VonSvenja Jesseschließen- Jörn Funkeschließen
Zwei Unternehmen werben in Hamm um Kunden für den Glasfaserausbau. Konkurrierten Deutsche Giganetz und Westconnect anfangs noch um Kunden, haben sie den Markt jetzt praktisch aufgeteilt.
Hamm – Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Glasfaserausbau in Hamm.
Wer ist wo tätig?
Die Deutsche Giganetz GmbH bietet Anschlüsse im Westen und Süden Hamms an. Das umfasst die Altstadt, das Bahnhofsviertel, Berge, Hamm-Osten (westlich der Ahse), Hamm-Süden, Hamm-Westen, Herringen, Lohauserholz, Pelkum, Rhynern und Westtünnen. Die Westconnect GmbH ist im Norden und Osten tätig, also in Bockum-Hövel, Braam-Ostwennemar, Hamm-Norden, Hamm-Osten (östlich der Ahse), Heessen, Mark, Uentrop und Werries.
Überschneiden sich die Gebiete?
Nur in einigen Straßenzügen in Braam-Ostwennemar und im Süden von Mark. Westconnect hatte dort seit Juni geworben, während Giganetz auf ein vor Jahren angelegtes Glasfasernetz ihres Kooperationspartners Helinet in Braam-Ostwennemar zugreifen will.
Dürfen die das?
Das Bundeskartellamt verbietet Absprachen. Aber beide Unternehmen beobachten sich und haben offenbar erkannt, wo sich eigene Aktivitäten lohnen und wo das wohl nicht so sein wird.
Was kostet mich der Anschluss?
Beide Unternehmen versprechen, Haushalte innerhalb bestimmter Fristen kostenlos anzuschließen. Bei der Deutschen Giganetz ist der Stichtag der 18. Dezember. Für Nachzügler sollen dann knapp 2 000 Euro fällig sein. Westconnect hatte im Hammer Osten den 31. August genannt, verzichtet bei Kunden, die sich bis zum Ausbaubeginn noch melden aber auf die Anschlusskosten. Die Bautrupps sollen in diesem Bereich noch in diesem Jahr anrücken. Für Heessen gilt bei Westconnect der 30. November als Stichtag, für Bockum-Hövel der 28. Februar. Für das Freischalten der neuen Anschlüsse müssen Kunden dann aber doch noch mit Gebühren rechnen; bei Westconnect sind es beispielsweise knapp 80 Euro.
Warum der Zeitdruck?
Die Anbieter sind aktuell in der Erschließungsphase – sie wollen also sehen, wie viele Haushalte Interesse an einen Glasfaseranschluss von ihnen haben. Die Deutsche Giganetz will nur ausbauen, wenn sich mindestens 35 Prozent der Haushalte für einen Glasfaseranschluss entscheiden. Westconnect hat offiziell keine Quotenvorgabe.
Muss ich auf jeden Fall Glasfaser verlegen lassen, wenn in meiner Straße gebuddelt wird?
Nein. Die Anschlüsse laufen separat von Haus zu Haus. Wer aber über einen Glasfaseranschluss nachdenkt, sollte es jetzt machen, um Geld zu sparen, sagt Anne Schulze-Wintzler von der Hammer Verbraucherzentrale. Möglich ist auch, jetzt einen Anschluss zu verlegen und erst später freischalten zu lassen. Dafür kassieren die Anbieter aber teils hohe Gebühren.
Müssen bestehende Verträge gekündigt werden?
Wer sich jetzt für Glasfaser entscheidet, sollte bestehende Verträge im Auge behalten. Vor allem deren Mindestlaufzeit. „Nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit beträgt die Kündigungsfrist einen Monat“, sagt Schulze Wintzler. „Man sollte also jetzt am besten keine neuen Verträge mehr abschließen, sonst zahlt man nachher doppelt.“
Was kosten Verträge bei den Glasfaseranbietern?
Die Deutsche Giganetz bietet Tarife ab 24,90 Euro im Monat im ersten Vertragsjahr an. Bei Westconnect geht es mit 19,99 Euro im Monat los. Im zweiten Vertragsjahr steigen die Raten dann deutlich auf 40 bis 90 Euro pro Monat an, je nach der gewählten Leistung.
Was sind die Vorteile von Glasfaser?
„Ganz klar die Geschwindigkeit“, sagt Anne Schulze Wintzler. Noch seien die bestehenden Internetleitungen für viele absolut ausreichend. „Doch die Webseiten werden sich weiterentwickeln, Streaminganbieter könnten größere Datenmengen benötigen. Irgendwann werden da die jetzigen Anschlüsse nicht mehr reichen“, ist sich die Expertin sicher.
Braucht man als Kabelnutzer überhaupt Glasfaser?
Der Kabelanschluss und der Glasfaseranschluss hängen nicht zusammen. Wer einen Kabelanschluss hat, hat oft schnelleres Internet, mit der Geschwindigkeit des Glasfaseranschlusses könne dieses nach Ansicht der Expertin aber nicht mithalten.
Wie viel Mbit braucht man denn wirklich zu Hause?
Klare Zahlen kann Anne Schulze Wintzler nicht geben. Das sei absolut unterschiedlich, je nach persönlichem Verbrauch und Nutzungsgewohnheiten.
Wo wird der Anschluss eigentlich hingelegt?
Ein echter Glasfaseranschluss ist ein „Fiber to the Home“-Anschluss. Also er wird bis in die Wohnung verlegt. Es gibt aber auch Modelle, bei denen das Kabel nur bis zu einem Kasten oder in den Keller eines Mehrfamilienhauses gelegt wird. Von da aus sind die Eigentümer verantwortlich. „Das sollten die Verbraucher beim Vertragsabschluss dringend klären. Denn darunter leidet hinterher auch die Qualität des Anschlusses“, so Schulze Wintzler.
Welche Voraussetzungen müssen überhaupt in meinem Haus / meiner Wohnung vorhanden sein?
Es gibt keine Voraussetzungen, da ja ein neues Kabel gelegt wird. Prinzipiell kann der Anschluss in jedes Haus gelegt werden. Die bisherigen Router können nicht verwendet werden; für neue Geräte muss man mit 200 bis 300 Euro kalkulieren oder sie beim Anbieter mieten.
