Nichts geht mehr

Großflächiger Stromausfall: Gemeinde 24 Stunden im Ausnahmezustand

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    Carola Schiller
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Ein großflächiger Stromausfall legt Bönen fast 24 Stunden lahm. Die Feuerwehr wird aktiv, um den Bürgern zu helfen. Ein Krisenstab der Verwaltung fehlt jedoch.

Bönen – Fast 24 Stunden sind große Teile der Gemeinde ohne Strom. Tausende Haushalte sind von Samstagvormittag bis Sonntagmorgen betroffen. Was das bedeutet, welche Auswirkungen das hat, bekommen Bürger und Unternehmen hautnah zu spüren. Bislang waren bei Stromausfällen glücklicherweise immer nur einzelne Gebiete betroffen, der Fehler vom Versorger schnell ausgemacht und in kurzer Zeit beseitigt. Diesmal hat der Ausfall ein anderes Ausmaß.

An der Trafostation auf dem Aldi-Parkplatz arbeiteten Techniker am Samstag, um die Ursache des Stromausfalls zu beseitigen. Das war jedoch nicht die einzige Baustelle.

Gegen 10.30 Uhr am Samstag, 6. September, teilen die GSW über ihren Instagram-Kanal mit, dass es zu einer größeren Störung im Mittelspannungsnetz gekommen sei. Der Stromausfall erstreckt sich auf den größeren Bereich rund um die Bahnhofstraße. Auch das Saunabad sei betroffen, der Betrieb eingestellt. „Zum aktuellen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass die Stromversorgung gegen 17 Uhr wiederhergestellt ist“, heißt es da noch vom Stromversorger.

Feuerwehr richtet Anlaufstellen ein

Unzählige Privathaushalte sind betroffen. Nichts geht mehr, denn alles hängt am Stromnetz. Internet, TV, Radio – Fehlanzeige. Auch der Notruf 112 funktioniert nicht. Dazu kommt, dass in vielen Bereichen auch die Mobilfunkmasten von dem Ausfall betroffen sind. Die Folge: Telefonieren mit dem Smartphone ist nicht möglich.

Wie sollen die Bürger im Notfall Hilfe rufen? Deshalb ergreift schließlich der Chef der Bönener Feuerwehr, Stefan Eickelberg, gegen 11 Uhr die Initiative und besetzt die Gerätehäuser der Feuerwehr mit Rettungskräften, damit die Bönener hier im Notfall Ansprechpartner finden. Auch das DRK richtet am Königsholz einen Anlaufpunkt ein.

Leere Preistafel, kein Sprit: Bei der Esso Tankstelle in Altenbögge funktionierten die Zapfsäulen nicht ohne Strom.

Einen Krisenstab vonseiten der Bönener Verwaltung, um Aktionen in dieser Ausnahmesituation zu koordinieren, gibt es nicht, einen Notfallplan offensichtlich auch nicht. Dabei ist die Sicherheit der Bevölkerung Aufgabe der Gemeinde, nicht der Feuerwehr. „Wir wollten aber Bürgernähe zeigen“, so Eickelberg, „und den Menschen eine Anlaufstelle bieten.“ Nach elf Stunden, als um die Feuerwehrstandorte herum teilweise wieder Strom verfügbar ist, beenden die Feuerwehrleute ihre Bereitschaft vor Ort.

Unter anderem an der Poststraße gab es Probleme an der Stromversorgungsleitung.

Je länger der Stromausfall dauert, desto prekärer wird die Lage für Beatmungspatienten im ebenfalls vom Stromausfall betroffenen Seniorenheim Alloheim an der Heinrich-Wieschhoff-Straße. Ohne Stromversorgung laufen die Beatmungsgeräte auf Akku. Da niemand weiß, wie lang der Stromausfall dauern wird, werden drei Patienten vorsorglich in umliegende Krankenhäuser evakuiert.

Kühlkette unterbrochen, alles muss weg

Viele Bönener machen sich mittlerweile auch Sorgen, was mit ihren Lebensmitteln in Gefrier- und Kühlschrank passiert, wenn der Ausfall länger dauert. Beim Discounter Aldi ist dagegen klar, dass die komplette Kühl- und Gefrierware entsorgt werden muss. „Die Kühlkette ist unterbrochen. Es hat lange gedauert, bis wir wieder Strom hatten“, erklärt eine Mitarbeiterin. „Wir können davon nichts mehr verkaufen. Das dürfen wir gar nicht.“

Auch Rossmann und Penny müssen aufgrund des Stromausfalls schließen. Besser gesagt, sie können nichts verkaufen, die automatischen Türen schließen nicht mehr. Die Mitarbeiter müssen die Ein- und Ausgänge daher sichern. K&K hat um 14.30 Uhr wieder Strom und kann wieder öffnen. Mit einem blauen Auge davon kommt der Rewe Markt. Inhaber Adam Karwoth berichtet: „Bei uns hat das Licht nur kurz geflackert. Probleme gabs keine.“ Beim Nachbarn Edeka fallen die Kassensysteme aus und die Türen schließen nicht mehr. Einzig Lidl meldet keinerlei Probleme. Die Esso Tankstelle in Altenbögge zeigt keine Preise mehr an. Kein Grund zur Freude, denn Sprit gibt es auch nicht, weil die Zapfsäulen nicht mehr arbeiten.

Wache halten vor dem Penny Markt: Dort konnten die Türen nicht mehr geschlossen werden.

Längst ist eine Fehlerbehebung bis 18 Uhr nicht mehr realistisch. Jürgen Braucks, Centerleiter der GSW, spricht gegen 20 Uhr von einem „Worst-Case-Szenario“. Er nimmt an der Poststraße und an der Gustavstraße Baustellen in Augenschein, wo defekte Kabel freigelegt werden. „Es waren zwei Fehler“, sagt er. „Wir sind mit allen Mitarbeitern vor Ort. Wir haben auch Leute aus ihren freien Tagen geholt. Wir hören hier nicht auf, bis das wieder funktioniert. Wenn es die ganze Nacht dauert, tauschen wir die Mitarbeiter aus.“ Für die Techniker wird es tatsächlich eine lange Nacht. Die Fehlerbehebung scheint schwieriger als erwartet. Die GSW verkünden um 22.20 Uhr, dass sie aufgrund des großflächigen Stromausfalls einen Krisenstab einberufen, um die Situation zu analysieren und weitere Schritte zu koordinieren.

Ursachenforschung dauert noch an

Erst am Sonntagmorgen arbeitet das Netz weitgehend. Einige Haushalte im Bereich Auf dem Holtfeld laufen noch über Notstromaggregate. Gegen 10.15 Uhr sind sie erneut für eine halbe Stunde ohne Strom. Dann melden die GSW um 11.20 Uhr: „Die Umschaltung auf den Netzbetrieb hat reibungslos funktioniert. Alle Haushalte und Einrichtungen sind wieder über das Versorgungsnetz versorgt. Die Ursachenforschung dauert noch an.“ Offensichtlich sind noch nicht alle Ursachen für den Stromausfall gefunden.

Rubriklistenbild: © Carola Schiller

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