Umgestaltung der Wagenfeldstraße

„Fühlen uns völlig im Stich gelassen“: Geschäftsleute kritisieren mangelnde Kommunikation

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Kaufleute und Gewerbetreibende der Wagenfeldstraße wollen die Drensteinfurter überzeugen, beim Bürgerentscheid gegen den geplanten Umbau zu stimmen.

Drensteinfurt – Die Geschäftsleute an der Wagenfeldstraße fürchten um ihre Existenz, sollte der Bürgerentscheid positiv ausfallen und der Rat seine Pläne umsetzen. Von Beginn an, so betonen sie, seien weder Anlieger noch Kaufleute ausreichend einbezogen worden. „Gar nichts tun, einfach abwarten – das geht nicht. Wir müssen unsere Sorgen öffentlich machen“, sagt Petra Scheffer, Inhaberin des Schuhgeschäfts Step In.

Möchten den Bürgern ihre Sorgen und Bedenken nahebringen: Petra Scheffer (von links), Georg Diening, Stefanie Lenz und Matthias Klimmek.

Den Kaufleuten ist wichtig klarzustellen, dass sich niemand grundsätzlich gegen eine Modernisierung der Wagenfeldstraße stellt. „Es gibt viele Möglichkeiten, die Straße attraktiver zu gestalten – ohne massive Eingriffe und ohne den Wegfall zahlreicher Parkplätze. Wir favorisieren eine kleine Lösung, die höchstens zwei bis drei Parkplätze kostet.“

„Mangelnde Ehrlichkeit“

Die Argumente der Geschäftsleute sind bekannt: fehlende Transparenz und mangelnde Ehrlichkeit. „Zunächst war von drei Parkplätzen die Rede“, erinnert sich Friseurmeister Georg Diening, der ebenfalls an der Wagenfeldstraße ansässig ist. Dann sei von einem größeren Eingriff die Rede gewesen – ein „Schnellschuss, weil die Fördergelder auslaufen“. Der Plan bringe mehr versiegelte Fläche, weniger Grün und deutlich weniger Parkmöglichkeiten.

Steffanie Lenz, Inhaberin eines Kosmetikstudios, relativiert die Anzahl der geplanten verbleibenden Parkplätze: „Von 19 Parkplatzen sind zwei für E-Autos reserviert und einer als Behinderten-Parkplatz vorgesehen.“ Für sie ist klar: „Die Attraktivität für unsere Kunden hängt auch davon ab, dass sie fast bis vor die Ladentür fahren können.“ Besonders kritisch sieht sie, dass vor der Apotheke künftig kein einziger Parkplatz vorgesehen ist.

Zu den Öffnungszeiten der Apotheke sind die Parkplätze direkt davor so gut wie immer besetzt. Die Kaufleute fürchten einen Einbruch der Kundenzahlen, sollten Plätze wegfallen.

Auch Matthias Klimmek, Inhaber der Bücherecke, macht sich Sorgen: „Ich habe schon Rückmeldungen von Lieferanten, dass sie mich nicht mehr beliefern, wenn sie nicht direkt vor der Tür halten dürfen.“ Zudem kämen viele Kunden von außerhalb – nicht alle seien bereit oder in der Lage, längere Wege vom Auto zum Geschäft zu laufen.

Ein weiteres Problem ist die geplante Bauzeit von einem Jahr. „Wie viele Kunden, gerade aus dem Umland, bleiben uns in dieser Zeit weg?“, fragen sich die Geschäftsleute. „Der Zeitpunkt passt nicht – wir haben uns gerade erst von Corona erholt.“

Zusätzlich treibt sie die Sorge um, dass nach einigen Jahren erneut aufgerissen werden müsste, falls die rund 30 Jahre alte Kanalisation erneuert wird. „Dann fängt alles wieder von vorne an“, warnt Diening.

Einigkeit herrscht auch in der Kritik an der Stadtverwaltung. Die versprochenen Gespräche habe es nicht gegeben. „Man hätte frühzeitig mit uns reden und unsere Bedürfnisse berücksichtigen müssen“, sagt Petra Scheffer. Auch die Wirtschaftsförderung sei weder präsent noch erreichbar – Rückmeldungen gebe es nicht. „Wir fühlen uns völlig im Stich gelassen.“

Wir fühlen uns völlig im Stich gelassen.

Petra Scheffer Schuhhaus Step In

Scheffer resümiert: „Wenn Politiker davon sprechen, die Gewerbesteuer durch Förderung der Wirtschaft erhöhen zu wollen, dann ist das ein klarer Widerspruch zu den aktuellen Plänen. Denn die Umgestaltung der Wagenfeldstraße bedroht viele Existenzen.“

Einen Vergleich mit Lüdinghausen halten die Geschäftsleute für unangebracht: „Dort gibt es genügend Parkplätze und ein viel größeres Angebot an Geschäften.“ Als mögliche Entlastung schlägt Scheffer neue Parkflächen an der Alten Feuerwache vor.

Fördergelder, um welchen Preis?

Abschließend stellen die Kaufleute die Förderlogik infrage: „Es ist immer die Rede davon, dass die Gelder jetzt genutzt werden müssen. Aber wer sagt denn, dass es in Zukunft nicht neue Fördermöglichkeiten gibt? Dann könnte die Stadt gemeinsam mit Politik und Gewerbetreibenden ohne Zeitdruck und zum Wohle aller planen.“

Rubriklistenbild: © Mechthild Wiesrecker

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