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In Teilen von NRW galt am Dienstag die höchste Unwetterwarnstufe: Extreme Gewitter rollten über das Land. Sogar eine geplante Bombenentschärfung musste unterbrochen werden.
Hamm – Erst Hitze, dann Gewitter: Nach einem Tag mit kaum zu ertragender Schwüle gingen am Nachmittag und Abend des Dienstag (13. August) die amtlichen Unwetterwarnungen fast im Minutentakt heraus. Viele Regionen von Nordrhein-Westfalen waren betroffen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor schweren Gewittern mit Orkanböen, Starkregen und Hagel. Am Abend wurde für einen Streifen zwischen Düsseldorf und dem Münsterland sogar die höchste Warnstufe („extremes Unwetter“) ausgegeben.
Nach einer ersten Übersicht des Innenministeriums gab es keine Toten oder Schwerverletzten, wie eine Sprecherin auf Nachfrage der dpa mitteilte. Es habe aber mehr Einsätze als üblich gegeben. In der Nacht zu Mittwoch (14. August) und auch tagsüber drohen in NRW laut DWD weiterhin teils kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel sowie stürmischen Böen. Lokal sei auch Unwettergefahr möglich.
Extreme Unwetter rollen über NRW: Freibäder evakuiert
Betroffen von dem Unwetter am Dienstag waren zunächst vor allem die südlichen und westlichen Teile von NRW, später dann auch das Ruhrgebiet. In Köln etwa wurden bereits am Nachmittag die städtischen Freibäder evakuiert, Dortmund, Herne und andere Städte zogen nach.
Unwetter über NRW: Flüge in Dortmund umgeleitet
In Dortmund wurde auch der Flugverkehr durch das Gewittertief durcheinandergewirbelt. Am frühen Abend landete der Ryanair-Flug FR 2037 aus Palma de Mallorca erst nach einigen Extrarunden in der Luft mit 26 Minuten Verspätung, wie der Flightradar zeigt.
Eine Ryanair-Maschine aus Porto (geplante Ankunftszeit 16.40 Uhr) war zuvor bereits zum Flughafen Münster/Osnabrück umgeleitet worden, wo sie um 17.34 Uhr landete. So erging es auch den Passagieren des Wizzair-Fliegers aus Kattowice (Polen), der statt in Dortmund am Airport Paderborn/Lippstadt endete. Zum Zeitpunkt der geplanten Landungen befand sich eine Gewitterzone über dem Kreis Unna und dem im Dortmunder Osten gelegenen Flughafen. Die Innenstadt wurde dagegen weitgehend verschont, wie die Feuerwehr auf Nachfrage von wa.de sagte.
Gewitter in NRW: „Sturzbäche flossen die Straßen herunter“
In Fröndenberg im Kreis Unna ging etwa zu dieser Zeit ein mächtiger Sturzregen herunter. „Wir gerieten mit unserem Fahrzeug mitten in starken Hagel und Regen wie aus Eimern geschüttet. Sturzbäche flossen die Straßen herunter“, schilderte ein Reporter vor Ort. Die Feuerwehr ist mit zahlreichen Fahrzeugen im Einsatz. Ebenfalls in Fröndenberg stürzte ein Baum auf mehrere geparkte Autos. Einsätze werden auch aus dem Kreis Olpe gemeldet.
Auch an der Grenze von Ruhrgebiet zum Münsterland wurden die Bewohner von Starkregen heimgesucht. „Schwere, ortsfeste Unwetter bei Marl und Haltern mit großen Überflutungen. Teilweise ist auch größerer Hagel mit dabei“, twitterte Kachelmannwetter.de.
Gewitter in NRW: Auswirklungen auf Bahn und Einsätze auf Autobahnen
Auswirkungen hatte das Unwetter auch auf den Bahnverkehr. Wegen eines Blitzeinschlags in einem Stellwerk war der Bahnhof in Coesfeld nicht anfahrbar, die Reparaturarbeiten dauerten an, wie eine Sprecherin mitteilte. Auch in einem weiteren Stellwerk zwischen Kempen und Krefeld hat ein Blitzeinschlag für Schäden und Verspätungen auf der Strecke gesorgt, die auch am Mittwoch zunächst noch bestanden. Auf Gleise und Oberleitungen gekippte Bäume sorgten für Probleme auf einigen Bahnstrecken in Reken (Münsterland), bei Balve (Märkischer Kreis) oder zwischen Siegburg/Bonn und Hennef, wo 80 Passagiere den Zug verlassen mussten.
In Moers wurde ein Baum auf die Gleise der Bahn gedrückt, die Notfallleitstelle der Bahn und die Feuerwehr beseitigten diesen. Am Bahnübergang Grenzstraße (Voerde) kam es zu einem Blitzeinschlag in die Oberleitung. Daraufhin entstand ein Brand und Kabel lösten sich. Die Notfallleitstelle der Bahn kümmerte sich darum.
Auch der Verkehr auf Autobahnen war eingeschränkt. Auf der A59 war zeitweise eine Spur zwischen Duisburg-Alt-Hamborn und Duisburg-Meiderich überflutet.
Unwetter in NRW: Person in Duisburg durch Hagelkorn verletzt
Auch sonst herrschte in Teilen von Duisburg Land unter. „Alle verfügbaren Einsatzkräfte sind im Einsatz“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Abend der Deutschen Presse-Agentur. Fast das ganze Stadtgebiet sei betroffen. Bis zum Morgen gab es den Angaben zufolge 344 Einsätze zu bewältigen. Ganz klarer Schwerpunkt der Einsätze seien Probleme mit Wasser – Überflutungen in Kellern und Unterführungen. Ein Mensch sei so schwer von einem Hagelkorn getroffen worden, dass er eine Platzwunde am Kopf davongetragen habe. Auch Autos sind laut WAZ von Hagelkörnern beschädigt worden.
In Bonn berichtete die Polizei von rund 30 Einsätzen. „Vollgelaufene Keller, abgebrochene Äste, Bäume auf der Fahrbahn“, zählte ein Sprecher auf. Größere „Sachen“ seien allerdings nicht dabei gewesen. In Erndtebrück im Kreis Siegen-Wittgenstein kam es zur Sperrung von zwei Straßen wegen eines Erdrutsches, wie die Westfalenpost berichtete.
Wegen Unwetter: Bombenentschärfung musste unterbrochen werden
In Marienbaum wurde ein Scheunendach komplett abgedeckt und in die nebenstehenden Bäume geweht. Nicht der einzige Einsatz im Kreis Wesel. Eine Bombenentschärfung in Rheinberg musste wegen des durchziehenden Gewitters kurzzeitig unterbrochen werden.
Blitzeinschlag in Würselen sorgt für Dachstuhl-Brand
Mehrere Blitzeinschläge haben in der Städteregion Aachen in der Nacht zu Einsätzen geführt. In Würselen setzte ein Blitzeinschlag einen Dachstuhl in Brand, wie ein Sprecher der Polizei erklärte. Das entsprechende Wohnhaus wurde durch das Feuer demnach stark beschädigt und blieb unbewohnbar. Verletzte gab es einem Sprecher zufolge keine.
In unmittelbarer Nähe des betroffenen Wohnhauses habe dann ein weiterer Blitz in einen Keller eingeschlagen. Dort kam es laut Polizei allerdings nicht zum Brand. Zusätzlich zu den Blitzeinschlägen seien in der Nacht wegen der Unwetter mit viel Regen viele Keller vollgelaufen. Verletzt wurde dabei aber nach bisherigen Erkenntnissen niemand.
Unwetter in NRW: Zahlreiche Einsätze
In Drolshagen kam es ebenfalls zu mehreren Einsätzen. Insbesondere zu vollgelaufenen Kellerräumen, Wohnungen und Firmengebäuden, überfluteten Straßen und umgestürzten Bäumen war die Hilfe der Feuerwehrleute angefordert worden. Aufgrund der Vielzahl der Notrufe waren nicht nur die Löschzüge aus Drolshagen und Iseringhausen, sondern auch Löschgruppenfahrzeuge aus der Stadt Bergneustadt, der Stadt Olpe und der Gemeinde Wenden im Raum Drolshagen im Einsatz. Ähnlich sah es auch in Winterberg, Oberhausen, Wachtberg aus und Mönchengladbach aus. In einem Stadtteil von Oberhausen sei es kurzfristig zu einem Stromausfall gekommen.
In Grevenbroich hat ein schwerer Blitzeinschlag die Dachstühle von zwei Wohnhäusern beschädigt und teilweise in Brand gesetzt. Die Feuerwehr Grevenbroich war mit mehreren Löscheinheiten im Einsatz und konnte die Flammen nach kurzer Zeit ersticken. Personen wurden zum Glück aber nicht verletzt.
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