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Einst „Luftkreuz des Westens“, heute Spielplatz: Das ist der Flughafen Köln-Butzweilerhof

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Der Flughafen Köln-Butzweilerhof wurde vor über 100 Jahren eröffnet. Zeitweise zählte er zu den größten Airports in Europa. Heute ist es ein Wohn- und Gewerbegebiet.

Köln – Der Flughafen Köln/Bonn ist einer der größten Flughäfen in NRW und Deutschland. Beinahe im Minutentakt heben hier Flugzeuge in alle Himmelsrichtungen ab. Auch ein Spaceshuttle landete schon einmal am Flughafen Köln/Bonn. Doch neben dem Flughafen auf der sogenannten Schäl Sick von Köln hatte die Domstadt lange Zeit einen zweiten Flughafen. Der Flughafen Köln-Butzweilerhof galt damals sogar als das „Luftkreuz des Westens“.

Das ist der Flughafen Köln-Butzweilerhof

► Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in Köln-Ossendorf eine Fliegerstation. 1912 wurde der Grundstein für den Flughafen Köln-Butzweilerhof gelegt.

► Aus einer Fliegerstation wurde im Laufe der Zeit ein internationaler Flughafen und dann wieder eine Kaserne. 

► Doch heute ist das ehemalige Flughafen-Gelände ein Gewerbe- und Wohngebiet geworden. Das ehemalige Rollfeld ist nun ein Spielplatz.

Flughafen Köln-Butzweilerhof: 1912 als Militärflughafen geplant

„Luftkreuz des Westens“: So sah der Flughafen Butzweilerhof in Köln früher aus

Eine Luftaufnahme des Flughafens Köln-Butzweilerhof aus dem Jahr 1920er.
Heute ist der Butzweilerhof in Köln für seinen Ikea-Standort oder das riesige Industriegebiet bekannt, doch wo heute das schwedische Möbelhaus steht, gab es einst einen der größten Flughäfen Deutschlands (Foto aus den 1920er-Jahren). © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Ein Foto aus den 1910er-Jahren zeigt die damalige Fliegerstation „Cöln Butzweilerhof“.
Bereits 1913 eröffnete in Köln mit der Fliegerstation „Cöln Butzweilerhof“ eine der bekanntesten Fliegerstationen Preußens. Allerdings nicht für lang: Denn aufgrund des Ersten Weltkriegs wurde der Flughafen anschließend von britischen Truppen genutzt. © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Ein Bild aus dem Jahr 1936 zeigt die Rollbahn vom Flughafen Köln-Butzweilerhof.
Das britische Militär baute den Flughafen weiter aus. Bereits 1922 nahm die britische Instone Air Line den ersten kommerziellen, zivilen und regelmäßigen Flugbetrieb auf. Mit dem Flugzeug Vickers 66 Vimy Commercial „City of London“ ging es von London über Brüssel nach Köln. Der Flugpreis für Hin- und Rückflug betrugt 10 Pfund. (Foto aus dem Jahr 1936). © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
In der Flughalle stehen mehrere Flugzeuge.
1926 zogen die britischen Truppen schließlich ab – und die Stadt Köln braute die Fliegerstation Butzweilerhof nach und nach zum zivilen Flughafen Köln-Butzweilerhof kurz aus. Mit Erfolg: Schon bald war der „Butz“ ein internationaler Flughafen.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Ein Flugzeug steht vor der Flughalle des Flughafens Köln-Butzweilerhof.
1930 landeten hier bereits mehr als 50 Maschinen pro Tag. Auch die Lufthansa bot hier Flüge – beispielsweise nach Paris – an. Wodurch der Kölner Flughafen schnell den Spitznamen „Luftkreuz des Westens“ bekam.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Eine Nachtaufnahme aus den 1930er-Jahren vom Flughafen Köln-Butzweilerhof.
Auch die ersten Nachtflüge fanden bereits in dieser Zeit statt.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ landete 1930 am Flughafen Köln-Butzweilerhof.
Nicht nur internationale Flüge starteten und landeten hier. Anlässlich des Rheinlandbefreiungsflugs am 4. und 5. Juli 1930 landeten das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ und die Junkers G 37 D-2000, damals das größte Passagierflugzeug der Welt, auf dem Butzweilerhof. An beiden Tagen kamen circa 180.000 Besucherinnen und Besucher zum Flughafen.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Flugzeuge stehen vor der Flughafen Köln-Butzweilerhof.
Aufgrund des enormen Flugbetriebs ist der alte Flughafen schnell zu klein geworden und musste ausgebaut werden. Immerhin entstand das „Luftkreuz des Westens“ mehr oder weniger als Provisorium aus einer militärischen Fliegerstation, wie das Luftfahrtarchiv Köln erklärt.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Die 1936 eröffnete Empfangshalle vom Flughafen Köln-Butzweilerhof.
1936 wurde die 250 Meter lange Flughafen-Empfangshalle nach nur einem Jahr Bauzeit eröffnet. „Auf der Schwelle zwischen Gründerzeit und Bauhaus entstand der schlichte, dennoch monumentale Bau mit einer repräsentativen Empfangshalle mit angebundener Gepäck- und Zollabfertigung“, so die Stadt Köln. Es gab sogar ein Rohrpostsystem.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Das Flughafen-Café am Flughafen Köln-Butzweilerhof.
Neben der Flughafenhalle gab es ein Café – mit direktem Blick auf die Rollbahn.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Soldaten der deutschen Luftwaffe stehen vor dem Flughafen Köln-Butzweiler
Doch lange konnte der zivile Flugbetrieb am „Butz“ trotz Neubau nicht laufen. Gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der nördliche Teil des Geländes von der Luftwaffe belegt.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Soldaten stehen vor einem Flugzeug am Flughafen Köln-Butzweilerhof
Auch nach 1945 wurde der Flughafen von NATO-Truppen weiterhin als Militär-Flughafen genutzt.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Der Tower der Sportflieger am Flughafen Butzweilerhof in Köln.
In den 1980er-Jahren war der Flughafen Butzweilerhof auch eine beliebte Anlaufstelle für Segelflieger. Doch nachdem die Nato-Truppen den Standort 1995 verlassen hatten, war auch für die Sportflieger Schluss – und das Ende für den Flughafen Butzweilerhof besiegelt.  © Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Die Empfangshalle des Flughafen Köln-Butzweilerhof.
Heute ist von dem riesigen Flughafen Butzweilerhof nur noch wenig zu sehen. Aus dem einstigen „Luftkreuz des Westens“ ist ein Gewerbegebiet geworden – samt unzähligen Mehrfamilienhäusern. Auf dem alten Rollfeld steht jetzt ein Spielplatz. Und in der denkmalgeschützten Empfangshalle des Flughafens Köln-Butzweilerhof kann heute geheiratet werden. © Panthermedia/Imago

Vor über 100 Jahren wurden die Grundsteine für den Flughafen Butzweilerhof in Köln-Ossendorf (Stadtbezirk Köln-Ehrenfeld) gelegt – damals allerdings noch als Militär-Fliegerstation. Unter anderem entstanden ab 1912 am Butzweilerhof zwei Flugzeughallen, eine Werft und mehrere Tankanlagen.

Am 1. April 1913 traf dann die 1. Kompanie des Flieger-Bataillons 3 auf dem neu errichteten Kölner Flugplatz Butzweilerhof ein und die Fliegerstation „Cöln Butzweilerhof“ nahm ihren Dienst auf. Allerdings nicht für lang: Denn aufgrund des Ersten Weltkriegs wurde der Flughafen anschließend von britischen Truppen genutzt.

Flughafen Köln-Butzweilerhof: Vom Militärflughafen zum „Luftkreuz des Westens“

Der Flughafen Köln-Butzweilerhof hatte in den 1930er-Jahren den Spitznamen „Luftkreuz des Westens“ (Archivbild).

Damit begann auch die Zeit des zivilen Flughafens in Köln: 1922 nahm die britische Instone Air Line den ersten kommerziellen, zivilen und regelmäßigen Flugbetrieb auf. Mit dem Flugzeug Vickers 66 Vimy Commercial „City of London“ ging es von London über Brüssel nach Köln. Der Flugpreis für Hin- und Rückflug betrugt 10 Pfund, so das Luftfahrtarchiv Köln.

1926 zogen die britischen Truppen schließlich ab – und die Stadt Köln braute die Fliegerstation Butzweilerhof nach und nach zum zivilen Flughafen „Butz“ aus. Mit Erfolg: Schon bald war der Flughafen Köln-Butzweilerhof ein internationaler Flughafen. Nur vier Jahre später fanden auch die ersten Nachtflüge statt.

Nach Berlin-Tempelhof war der Flughafen Butzweilerhof damit der bedeutendste Flughafen Westeuropas und bekam schon bald den Spitznamen „Luftkreuz des Westens“. 1930 landeten hier bereits mehr als 50 Maschinen pro Tag. Auch die Lufthansa bot hier Flüge – beispielsweise nach Paris – an.

Darum musste der Kölner Flughafen auch immer weiter ausgebaut werden. 1936 wurde schließlich die 250 Meter lange Flughafen-Empfangshalle nach Entwurf des Architekten Hans Mehrtens mit einem Festakt eröffnet. „Auf der Schwelle zwischen Gründerzeit und Bauhaus entstand der schlichte, dennoch monumentale Bau mit einer repräsentativen Empfangshalle mit angebundener Gepäck- und Zollabfertigung“, so die Stadt Köln. Mittlerweile steht das Gebäude sogar unter Denkmalschutz.

Köln: Alter Flughafen ist heute Wohngebiet – und das Rollfeld wurde zum Spielplatz

Doch der Erfolg des zivilen Flughafens Butzweilerhof war nicht von Dauer: Gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden alle Gebäude von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt und nachfolgend militärisch genutzt. Auch nach 1945 wurde der Flughafen von NATO-Truppen weiterhin als Militär-Flughafen genutzt. Dabei galt der „Butz“ allerdings auch beliebter Flughafen bei Segelfliegern. Bis 1995. Dann verließen die Truppen den alten Flughafen.

Heute ist von dem riesigen Flughafen Butzweilerhof nur noch wenig zu sehen, obwohl es sogar die KVB-Haltestelle „Alter Flughafen Butzweilerhof“ gibt, die von der KVB-Linie 5 angefahren wird. Aus dem einstigen „Luftkreuz des Westens“ ist ein Gewerbegebiet entstanden. Rundherum unzählige Mehrfamilienhäuser. Und auf dem alten Rollfeld steht jetzt ein Spielplatz.

Vom Flughafen Köln-Butzweilerhof ist heute nicht mehr viel übrig

Nachdem Ende der 1990er-Jahre Festivals und Konzerte auf dem Flughafen-Gelände abgehalten worden sind, wurden Anfang der 2000er-Jahre die meisten Gebäude abgerissen – das letzte 2011. Lediglich die denkmalgeschützten Gebäude wie beispielsweise die Empfangshalle, die Flugzeughalle oder der viergeschossige Kontrollturm.

In der denkmalgeschützten Empfangshalle des Flughafens Köln-Butzweilerhof kann heute geheiratet werden.

Vom ursprünglichen Kölner Flughafen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist mittlerweile gar nichts mehr vorhanden. Stattdessen steht hier nun die IKEA-Filiale „Butzweilerhof“. „Interessant ist aber, dass nach all den Jahren die Haupteinfahrt zu IKEA an der selben Stelle liegt wie die Einfahrt zum alten Flughafen“, so das Luftfahrtarchiv Köln.

Ein Großteil des ehemaligen Flughafen-Geländes aus den 1930er-Jahren ist zur Motorworld Köln geworden. Im Bereich der früheren Hangars wurden dazu unter anderem drei Gastronomiebetriebe, ein Hotel, Konferenz- und Tagungsräume sowie eine Ausstellung zu dem siebenmaligen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher eingerichtet. In der alten Empfangshalle können sogar Hochzeiten stattfinden. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Andreas Haas / Imago

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