Stadtbezirk ans Bahnnetz angeschlossen

Haltepunkt Westtünnen: Erster Zug hält am 10. Oktober

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Die Schilder stehen schon: Die Bahnsteige am Haltepunkt Westtünnen sind im Sommer fertiggestellt worden. Bis zum 10. Oktober rauschen die Züge noch durch.
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Nach 43 Jahren wird der Stadtbezirk Westtünnen wieder ans Bahnnetz angeschlossen.

Westtünnen – Was lange währt, wird endlich gut. Das gilt zumindest für den Haltepunkt Westtünnen. Vor 32 Jahren wurde das Projekt angestoßen; am 10. Oktober soll dort nun endlich der erste Zug halten. Baulich ist seitens der Bahn seit dem Sommer alles fertig, gearbeitet wird aber noch an den Zuwegungen.

Die Ems-Börde-Bahn (RB89) wird den Haltepunkt im Halbstundentakt bedienen. Die ersten Züge halten dort am Donnerstag, 10. Oktober, um 10.57 Uhr in Richtung Paderborn und um 11.08 Uhr in Richtung Münster über Hamm. Die Stadt plant um 11 Uhr eine Eröffnungsfeier und lädt alle Bürger dazu ein. Zwischen Westtünnen und dem Hauptbahnhof ist die Fahrt an diesem Tag für alle frei.

Sechs Minuten bis in die City

Die RB89 braucht nur sechs Minuten bis in die Hammer Innenstadt, mit der Buslinie 4 dauert die Fahrt etwa 25 Minuten. Während Fahrgäste aus Westtünnen mit der 4 innerhalb des Ortsteils weiterfahren können, ist die Anbindung in Richtung Süden schwieriger. Weil der Südfeldweg zu schmal ist, werde der Haltepunkt nach Eröffnung von der Taxibuslinie 2 der Stadtwerke bedient, heißt es bei der Stadt. Die T2 fahre werktags stündlich und am Wochenende alle zwei Stunden zwischen dem Haltepunkt, Berge, Rhynern und dem Gewerbepark.

Mit dem Haltepunkt erhält der Stadtbezirk nach 43 Jahren wieder Anschluss an die Eisenbahn. Von 1886 bis 1981 hielten Personenzüge am staatlichen Bahnhof Rhynern, von 1903 bis 1962 betrieb die Ruhr-Lippe-Eisenbahn zusätzlich die Station Rhynern West, die spätere Gaststätte „Zum Klosterfeld“, aus der jetzt eine Stadtteilbibliothek werden soll.

Anstoß erfolgte 1992

Den Anstoß zum Haltepunkt in Westtünnen gaben im August 1992 die SPD-Politiker Hubert Westermeier (1944-2005) und Karl-Heinz Sudholt. Bereits damals war der Bau einer Unterführung am Südfeldweg im Gespräch, den die Sozialdemokraten mit der Einrichtung eines Bahnhalts verbinden wollten. Die Bahn plante damals noch, aus der Linie Hamm–Kassel eine Schnellstrecke zu machen.

Vom Positionspapier des SPD-Ortsvereins zum Einladungsschreiben für die Einweihung dauerte es jedoch geschlagene 32 Jahre. Obwohl das Vorhaben über Parteigrenzen hinweg wohlwollend aufgenommen wurde, gestaltete sich der Planungsprozess aufwendiger als gedacht. „Ich hatte das Projekt schon abgeschrieben“, sagt Initiator Sudholt heute. „Aber ich freue mich, wenn das Projekt jetzt endlich realisiert ist.“

800 Fahrgäste täglich

Mit rund 800 Fahrgästen täglich rechnet man bei der Bahn. Allerdings dürfte es noch dauern, bis die Station ihr volles Potenzial ausschöpfen kann. Das liegt auch am Südfeldweg als Hauptzufahrt von Süden aus. Der soll erst mit dem dort geplanten Neubaugebiet – auch für Radfahrer – ausgebaut werden. Wie lange das dauern wird, ist unklar.

Neue Bahnprojekte

Der Haltepunkt Westtünnen ist nicht das einzige Bahnprojekt auf der Wunschliste der Stadt Hamm. Mit der geplanten Verlängerung der S-Bahn-Linie 1 von Dortmund nach Hamm soll in Selmigerheide eine Station entstehen. Prüfen lassen will die Stadt auch die Reaktivierung der Ruhr-Lippe-Eisenbahn zwischen Hamm-Süden und Uentrop für den Personenverkehr sowie eine Verlängerung der Dortmunder U-Bahn-Linie 42 über Bergkamen, Werne und Bockum-Hövel nach Hamm.

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