Wieder hat ein Unternehmen aus der Modebranche Insolvenz angemeldet – wieder ist es Gerry Weber. Der Konzern aus NRW soll saniert werden. Etliche Filialen stehen vor dem Aus.
Hamm - Erst gut drei Jahre ist es her, dass sich der Modekonzern Gerry Weber mithilfe eines Insolvenzverfahrens vor dem Aus retten musste. Jetzt steckt der bekannte Bekleidungshersteller aus Halle in Nordrhein-Westfalen wieder in der Krise. Gerry Weber hat für seine deutsche Handelstochter beim Amtsgericht Bielefeld eine Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt. Für das Dachunternehmen Gerry Weber International AG soll eine Insolvenz allerdings vermieden werden. Um sich zu sanieren, plant das Unternehmen deutliche Einschnitte im Filialnetz und einen Stellenabbau in noch unbekannter Höhe, wie das Unternehmen mitteilte.
| Unternehmen | Gerry Weber |
| Gründer | Gerhard Weber, Udo Hardieck |
| Hauptsitz | Halle (Westfalen) |
Modekonzern aus NRW meldet erneut Insolvenz an – etliche Filialen vor dem Aus
„Das Sanierungsvorhaben ist eine notwendige Reaktion auf die äußeren Umstände“, sagt die Chefin von Gerry Weber International, Angelika Schindler-Obenhaus. Genannt werden die üblichen Gründe: Corona, Ukraine-Krieg, hohe Inflation, verändertes Kaufverhalten. Viele Läden seien nach Corona nicht mehr profitabel zu betreiben, so Schindler-Obenhaus.
Bei seinen Sanierungsbemühungen geht das Modeunternehmen diesmal allerdings einen bislang in Deutschland selten genutzten Weg. Die Gerry Weber International AG beantragte beim Essener Amtsgericht die Einleitung eines Verfahrens nach dem Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG). Ziel des StaRUG-Verfahrens ist es, dass Unternehmer ihren Betrieb sanieren können, ohne ein Insolvenzverfahren durchlaufen zu müssen. „Teil des Vorhabens soll ein vollständiger Kapitalschnitt sein, wodurch auch die Börsennotierung der Aktie der Gerry Weber International AG erlöschen würde“, heißt es in einer Mitteilung.
Ganz kommt der Modehersteller aber auch diesmal nicht um ein Insolvenzverfahren herum. Die Gerry Weber Retail GmbH, in der das deutsche Einzelhandelsgeschäft mit seinen derzeit noch 149 Läden und 28 Outlet-Stores zusammengefasst ist, soll mithilfe eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung restrukturiert werden.
Gerry Weber steckt wieder in der Krise – „wollen Filialnetz der Zukunft bauen“
Das Einzelhandelsgeschäft müsse insgesamt neu ausgerichtet werden, sagte Schindler-Obenhaus. „Hierfür wollen wir das Filialnetz der Zukunft bauen. Denn wir glauben fest an die Filiale. Gleichzeitig müssen wir heute jeden Quadratmeter Fläche auf den Prüfstand stellen“, so die Managerin. Bis Ende Juni werde feststehen, welche Filialen eine Zukunft hätten, hieß es. Wie viele Läden im Zuge der Sanierung geschlossen werden müssten, hänge auch von der Verhandlungsbereitschaft der Vermieter ab.
Gerry Weber will sich nach ihren Worten künftig auf „den gesunden Kern“ konzentrieren und das erfolgreiche Großhandelsgeschäft, den E-Commerce und das Auslandsgeschäft weiter stärken. Diese Bereiche seien von den Sanierungsmaßnahmen deshalb auch nicht betroffen, sagte Finanzvorstand Florian Frank. Die Lieferfähigkeit bleibe vollständig gewährleistet und auch der Geschäftsbetrieb laufe in vollem Umfang weiter.
Modehersteller kämpfen ums Überleben – Gerry Weber war nicht der Erste
Gerry Weber steht mit seinen aktuellen Problemen nicht allein. Zahlreiche Modeanbieter in Deutschland kämpfen derzeit ums Überleben - darunter auch viele bekannte Namen. Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof suchte bereits Ende vergangenen Jahres Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Der Modehändler Peek & Cloppenburg (P&C) folgte im März. Der Schuhhändler Görtz hatte diesen Schritt bereits im September getan. Reno musste erst vor wenigen Wochen einen Insolvenzantrag stellen. - dpa
Rubriklistenbild: © dpa
