Mann aus Hamm hilft in Ukraine

Gefährliche Mission: Russische Rakete schlägt nahe Helfer aus Hamm in der Ukraine ein

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100 Kilometer westlich von Kiew: Eine russische Rakete ist am Donnerstag in der Nähe einer Militärbasis eingeschlagen.
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Vitaliy Berestyan liefert Material in die Ukraine. Er will es selbst an den Bestimmungsort bringen - trotz der Gefahren, die die Reise ins Kriegsgebiet birgt.

Hamm – Die kapitale schwarze Rauchwolke verheißt nichts Gutes. Etwa fünf Kilometer südlich der E27 steigt sie in den ukrainischen Himmel. „Das ist ein russischer Raketentreffer gewesen“, sagt Vitaliy Berestyan. Hundert Kilometer vor Kiew sei das Geschoss in der Nähe einer ukrainischen Militärbasis eingeschlagen. Am Donnerstag sei das geschehen, Berestyan drückte selbst auf den Auslöser seiner Handykamera, dokumentierte so das Feuer und startete anschließend wieder seinen 7,5-Tonner.

Angekommen in der Ukraine: Die Hilfsgüter aus Hamm werden an ein Krankenhaus und in Bachmut verteilt.

An jenem Donnerstag befand sich Berestyan bereits wieder auf dem Rückweg nach Hamm-Norden, wo er seit mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnten zu Hause ist. Verbandsmaterial, medizinisches Gerät und einen Schweißapparat hatte der gebürtige Ukrainer zuvor in sein Geburtsland gebracht. Kiew und Krywyj Rih (Selenskyjs Geburtsstadt) waren von ihm auf seiner 2 500 Kilometer weiten Mission (eine Strecke) angesteuert worden. Berestyan hat schon mehrfach Hilfsgüter in die Ukraine gebracht.

Hilfsgüter aus Hamm für Krankenhaus in Kiew: „Der Chef hat vor Freude fast geweint“

„Nein, ich hatte keine Angst vor Raketentreffern. Theoretisch kann das natürlich passieren, aber es ist doch sehr unwahrscheinlich“, sagt der 39-Jährige. „Ich fahre einfach und denke nicht weiter nach. Was ich tue, ist für einen guten Zweck, und ich will die Sachen persönlich übergeben“, beschreibt er seine Motive.

Das Schweißgerät, das er bei seinem jüngsten Trip mitgenommen hatte, hat er in Krywyj Rih abgeliefert. „Das ist für die Panzerdivision. Die werden damit jetzt ihre Panzer reparieren“, sagt Berestyan. Das medizinische Material sei ebenfalls in Krywyj Rih an ein Krankenhaus gegangen. „Der Chef von der Klinik hat vor Freude fast geweint“, sagt Vitaliy.

Erfahrene Helfer übernahmen Transport nach Bachmut

Die Verbandskästen seien von Kiew aus nach Bachmut gebracht worden. Den Transport in die seit Monaten hart umkämpfte Stadt übernahmen ukrainische Helfer, die Berestyan gut kennt. „Selbst dorthin zu fahren, wäre in der Tat zu gefährlich“, sagt Berestyan.

Am Freitagabend ist er zurück in Hamm gewesen, am kommenden Montag will er das nächste Mal aufbrechen. Erneut soll es nach Kiew und Krywyj Rih gehen. „Unser Lager in Hamm ist voll“, begründet er seinen neuerlichen Hilfstransport.

Hilfsbereite Hammer: Lager mit Verbandskästen ist voll

Insbesondere die Sammlung von ausgedienten Verbandskästen entpuppt sich mittlerweile als Selbstläufer. Die ersten 10 000 Exemplare dürften er und der Verein „Kinder brauchen unsere Hilfe“ (Dambergstraße 40; dort steht auch eine Sammelbox) schon bald zusammenhaben. Erst vor wenigen Tagen sicherte ein regionaler Betriebe die Spende von 3 000 Erste-Hilfe-Sets zu. In den Poco-Möbelmärkten werden deutschlandweit ausgediente Verbandskästen entgegengenommen. Der Spender erhält 50 Prozent Preisnachlass beim Kauf einer neuen Box. Allein im Poco-Markt in Bergkamen lagerten am Montag 1 250 Erste-Hilfe Sets.

100.000 ausgediente Verbandskästen zu sammeln, hatte Berestyan vor wenigen Wochen zum Auftakt der Aktion als Zielvorgabe ausgeben. Gut möglich, dass er dieses Ziel letztlich auch erreichen wird.

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