Kleine Lösung anfangs im Mesestift

Familienrathaus in Hamm soll 2023 starten - Einmalig in Deutschland

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Hamm soll bekanntlich die familienfreundlichste Stadt Deutschlands werden. Das betont Oberbürgermeister Marc Herter immer wieder. In dem Zuge ist ein neues Familienrathaus geplant, in dem alle Angebote und Leistungen für Familien gebündelt werden sollen.

Hamm – (Junge) Eltern sollen sich in Hamm nicht mehr mühsam durch das Rathaus quälen müssen auf der Suche nach den richtigen Ansprechpartnern und Formularen. Weil die Realisierung eines komplett neuen Rathauses – womöglich als Neubau und mit vielfältiger Angebotsstruktur – zeitnah nicht möglich sei, soll noch im Laufe des Jahres als erster Schritt das Familienrathaus.Start. eröffnen. Im Mesestift am Caldenhofer Weg sollen dafür Räumlichkeiten hergerichtet werden.

„Wir wollen sichtbarer werden für die Familien. Sie sollen wiederum spüren, dass sich etwas verbessert – und daran mitwirken können“, erklärte Herter bei der Vorstellung der Pläne. Seit Jahr und Tag kümmere man sich um die heimische Wirtschaft und versuche, alle Vorgänge an einer Anlaufstelle zu bündeln. Eben das soll jetzt auch für Familien gelingen.

Den Familien seien verlässliche und schnelle Beratungen, eine einladende Atmosphäre sowie kurze Wege wichtig. Am Ende solle außerdem so viel Bürokratie wie nötig, aber so wenig wie möglich übrig bleiben. Schließlich hätten junge Familien viele andere Dinge im Kopf als Behördengänge. Deshalb sollen alle Leistungen auch online verfügbar gemacht werden – im Rahmen des digitalen Familienrathauses.

Hier befindet sich die Anlaufstelle: OB Marc Herter und die weiteren Projektbeteiligten stellten das Familienrathaus.Start. am Donnerstag vor dem Mesestift vor.

Familienrathaus Hamm: Erste 35 Mitarbeiter ziehen um

Hilfe für die Re-Organisation hat sich die Stadt bei Prof. Dr. Jörg Bogumil geholt. Er ist einer von Deutschlands führenden Politik- und Verwaltungswissenschaftlern. Er forscht unter anderem zur Modernisierung von Verwaltung und zum Thema Bürgernähe. In Hamm fungiert Bogumil als externer Gutachter. „Das ist ein wirklich neuer Ansatz, den besonderen Fokus auf die Familien zu legen. In diesem Ausmaß gibt es keine andere Stadt in Deutschland, die das so macht. Das hat Modellcharakter“, erklärte Bogumil am Donnerstag. Er hat sich in den zurückliegenden Monaten vor allem mit der Frage befasst, welche Leistungen und Angebote sinnvollerweise aus der bisherigen Verwaltungsstruktur ins neue Familienrathaus umgegliedert werden können.

Im Familienrathaus.Start. sollen zunächst 35 Mitarbeiter arbeiten. Sie kommen zum Beispiel aus dem Standes- oder Jugendamt und ziehen in den kommenden Monaten in das zuvor noch zu renovierende Mesestift am Caldenhofer Weg 10 um. Dort sollen neben den Arbeitsplätzen für die Mitarbeiter ein attraktiver und familienfreundlicher Eingangs- und Empfangsbereich mit einer Theke, einem Terminal für die eigenständige Information, ein Warte- und Spielbereich, Wickel- und Stillmöglichkeiten und ein abgetrennter Beratungsbereich für persönliche Gespräche entstehen. Für Menschen mit Migrationshintergrund oder Flüchtlinge sollen auch Möglichkeiten des Dolmetschens vorgehalten werden.

Familienrathaus Hamm: Bis zu vier Jahre bis zur fertigen Lösung

Bis das eigentliche Familienrathaus an den Start geht, dürfte es noch einige Jahre dauern. „Drei bis vier Jahre braucht es noch bis zur fertigen Lösung“, schätzte Bogumil am Donnerstag. Langfristig sollen rund 95 Verwaltungsmitarbeiter im Familienrathaus arbeiten. Hinzu kommen Mitarbeiter der Familienkasse, des Kommunalen Jobcenters und anderer Einrichtungen, sodass sich in der finalen Ausgestaltung wohl rund 150 Kräfte zentral um die Belange von Familien kümmern werden.

Wo genau das eigentliche Familienrathaus entstehen wird, ist noch nicht entschieden. „Da sind wir offen. Finden wir eine passende Immobilie in zentraler Lage oder wird neu gebaut? Das wird zu einem späteren Zeitpunkt geklärt“, so Herter. Ohnehin gebe es in den Verwaltungsbauten in Hamm eine riesige Überbelegung. Deshalb seien etliche Mitarbeiter über die Stadt verteilt untergebracht. „Durch den Umzug vieler Mitarbeiter ins Familienrathaus werden Kapazitäten frei, sodass die Möglichkeit da ist, wieder zurück in den Verwaltungsraum zu kommen.“ Das sei ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Planungen. Herter: „Wenn mit Verwaltungslaufbahn gemeint ist, ewige Wege in der Stadt zurückzulegen, dann ist das nicht Sinn der Sache.“

Familienrathaus Hamm: das sind die Gesamtbaukosten

Auch für die Familien soll sich der Besuch im Familienrathaus.Start. und später im Familienrathaus auszahlen – auch im wörtlichen Sinne. „Wir haben über das Bildungs- und Teilhabepaket rund 100 Millionen Euro, die wir hier vergeben können. Und wir sind stolz wie Bolle, dass wir davon 60 Millionen auch ausgeben. Die anderen 40 Millionen Euro geben wir nicht nicht aus, weil wir einen Igel in der Tasche haben, sondern weil die Familien nicht kommen“, so Herter.

Die Schwellen sollen mit der zentralen und möglichst offenen und sichtbaren Anlaufstelle so heruntergedrückt werden, dass die Familien zu ihrem Recht kommen. „Es ist ein Luxusproblem, dass wir junge Familien in der Stadt haben und hier viele Kinder geboren werden. Da müssen wir aber mehr draus machen. Dringend“, betonte Herter.

Die Gesamtbaukosten für das Familienrathaus.Start. sind mit 590.000 Euro beziffert. Der Rat soll über die Vorlage in seiner Sitzung am 28. März entscheiden.

Die Leistungen

Im sogenannten Familienrathaus.Start. sollen zunächst folgende Leistungen angesiedelt werden:

Anmeldung Geburt

Anmeldung Eheschließung

Familienbüro mit Ausnahme der dezentralen Angebote wie Elternschule, Familienhilfeteams und Jugend- und Stadtteilzentren

Vaterschafts- und Mutterschafts-Anerkenntnisse

Elterngeld

Beantragung Kindergeld

Information zu weiteren städtischen und externen Leistungen und Angeboten

Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek

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