer August Horch weiter
Allerdings blieb Horch mit seinen Fahrzeugen nicht lange in NRW. 1902 zog das Unternehmen nach Sachsen. Erst nach Reichenbach und 1904 nach Zwickau, wo die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Nach Differenzen mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat verließ August Horch jedoch 1909 das Unternehmen und gründete einen neuen Betrieb, der ebenfalls Automobile bauen sollte.
Das Problem: Den Namen Horch durfte er für Firmenzwecke nicht mehr nutzen. Die Lösung: die lateinische Übersetzung von „horch“ – nämlich „audi“. Nur fünf Jahre nach Unternehmensgründung wurden die Audi Automobilwerke in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und die Erfolgsgeschichte der Autos mit den vier Ringe ging weiter. Horch ist am 3. Februar 1951 in Münchberg, Oberfranken, gestorben. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
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