VonMaximilian Gangschließen
Oliver Schmitzschließen
In Essen ist es Freitagnacht zu einer Massenschlägerei gekommen. Die Polizei spricht von möglicher Clankriminalität und einem Zusammenhang mit Castrop-Rauxel.
Update vom 19. Juni, 7:07 Uhr: Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Essen und Castrop-Rauxel hat der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Manuel Ostermann, vor einem „Kipp-Punkt“ in der Eskalation zwischen Großfamilien gewarnt: Angesichts der massiven Ausschreitungen mit immer mehr gewaltbereiten Männern müsse man feststellen, „dass wir jetzt an einem bedrohlichen Kipp-Punkt kommen“, so der 32-Jährige gegenüber der Bild.
Ostermann sagte weiter: „Es geht ganz offensichtlich um die Vorherrschaft auf der Straße, da werden auch billigend Tote in Kauf genommen“. Politik und Behörden müssten das Versprechen erfüllen, dass „Deutschland den friedliebenden Bürgern gehört und nicht rechtsstaatsverachtenden Kriminellen“. Es gebe in Deutschland „kein Platz für Gewalteskalationen“.
Auch NRW-Innenminister Herbert Reul schlug Alarm: „Es ist nicht hinnehmbar, wenn sich Männerhorden zusammenrotten und teils sogar bewaffnen, um andere einzuschüchtern oder anzugreifen“, so der CDU-Politiker. Die Polizei müsse klarmachen, dass in Deutschland das Recht des Staates gelte „und nicht das Recht der Familie“. Hundert Identitäten seien am Wochenende deshalb von den Einsatzkräften festgestellt worden. Zudem seien Waffen beschlagnahmt und Platzverweise ausgesprochen worden, so Reul.
Massenschlägerei in Essener Innenstadt eskaliert: Polizei mit Kräften vor Ort
Update vom 18. Juni, 11:04 Uhr: Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen größeren Personengruppen in Essen und Castrop-Rauxel zeigt die Polizei in beiden Städten weiter erhöhte Präsenz. In der Nacht zum Sonntag sei die Lage ruhig geblieben, sagten Polizeisprecher in Essen und Recklinghausen. Die Polizei prüft weiter, ob es Zusammenhänge zwischen den Konfrontationen in den beiden rund 30 Kilometer entfernt liegenden Ruhrgebietsstädten gibt.
Das ist passiert: Bei Schlägereien in Essen waren am späten Freitagabend in der Innenstadt mehrere Menschen, unter anderem zwei Polizeibeamte, verletzt worden. Es habe sich um gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen größeren Personengruppen „an wechselnden Örtlichkeiten“ gehandelt, teilte die Essener Polizei mit. Die Polizei schritt mit starken Kräften, unterstützt von einem Hubschrauber und Diensthunden ein. Die Identitäten von mehr als 100 Menschen wurden festgestellt. Zudem wurden Hieb- und Stichwaffen wie Baseballschläger, Dachlatten und Messer sichergestellt.
- Seit Freitagabend sei die Polizei „mit einer Vielzahl von Einsatzkräften sichtbar im Stadtgebiet unterwegs“, hieß es weiter. Auch am Samstag seien immer wieder größere Personengruppen an unterschiedlichen Orten angetroffen und überprüft worden. Dabei wurden Messer und Schlagwerkzeuge sichergestellt.
- Auch in Castrop-Rauxel waren nach Angaben eines Polizeisprechers am Samstag tagsüber noch Gruppen unterwegs. Nachts sei es ruhig geblieben. Die erhöhte Präsenz der Polizei werde fortgeführt. Als Auslöser für die Streitigkeiten wird ein Streit unter Großfamilien vermutet. Nach ersten Ermittlungen sei der Grund im zwischenmenschlichen Bereich zu finden, hatte der zuständige Oberstaatsanwalt Carsten Dombert am Freitag gesagt.
Zeugenaufruf: Die Polizei bittet, „Anwohner und Zeugen, sich umgehend beim Notruf der Polizei zu melden, wenn sich plötzlich Personen oder Gruppen zusammenrotten und eine emotional aufgebrachte Stimmung wahrnehmbar ist.“ Zudem suchen die zuständigen Ermittler dringend Zeugen und entsprechendes Foto- und Videomaterial.
Die Polizei Essen hat hierzu ein Hinweisportal geschaltet, auf dem Aufnahmen (auch anonym) unkompliziert hochgeladen werden können. „Sie können sich auch jederzeit unter der 0201/829-0 telefonisch bei uns melden“, heißt es von der Polizei weiter.
Nach Massenschlägerei in Essen: Hinweisportal der Polizei – so funktioniert es
► Gehen Sie auf das Hinweisportal und wählen unter dem Text „Hinweis geben“ „weiter“ aus.
► Als Ereignis wählen Sie dann „Gewalttätige Auseinandersetzung in der Essener Innenstadt“.
► In dem selbsterklärenden Formular können Sie Ihre Videodateien hochladen.
Clankriminalität vermutet: Massenschlägerei in Essener Innenstadt eskaliert
Update vom 17. Juni, 11:51 Uhr: Nach der Massenschlägerei in der Essener Innenstadt sind erste Details zum Hintergrund bekannt. Bei dem Konflikt gehe es wahrscheinlich um einen „Konflikt im Bereich der Clankriminalität“, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen-Prese-Agentur (dpa).
Bei dem Vorfall am späten Freitagabend sind laut Polizeiangaben „mehrere Beteiligte und zwei Polizisten verletzt worden“. Wie viele Verletzte es genau gab, sei noch unklar. An der Schlägerei waren wohl mindestens 80 Personen beteiligt. Die Polizei sei mit bis weit nach Mitternacht, mit einem „größeren Aufgebot“ und einem Hubschrauber im Einsatz gewesen.
Eisenstangen und Messer nach Massenschlägerei in Essen gefunden
Ausgangspunkt der Massenschlägerei war wohl ein Restaurant in der Essener Innenstadt. Dort sei es gegen 21:30 Uhr zu einer der Auseinandersetzung gekommen. Neben den Beteiligten kamen wohl schnell mehrere „Schaulustige“ hinzu, weshalb letztlich zuletzt 113 Personen vor Ort gewesen seien. Später wurden dort Eisenstangen und Messer gefunden.
Derzeit laufen laut Polizeiangaben „Aufklärungsmaßnahmen“, um zu erkunden, ob es am Samstag zu einer weiteren Auseinandersetzung kommen könnte, sagte ein Polizeisprecher. Derzeit wird weiterhin geprüft, ob der Vorfall mit der Massenschlägerei in Castrop-Rauxel zusammenhängt. Die Polizeistellen in beiden Städten seien „in einem engen Austausch“, sagte ein Sprecher der Polizei Recklinghausen am Samstag der dpa.
Nach Castrop-Rauxel: Massenschlägerei in Essener Innenstadt eskaliert
Erstmeldung vom 17. Juni, 10:53 Uhr: Essen – In der Nacht von Freitag (16. Juni) auf Samstag (17. Juni) musste die Polizei in Essen zu einem Großeinsatz ausrücken. Im Innenstadtbereich waren hunderte Menschen aus mehreren Gruppen aneinandergeraten, teilte eine Polizeisprecherin mit. Es kam zu einer regelrechten Massenschlägerei. Womöglich war der Vorfall Teil eines größeren Streits, denn es wird ein Zusammenhang mit der Massenschlägerei in Castrop-Rauxel vermutet.
Massenschlägerei in Essen: Großes Chaos rund um Limbecker Platz
Auch am Samstagmorgen ist die Lage in Essen noch unklar. Wie DER WESTEN berichtet, gab es die erste Auseinandersetzung wohl gegen 22 Uhr am Limbecker Platz. Danach verteilte sich das Geschehen auf mehrere Straßen in der Gegend. Laut Polizei gibt es noch keine Informationen zu den genauen Hintergründen der Massenschlägerei. Dutzende Polizisten rückten an, um die Lage zu beruhigen, sogar ein Helikopter war im Einsatz.
„Wir sprechen vorerst von mehreren hundert Menschen“, sagte eine Polizeisprecherin gegenüber dem WDR. „Es ist aber noch unmöglich, zu sagen, wer wirklich absichtlich beteiligt und wer nur zufällig dazwischen geraten ist. An einem Freitagabend ist schließlich auch das ganz normale Party-Volk unterwegs.“ Verletzte gab es aber offenbar keine.
Anfang eines Clan-Kriegs? Massenschlägereien in Essen und Caustrop-Rauxel hängen wohl zusammen
Lediglich eine Sache scheint sich abzuzeichnen: Ursache der Massenschlägerei in Essen war wohl die vorherige Auseinandersetzung in Castrop-Rauxel. „Es gibt Hinweise darauf, dass es zwischen beiden Vorfällen einen Zusammenhang gibt“, sagte eine Polizeisprecherin dem WDR. Jedoch ließe sich das aktuell noch nicht sicher bestätigen.
In Castrop-Rauxel waren am Donnerstagabend (15. Juni) über 50 Menschen zweier verfeindeter Großfamilien aufeinander losgegangen. Es kamen Baseballschläger, Eisenstangen und Messer zum Einsatz. Dabei wurden mindestens sieben Menschen teils schwer verletzt, eine Person erlitt eine Stichwunde im Bauch und wurde notoperiert. Lebensgefahr besteht seitdem aber nicht mehr. (os mit dpa)
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