Gigaset AG

NRW-Marktführer in der Insolvenz – seine Produkte kennt jeder

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Nahezu jeder kennt die Produkte von Gigaset oder besitzt sogar eines. Nun ist der Marktführer für schnurlose Telefone aus NRW in der Regelinsolvenz.

Hamm - Viele Unternehmen sind im Krisenjahr 2023 in finanzielle Schwierigkeiten geraten. In Nordrhein-Westfalen traf es etwa die großen St. Vincenz-Kliniken Paderborn oder den Pflegeheim-Betreiber Levantus. Kurz vor Weihnachten meldete mit Umeta aus Bielefeld sogar ein Weltmarktführer Insolvenz an. Nun trifft es ein Unternehmen, dessen Produkte die meisten bereits in der Hand hatten oder sogar noch besitzen: die Gigaset AG.

UnternehmenGigaset Communications
Gründung1. Oktober 2008, München
HauptsitzBocholt (NRW)

Insolvenz der Gigaset AG: Amtsgericht Münster eröffnet Verfahren

Der Festnetztelefon- und Smartphone-Hersteller mit Sitz in Bocholt im Kreis Borken gehört zu den bekanntesten Anbietern auf dem Markt für Kommunikationstechnologie, doch er ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Die Gigaset AG hatte bereits im September 2023 einen Antrag auf Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens sowie eines Verfahrens in Eigenverwaltung für Firmentochter Gigaset Communications gestellt. Nun hat das Amtsgericht Münster das Regelinsolvenzverfahren über das Vermögen der Firma eröffnet (Aktenzeichen 88 IN 18/23).

Eine entsprechende Meldung veröffentlichte Gigaset am Abend des 2. Januar 2024 in knappen Worten und in englischer Sprache als Ad-hoc-Meldung auf seiner Internetseite. Zum Insolvenzverwalter wurde demnach Markus Wischemeyer bestellt. Rund 850 Mitarbeiter arbeiten für die Firma aus dem Münsterland.

Gigaset ist ein großer Player im Bereich der Schnurlostelefone nach dem DECT-Standard (schnurlos, aber ortsgebunden). Hier ist das Unternehmen nach eigenen Angaben Marktführer in Europa. Allerdings lahmt das Geschäft schon seit längerer Zeit, vor allem im Kernbusiness. Immer mehr Menschen sehen offenbar keinen großen Sinn darin, neben dem ohnehin vorhandenen Handy noch einen festen Apparat für Daheim zu kaufen.

Insolvenz von Gigaset: Schlechte Zeiten für Schnurlostelefone

Hintergrund für den Gang in die Insolvenz sei im Wesentlichen ein unerwarteter und erheblicher Umsatzrückgang im zweiten Halbjahr 2023 und eine deutlich unter den Planungen liegende Geschäftsentwicklung. Die Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebstätigkeiten für DECT-Schnurlostelefone wurden dem Unternehmen zufolge seit dem Antrag im Herbst unverändert fortgeführt.

Laut Gigaset läuft seit Ende Oktober die Investorensuche. Ziel ist die nachhaltige Restrukturierung des operativen Geschäftsbetriebes. Zu den Geschäftsaktivitäten des Unternehmens mit 175-jähriger Firmengeschichte gehörten ferner Smartphones auf Android-Basis, Cloud-basierte Smart Home Angebote sowie Geschäftstelefonie-Lösungen. (sst mit dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

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