- VonFrank Lahmeschließen
Die Sprenger des Geldautomaten in Hamm wurden wohl gefasst. Das SEK hob eine rumänische Bande aus, die offenbar für viele Explosionen in NRW verantwortlich war.
Hamm - Die Spur führte am Ende nicht in die Niederlande, sondern ins Rheinland: Die Geldautomatensprenger, die am Freitag (24. Februar) in der Kaufland-Filiale in Bockum-Hövel in Hamm zugeschlagen hatten, sind offenbar gefasst.
Am frühen Donnerstagabend (2. März) gab die Staatsanwaltschaft Köln bekannt, dass hinter der Bockum-Höveler Sprengung und weiteren acht ähnlich gelagerten Fällen eine rumänische Tätergruppierung stecken soll. Ein 47-jähriger, international gesuchter Hauptbeschuldigter sei am Nachmittag festgenommen worden. Ebenso seien drei Wohnungen im Raum Köln/Bonn mit Unterstützung von Spezialeinsatzkräften durchsucht worden, wie 24RHEIN schreibt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand belaufe sich die Tatbeute auf insgesamt rund 450.000 Euro.
Sprengung eines Geldautomaten in Hamm: SEK schnappt rumänische Bande
Im April 2021 soll die erste Tat erfolgt sein. Damals wurde in Monschau in einem Baumarkt ein Geldautomat gesprengt. Drei weitere EC-Automaten folgten in Rheinland-Pfalz und fünf in Nordrhein-Westfalen. Die jüngste Sprengung war die des Geldautomaten in Hamm.
Diese Geldautomatensprengungen sollen die Täter verübt haben:
- Monschau (NRW) am 02.04.2021
- Niederkrüchten (NRW) am 22.12.2021
- Mönchengladbach (NRW) am 02.05.2022
- Sinzig (Rheinland-Pfalz) am 07.05.2022
- Mayen (Rheinland-Pfalz) am 16.05.2022
- Neuss (NRW) am 13.06.2022
- Elsdorf (NRW) am 17.11.2022
- Sinzig (Rheinland-Pfalz) am 07.01.2023
- Hamm (NRW) am 24.02.2023
Geldautomatensprengung in Hamm: War die Tat schon auf dem Radar?
Wie die Polizei Köln und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärten, seien gegen die rumänische Tätergruppierung im Alter von 30 bis 52 Jahren seit September 2022 verdeckte Ermittlungen geführt worden. Eine bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf angesiedelte Zentralstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten sei im Boot gewesen.
Gut möglich also, dass das Hammer Sprengkommando schon vor der Tat auf dem Radar der Ermittler war. Fragen von wa.de, ob das Fluchtauto möglicherweise verwanzt war oder der Weg der Täter per Telefonüberwachung nachverfolgt werden konnte, wurden am Donnerstagabend nicht mehr beantwortet.
Geldautomaten-Sprenger: Viele Pkw-Diebstähle und Einbrüche
Bei ihren Taten sollen die Täter jeweils Festsprengstoff verwendet haben. Auch der Bockum-Höveler EC-Automat wurde damit in die Luft gejagt. „Die Verdächtigen sollen überwiegend Fahrzeuge der Marken Alfa Romeo und Fiat genutzt haben“, hieß es weiter von Polizei und Staatsanwaltschaft. Auch das passt zu der Kaufland-Tat; dort war das Fluchtfahrzeug ein Fiat Abarth 500. Zwischenzeitlich hatte es Spekulationen um das Kennzeichen des Fluchtautos gegeben.
Zur Höhe der in Hamm gemachten Beute wurden bislang keine Angaben gemacht. Am Donnerstag wurde lediglich bekannt gegeben, dass der Gesamt-Beuteschaden bei rund 450.000 Euro liegen soll.
Die Gruppierung soll ferner eine Vielzahl von Fahrzeugdiebstählen und Einbrüchen begangen haben. Die Tatorte sollen auch hier in NRW und Rheinland-Pfalz gelegen haben. Bei den Wohnungsdurchsuchungen (Niederkassel-Mondorf, Köln und Bonn) sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, wurde weiter aus Köln und Düsseldorf erklärt. Nähere Angaben zu diesem Beweismaterial wurden nicht bekannt gegeben.
Europaweit mehrere Haftbefehle
Der Hauptbeschuldigte Rumäne war europaweit mit mehreren Haftbefehlen (u.a. in Luxemburg, Schweiz, Ungarn, Rumänien und Deutschland) gesucht worden. Der gegen den 47-Jährigen vorliegende Haftbefehl wurde am Donnerstag vollstreckt. Über die Bande lagen in sechs europäischen Ländern Erkenntnisse vor.
Laut Landeskriminalamt gab es seit Jahresbeginn 30 Attacken auf Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen, darunter jenen auf einen Automaten der Sparkasse in Dortmund. Die Schäden gehen in die Millionenhöhe. Die Banken sind dabei machtlos. Der Automat in Bockum-Hövel gehört der ING.
