Umweltbonus übers Wochenende gestrichen

Fassungslos über kurzfristiges Aus der E-Auto-Prämie

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Kontinuierlich gestiegen war der Anteil der E-Fahrzeuge auf Hamms Straßen. Wie geht es nach Ende des Umweltbonus weiter?
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Hammer Autohändler befürchten nach Förder-Aus Umsatzeinbrüche bei Elektro-Fahrzeugen. Für viele Kunden sei die Prämie ausschlaggebend gewesen bei der Frage, welches Fahrzeug sie wählen.

Hamm – Bis Freitag war der Dacia Spring ein Renner. Das E-Auto des rumänischen Herstellers kostete je nach Ausstattung um die 25.000 Euro und zählt damit zu den günstigsten Elektrofahrzeugen. Der Kleinwagen hatte einen großen Anteil daran, dass die Hälfte der verkauften Autos bei Kiffe V&N Elektrofahrzeuge waren – und das, obwohl das Autohaus auch Marken führt, die keine reinen E-Autos anbieten. Doch nach diesem Wochenende blickt Verkaufsleiter Daniel Schulte wenig zuversichtlich auf die E-Auto-Zukunft. „Man wird sich was überlegen müssen. Sonst wird kein E-Auto mehr verkauft“, glaubt er.

Für die Kundenzufriedenheit war das ein katastrophales Wochenende.

Alexander Böhmer, Verkaufsleiter bei Ford Westhoff

Von einem Tag auf den anderen hatte das Bundeswirtschaftsministerium die Kaufprämie für Elektrofahrzeuge gestrichen. Samstag verbreitete es die Nachricht, dass nur noch bis einschließlich Sonntag, 17. Dezember, beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangene Anträge auf den Umweltbonus berücksichtigt würden. Hammer Händler reagieren verärgert. „Für die Kundenzufriedenheit war das ein katastrophales Wochenende“, sagt Alexander Böhmer, Verkaufsleiter bei Ford Westhoff. Man könne die Menschen bei einer langfristig getroffenen Entscheidung wie für ein Auto doch nicht derart kurzfristig im Regen stehen lassen. Ähnlich äußern sich andere Händler in Hamm: Sie wirken fassungslos darüber, wie an dieser Stelle Politik gemacht wurde und sprechen von einem Dämpfer für die Automobilindustrie.

Kurzfristig Zulassung beantragt mit Fahrzeugschein, aber noch ohne Auto

Böhmers Kollege hat am Sonntag gearbeitet, um zumindest einem Kunden zu helfen. Der hatte vor Monaten einen Mustang Mach-E gekauft, der bereits in Antwerpen steht, aber noch nicht bis Hamm geschickt wurde. Der Verkäufer besorgte den Fahrzeugschein, mit dem der Kunde online eine Zulassung und den Umweltbonus beantragen konnte. Ähnliches berichtet Sebastian Schmeißer, Standortleiter von BMW Schmidt an der Soester Straße: „Unsere Verkäufer haben ein intensives Wochenende hinter sich.“

Mehrere Kunden hätten gefragt, ob sie von ihren Kaufverträgen zurücktreten könnten. „Für uns stellt sich die Frage, wie wir mit Kunden umgehen, die vor einem Jahr ein Fahrzeug bestellt haben im Glauben, dass es die E-Auto-Prämie gibt – und die nun in drei bis vier Wochen ihr Fahrzeug bekommen, aber die Prämie gibt es nicht mehr“, sagt Schulte.

Rein rechtlich ist Prämien-Aus kein Grund für Rücktritt von Kaufvertrag

Rein rechtlich ist die Sache klar. Der Händler hat mit der Prämie in der Regel nichts zu tun. Hat ein Kunde ein Auto gekauft, ist ein Vertrag zustande gekommen – egal, ob es die Prämie weiter gibt oder nicht. Nur: Für viele Kunden sei die Prämie kaufentscheidend gewesen, berichten die Händler. Schließlich seien Elektrofahrzeuge nach wie vor teurer als Verbrenner. Man müsse sich was einfallen lassen, sagt Ford-Verkaufsleiter Böhmer.

E-Auto-Anteil von knapp sechs Prozent

Drei neue E-Fahrzeuge wurden übers Wochenende zugelassen, wie die Pressestelle der Stadt mitteilt. Damit stieg die Zahl der E- und Hybrid-Fahrzeuge auf 7496 bei insgesamt 131.000 Fahrzeugen (Stand: September). Der Anteil der E-Fahrzeuge und Hybride liegt bei sechs Prozent.

BMW habe inzwischen in Aussicht gestellt, die E-Auto-Prämie zu übernehmen, berichtet Schmeißer. Ähnliches erklärte der Opel-Mutterkonzern Stellantis, der die Prämie übernehmen wollte. Doch das gilt längst nicht für alle Händler.

Kommt jetzt das Aus für die E-Autos? Die Antwort der Verkäufer auf diese Frage fällt unterschiedlich aus. Schulte von Kiffe V&N geht davon aus, dass die Verkäufe von E-Fahrzeugen in der Mittelklasse deutlich zurückgehen würden. „Normalverdiener können es sich nicht einfach leisten, 3000 oder 4000 Euro mehr zu zahlen.“ Schmeißer von BMW erwartet, dass die Hersteller die Preise senken werden. Die E-Fahrzeuge seien gut. „Die müssen auf die Straße.“ Und Böhmer von Ford erinnert an die Hybrid-Fahrzeuge. Für sie fiel der Bonus bereits 2023 weg. „Im ersten Quartal 2023 wurden weniger Hybrid-Fahrzeuge verkauft. Aber inzwischen sind wir wieder auf demselben Verkaufsniveau wie vorher“, sagt er.

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