Preisrallye

Goldpreis auf Rekord-Hoch: Steigende Verkäufe bei Juwelieren

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Hüseyin Karabiyik ist seit mehr als 30 Jahren im Gold-Geschäft. Marktpreise wie aktuell habe er dabei noch nicht erlebt.
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Gold ist aktuell so teuer wie noch nie. Doch trotz des Rekord-Hochs ist die Nachfrage bei den Banken der Region verhalten. Dafür bemerken Juweliere steigende Verkäufe.

Lüdenscheid – Gold ist so teuer wie noch nie. Anfang dieser Woche sprang der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls zwischenzeitlich auf mehr als 2180 US-Dollar, auch in Euro erreichte der Goldpreis mit mehr als 1999 ein Allzeithoch.

Besonders bemerkenswert: Für den jüngsten Preissprung gab es keinen offensichtlichen, direkten Auslöser. Was sind also die Gründe für das Rekordhoch? Und wie wirkt es sich auf die Nachfrage bei den Banken und Händlern vor Ort aus? Wir haben nachgefragt.

„Derzeit sind es weder die privaten Anleger noch die Schmuckindustrie, welche den Goldpreis nach oben treiben“, erklärt Markus Schäfer, Bereichsleiter Vertriebsmanagement bei der Volksbank Südwestfalen. Stattdessen seien es aktuell Zentralbanken wie die EZB oder Fed, die ihre Goldbestände „massiv“ aufstocken würden.

„Dazu wiederum tragen geopolitische Krisen wie die Kriege in der Ukraine und dem Nahen Osten bei, aber auch Spekulationen auf weitere Zinssenkungen spielen eine Rolle“, sagt Schäfer. Denn anders als Festgeld bringt Gold bekanntlich keine Zinsen – und wird dadurch als Anlage derzeit wieder attraktiver.

In Lüdenscheid haben sowohl die Sparkasse als auch die Volksbank Südwestfalen verschiedenste Edelmetallprodukte, darunter Goldmünzen und -barren in unterschiedlichen Größen, im Angebot.

Beim Verkauf von Altgold zählt meist nur der reine Materialwert.

Das Kaufverhalten privater Anleger bleibe von der Goldpreis-Rallye aber bislang weitgehend unberührt, wie Sparkassen-Sprecher Volker Schnippering sagt: „Die Ankäufe und Verkäufe sind seit dem Herbst auf niedrigem Niveau recht konstant. Gold ist bei uns ein Nischenprodukt – sowohl bei physischen Käufen und Verkäufen als auch bei der Geldanlage in Gold-Fonds.“

Auch die Volksbank Südwestfalen vermeldet nur eine verhaltene Nachfrage bei Goldankäufen. Verkäufe blieben sogar fast gänzlich aus: „Ist der Preis hoch, scheint etwas beliebt zu sein“, sagt Schäfer. „Viele haben dann eher Angst, zu spät dran zu sein – sie investieren dann lieber, statt bereits vorhandene Bestände zu verkaufen.“ Umgekehrt würde in Zeiten niedriger Preise kaum jemand einen Goldankauf wagen.

Goldpreis auf Rekord-Hoch: Steigende Verkäufe bei Juwelieren

Diejenigen, die angesichts des lukrativen Kurses derzeit dennoch bereit sind, ihr Gold zu Geld zu machen, finden auch bei zahlreichen Juwelieren in der Bergstadt dankbare Abnehmer. Einer von ihnen ist Hüseyin Karabiyik mit seiner „Gold Galerie“ am Sternplatz.

„Ich bin seit 32 Jahren im Geschäft – solch hohe Preise habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Goldhändler. Anders als die Geldinstitute nehmen manche Goldankäufer neben Münzen und Barren auch Schmuck, Zahngold und Co. an.

So auch Karabiyik, der dabei derzeit durchaus eine erhöhte Verkaufsbereitschaft seiner Kunden beobachtet: „Wir bekommen oft Erinnerungsstücke wie alten Hochzeitsschmuck oder Erbstücke angeboten. Die Bereitschaft, sich von so etwas Emotionalem zu trennen, steigt, je höher die finanzielle Entschädigung dafür ist.“

Dennoch sei es nicht so, dass lokale Händler wie er vom derzeitigen Rekordhoch profitieren würden, betont Karabiyik: „Wir verdienen mehr, wenn die Leute bei uns Schmuck einkaufen. Und das machen sie eher, wenn die Preise niedrig sind.“

Ob der Verkauf von Schmuck, Barren, Münzen oder Zahngold sich bei dem derzeitigen Goldkurs lohnt, müsse letztlich jeder für sich entscheiden. „Niemand kann seriös sagen, ob der Goldkurs zukünftig steigt oder fällt“, sagt Hüseyin Karabiyik, weist jedoch darauf hin: „Seit ich Anfang der 1990er-Jahre mein Geschäft eröffnet habe, hat sich der Goldpreis fast verzehnfacht. Langfristig lohnt sich die Investition fast immer.“

Was gibt es beim Verkauf von Altgold zu beachten?

„Wichtig ist, sich Zeit zu lassen und sich verschiedene Angebote einzuholen“, rät der Finanzexperte Dr. Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. In der Regel werde nur der reine Materialwert berücksichtigt und die Handwerkskunst außer acht gelassen. Vom Materialwert gehen beim Verkauf noch Risikoabschläge sowie Abschläge für Einschmelzkosten ab – und diese variieren von Anbieter zu Anbieter.

Doch woher weiß ich überhaupt, wie hoch der Materialwert ist? „Dazu sind drei Werte wichtig“, erklärt Dr. Ralf Scherfling. Der Feingehaltsstempel, der in einem Schmuckstück eingraviert ist, verrate den Materialwert. Dann ist der Schmuck zu wiegen und als drittes ist der Goldkurs wichtig.

Eine Beispielrechnung: Im Schmuckstück steht die Zahl 585 für die Qualität und es ist 15 Gramm schwer. Angenommen der Preis für ein Gramm Gold (eine Unze sind 31,1 Gramm) liegt derzeit bei 63,46 Euro, würden 15 Gramm entsprechen 951,9 Euro kosten. Da 585er Gold einen Goldanteil von 58,5 Prozent hat, muss das noch eingerechnet werden. Der reine Materialwert für das Schmuckstück liegt also bei 556,8615 Euro.

„Dieser Betrag ist die Obergrenze von dem, was ich bekommen könnte. Davon gehen dann noch die Abschläge ab“, erklärt Dr. Ralf Scherfling. Der Verkäufer könne somit einschätzen, ob das Angebot, das ihm der Goldankäufer macht, fair ist.

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