Windenergie

Flaute bei erneuerbaren Energien: Windrad in weiter Ferne

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Dieses Windrad bei Valbert ist eine von vier Anlagen, die es auf Meinerzhagener Stadtgebiet gibt. Zwischen Lengelscheid und Wiebelsaat könnten drei weitere entstehen. Vom künftigen Betreiber, der ABO Wind AG aus Wiesbaden, gibt es aber schon seit fast zwei Jahren nichts Konkretes zu den Plänen.
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Seit mehreren Jahren sind neue Windenergieanlagen bei Lengelscheid geplant. Doch bisher sind sie noch nicht in Sicht.

Meinerzhagen – In Sachen Windkraftausbau ist Nordrhein-Westfalen seit Jahren Spitzenreiter: In keinem anderen Bundesland wurden so viele Windräder genehmigt wie hier. 364 waren es im vergangenen Jahr, womit zu den mehr als 3600 Anlagen, die im vergangenen Jahr bereits zwischen Rhein und Weser standen, künftig einige hinzukommen könnten. Meinerzhagen jedoch führt seit nunmehr 20 Jahren eher ein Schattendasein: Im Jahr 2004 wurden mit zwei Anlagen zwischen Valbert und Freisemicke die letzten beiden Windräder auf Meinerzhagener Stadtgebiet errichtet. Gemeinsam mit kleineren Anlagen in Pütthof (Baujahr 2000) und bei Hardenberg (2003) kommt man im Ebbe auf derzeit vier Anlagen, die nach Angaben des Geodatenportals MK über eine Gesamtnennleistung von fast fünf Megawatt verfügen. Die nächsten drei Windräder sind zwar bereits seit Jahren in Planung – doch über eine Vorplanung ist der potenzielle Betreiber noch nicht hinaus gekommen, wie er jetzt auf Anfrage unserer Zeitung erklärte.

Nahe der Ortslagen Wiebelsaat und Lengelscheid will die ABO Wind AG aus Wiesbaden schon seit sechs Jahren neue Anlagen errichten. Nach damaligen Plänen sollte jedes davon 241 Meter hoch sein und eine Leistung von 4,2 Megawatt liefern – also fast so viel, wie alle bisherigen Meinerzhagener Windkraftanlagen zusammen. Zunächst hatten sich damals Stadtverwaltung und Kommunalpolitik mit Verweis auf die sogenannten Vorrangzonen für Windkraft gesträubt: Nur in diesen Zonen, so sah es der Flächennutzungsplan seinerzeit vor, dürften Windräder installiert werden, hieß es damals. Ausgewiesen waren die in den Ortslagen Hardenberg und Piene sowie südlich von Eseloh. Das Oberverwaltungsgericht in Münster kippte diese Vorrangzone im Januar 2021 jedoch und gab einer Normenkontrollklage der ABO Wind AG statt.

Mit den Planungen voran kam das börsennotierte Unternehmen dennoch nicht. Denn auch der Märkische Kreis hatte die Erteilung des Vorbescheids zur Errichtung der Windräder abgelehnt. Das Argument: Das Aufstellen der Windenergieanlagen sei eine mit dem Naturschutz unvereinbare Maßnahme. Die Standorte befänden sich im Wald und berührten teilweise ein Landschaftsschutzgebiet. Für die neu anzulegenden Verkehrswege müsste zudem das Naturschutz- und FFH-Gebiet Ebbe-Moore durchkreuzt werden.

Doch auch die Argumentation des Märkischen Kreises stieß in der Justiz auf wenig Verständnis. Noch bevor das Verwaltungsgericht in Arnsberg dazu ein Urteil fällen konnte, zog der Kreis seine Ablehnung zurück. Das war im April 2022. Investor und der Märkische Kreis sollten sich erneut zusammensetzen, um bis Ende des Jahres einen überarbeiteten Vorbescheid für die Errichtung der Windräder auf den Weg zu bringen. Doch geschehen ist seitdem: nichts.

Wie der Märkische Kreis auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, habe es seitens des Investors seit dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht in Arnsberg verschiedene Überlegungen zur Fortsetzung der Windrad-Pläne gegeben. „Insbesondere, ob anstelle des Vorbescheids eine Vollgenehmigung beantragt werden solle“, heißt es von Kreis-Pressesprecher Alexander Bange. Zuletzt habe der Märkische Kreis in einem Schreiben vom 11. Januar um Auskunft gebeten, ob und gegebenenfalls wie die ABO Wind AG das Verfahren weiter betreiben wird.

Nichts Neues in Sachen Photovoltaik

Gegenüber unserer Redaktion heißt es dazu vonseiten des hessischen Unternehmens, dass man sich „derzeit in den Vorbereitungen des Genehmigungsverfahrens“ befinde. Ein Zeitplan könne allerdings ebenso wenig genannt werden wie technische Details zu den Windenergieanlagen, die bei Lengelscheid aufgestellt werden sollen. Kurzum: Es herrscht derzeit Flaute in Sachen Windkraft in Meinerzhagen.

Nicht ganz ausgeschlossen schien hingegen vor einigen Monaten die Nutzung von Sonnenenergie in großem Stil. „Wir hatten zur Errichtung einer großflächigen Photovoltaik-Anlage die Anfrage eines Investors“, sagt Friedrich Rothaar, Fachbereichsleiter Technischer Service im Rathaus. Auch eine geeignete Fläche sei bereits gefunden und den Fraktionen vorgestellt worden. Letztlich hätte aber natürlich mit dem Eigentümer des Areals ein Optionsvertrag geschlossen werden müssen, da für den Bau der Anlage noch Planungsrecht hätte geschaffen werden müssen. Aber: „Von dem Investor haben wir seit Monaten nichts mehr gehört“, sagt Rothaar. So dürfte die Kraft der Sonne in Meinerzhagen zumindest mittelfristig wohl weiterhin nur auf den Dächern von privaten und öffentlichen Gebäuden genutzt werden.

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