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Auto an Auto auf der Fahrradspur: In Essen sind Radfahrer sauer auf Autofahrer und Verwaltung. Einer sagt: „Da ist jeden Tag Krieg“. Andere reagieren mit Spott.
Essen - Die Stadt Essen ist aktuell der Darling einiger Reiseportale. In einem Ranking der angesagtesten deutschen Reiseziele für 2025 belegt es zur Verwunderung vieler den ersten Platz. Angeblich gibt es in Essen auch den schönsten Weihnachtsmarkt von Deutschland. Die Radfahrer der Ruhr-Metropole sind derzeit weniger gut auf ihre Stadt und deren Verwaltung zu sprechen. Die wird nach einer „Verkehrsoptimierung“ in der Innenstadt mit Spott und Häme überzogen. „Da ist jeden Tag Krieg“, schreibt ein User auf Reddit.
Auto an Auto mitten auf dem Radweg: „Da ist jeden Tag Krieg“
Bis vor kurzem war es Autofahrern auf der zentralen Huyssenallee erlaubt, weiter geradeaus in Richtung Süden in die beliebte Rüttenscheider Straße zu fahren. Das ist nicht mehr so. Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss jetzt eine der beiden Spuren nach links in die Hohenzollernstraße nehmen oder die eine nach rechts in die Friedrichstraße.
Aus der Geradeaus-Spur wurde kürzlich eine Fahrradspur - bestens zu erkennen am fetten weißen Rad-Symbol auf rotem Untergrund. Nur wer mit Rad fährt, darf weiterhin in die Rüttenscheider Straße. So steht es auch rechts auf dem Verkehrsschild. Das Dumme: Wenige Autofahrer halten sich daran.
Ein Foto auf Reddit zeigt unter der sarkastischen Überschrift „Radfahren im Ruhrgebiet - Symbolbild“, wie mehrere Autos mitten auf der breiten, roten Fahrradspur vor der Ampel warten - offenbar, um unerlaubterweise doch geradeaus nach Rüttenscheid zu fahren. Für Radfahrer, das wird beim Anblick des Bildes sofort klar, gibt es hier ein Durchkommen bestenfalls im Slalom-Modus.
Wut und Spott im Netz wegen Verkehrskonzept in Essen
„Diese Kreuzung ist so lächerliche Symbolpolitik“, kommentiert ein User, der hier nach eigener Aussage ständig im Autostau stehe. „Allen ist klar, dass sich Autofahrer nicht an die Fahrradstraße Rü (beginnt hinter der Kreuzung) halten werden. Weil der OB und die Geschäfte dort das aber auch gar nicht wollen, wird jetzt etwas Farbe verteilt, aber nur so, dass die Autos weiter geradeaus fahren können.“ Seine Forderung: „Da gehören ein paar Poller zum Abbiege-Zwang hin, wie an jede Kreuzung jeder Fahrradstraße…“
Er ist nicht der einzige, der seinem Frust Ausdruck verleiht. „Als Radfahrer im Autostau zu stehen ist echt die Spitze der verpackten Verkehrspolitik“, schreibt ein Nutzer. „Da ist jeden Tag Krieg zwischen Autofahrer und Radfahrern“, sagt ein anderer: „Schlimmer als jedes RTL-Format.“
Aber wehe, wenn ein Radfahrer nicht auf dem Radweg fährt...
Einige der Kommentatoren flüchten sich in Sarkasmus: „Das ist doch der rote Teppich für die Autofahrer, oder?“, fragt ein Reddit-Nutzer mit Blick auf die rote Fahrradspur vorgeblich arglos. Ein anderer zielt mit seinem Kurzkommentar „Radwegkonzept 404“ - in Anlehnung an den Fehlercode im Internet - auf die Entscheider in Essen. Für die hat ein weiter Reddit-User einen Vorschlag: „Hier könnte die Stadt ihren Haushalt an einem Tag sanieren. Will sie aber nicht.“
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Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa
