Darf man feiern, während Hamas-Terroristen eine ganze Region ins Verderben stürzen? Man sollte sogar, meint der Psychologe Stephan Grünewald
Köln – Mit dem 11.11. startet in Köln, Düsseldorf und weiten Teilen des Rheinlands die Karnevalssession. Zehntausende feiern zum Beispiel in der Domstadt auf den Straßen und den Kneipen. Doch ist das okay, während Hamas-Terroristen Menschen ermorden und eine ganze Region ins Unglück stürzen? Während in der Ukraine Menschen sterben, weil ein Diktator und seine korrupten Schergen alles Menschliche verloren haben?
Der Psychologe Stephan Grünewald hat dazu eine klare Meinung: Er hält Karnevalsfeiern vor dem Hintergrund von Krieg und Krisen für legitim und sogar geboten. Der dpa sagt er: „Karneval ist ein Akt der Selbstfürsorge und steigert auch die persönliche Resilienz.“ Die Alternative wäre, sich grübelnd ins stille Kämmerlein zurückzuziehen.
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Stephan Grünewald zum Karneval: „Wer jetzt feiern kann, ist auch zu Mitleid fähig“
Grünewald, Chef des Rheingold Instituts, weiter: „Ich glaube aber, jemand, der in der Lage ist zu feiern, ist auch zum Mitleid fähig, weil er dann die Ressource dazu hat“ Es gehe ja nicht ums Durchfeiern, sondern um einen kurzen Lichtblick in einer sich verdunkelnden Welt.
► Stephan Grünewald studierte Psychologie an der Universität Köln
► Er ist Mitgründer des Rheingold Institut in Köln, das in der Markt- und Medien-Forschung aktiv ist und dazu unter anderem Tiefeninterviews einsetzt
► Das Buch „Deutschland auf der Couch“ machte Stephan Grünewald deutschlandweit bekannt
Und weil die Menschen derzeit Ohnmachtsgefühle erleben würden, verschaffe der Karneval ein „Gefühl von Selbstwirksamkeit, Vergemeinschaftung und Sinnlichkeit.“ Stephan Grünewald sagt: „Karneval erinnert immer an die Vergänglichkeit, er ist das Fest der letzten Stunde. Bevor es Zwölf schlägt, bevor die Fastenzeit anbricht, liefert er noch einmal ein Statement für die Lebendigkeit.“ Zudem sei der Karneval aus einer Anti-Kriegs-Attitüde entstanden, das Soldateske und Militärische sei veralbert worden. Grünewald: „Der Schunkelnde, der alle umarmt, ist sozusagen das finale Gegenbild zum Terroristen.“ (dpa/IDZRNRW)